Max Greve wird Bürgermeister von Bochum

Eine neue Städteordnung und neue Männer in der Stadtvertretung

 

Dietrich Wegmann

 

Der 7. Oktober 1842 war von einiger Bedeutung für die wei­tere kommunale Entwicklung der noch kleinen Stadt Bochum. Für diesen Tag hatte der vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen bestellte Kommissar Graf Godehart von der Recke-Volmerstein, der zugleich der Landrat des Landkreises Bochum war, eine Sitzung der am 16., 17. und 18. Mai gewählten Stadtverordneten einberufen. Es waren dies:

  • Kaufmann Friedrich Daniel Cramer

  • Salarien-Kassen-Rendant Cremer

  • Wirt Arnold Fiege

  • Obergeschworener Karl Wilhelm Haardt

  • Winkelier Heinrich Höltring

  • Land- und Stadtgerichtsassessor Ludwig Jakobi

  • Tuchfabrikant Karl Kentzler

  • Winkelier Franz Laarmann

  • Gerichtssekretär Franz von Lothum

  • Ökonom Hermann Schulte-Oestrich

  • Lohgerber Ernst Schulten

  • Kaufmann Theodor Spennemann.

Um die Bedingungen des passiven Wahlrechts zu erfüllen, hatten sie entweder einen Grundbesitz im Wert von 1500 Talern oder ein Einkommen von 500 Talern im Jahr nachweisen müssen.1

Unter dem Vorsitz des Kommissars sollten die Stadt­verordneten darüber entscheiden, ob ihre Stadt künftig nach der revidierten Städteordnung von 1831 oder nach der Landgemeindeordnung von 1841 verwaltet werden sollte. Mit neun gegen drei Stimmen entschieden sie sich an diesem 7. Oktober 1842 für die Einführung der revidierten Städteordnung. Für den hier darzustellenden thematischen Zu­sammenhang bedeutete diese Entscheidung, dass die bisher zur Bürgermeisterei Bochum gehörenden Landgemeinden und die Stadt Bochum ver­waltungsmäßig zu trennen und vorab jeweils neue kommunale Spitzenbeamte zu wählen und zu berufen waren. Damit stand, anders gesagt, für die Stadt Bochum die erste Wahl und Amtseinführung eines Magistrats einschließlich des an seiner Spitze stehenden Bürger­meisters auf der Grundlage der neu eingeführten Städteordnung an. Leitung und Organisation auch dieses Prozesses oblagen dem Kommissar Landrat Graf von der Recke-Volmerstein.

 

Ausschreibung der Bürgermeisterstelle und der Magistratur

Der Landrat ließ die zu besetzenden Stellen am 10. Dezember 1842 in Nr. 50 des `Bochumer Kreis­blattesA ausschreiben. Dabei wurde das Bürgermeisteramt besonders herausgestellt; allerdings ver­zichtete Recke auf eine Um­schreibung der Aufgaben des Bürgermeisters ebenso wie auf die Darlegung eines Leistungs- oder Anforderungsprofils der möglichen Bewerber sowie auf die Darlegung der geltenden Zensusvorschriften für das passive Wahlrecht. Er wies lediglich darauf hin, dass die Stelle des Bürgermeisters mit einem Diensteinkommen von 600 Talern und freier Dienst­wohnung verbunden sei.

Der dieser Angabe zugrunde liegende Beschluss der Stadtverordneten vom 11. Oktober 1842 legte konkreter fest, was der Bürgermeister an dienstlichen Ausgaben von diesen 600 Talern zu bestreiten hatte. Das waren sämtliche Bürokosten einschließlich Beleuchtung, Heizung und Reinigung für das eigene Büro wie für die `beiden Sitzungsstuben der StadtverordnetenA und des Magistrats. Er hatte ferner daraus die `erforderliche Aushülfe bei der Geschäftsverwaltung im Registratur- und Kanzlei-Fache für das MagistratsbüroA zu bestreiten. Hierfür wurden 150 Taler der Bareinnahmen veranschlagt, so dass als Grundlage für die Pensionsberechnung und als eigentliches Gehalt 450 Taler verblieben. Zugleich wurde festgelegt, welche Räume im Rathaus dem Bürgermeister `als AmtswohnungA zur Verfügung stünden, nämlich die obere Etage, die Dachetage und der Kellerraum, `wie ihn der zeitliche Bürgermeister inne hatA. Ausdrücklich wurde erklärt: `Die mittlere Etage [des Rathauses], die Souterains und die sogenannte Rathhausscheune bleiben zur Disposition der Stadt.A2

In der schon erwähnten Ausgabe 50 des Bochumer Kreisblatts von 1842 ließ der Landrat die an die Stadtverordneten gerichtete Einladung `zur Wahl des Bürgermeisters und der MagistratsmitgliederA veröffentlichen. Die dazu erforderliche Sitzung soll­te am Freitag, dem 30. Dezember 1842 um 10 Uhr `in der Behausung der Witwe DahmA, und nicht im Rathaus stattfinden.

 

Die Bürgermeisterkandidaten

Von den Bewerbern um die Bür­germeisterstelle forderte Graf Recke in der Stellenausschreibung nur, dass sie `ihre etwaigen Qualifikationsatteste nebst einem Curriculum vitae schleunigst ein­schickenA sollten. In seinem an den Landrat gerichteten Bewerbungsschreiben erklärt Greve ebenso knapp wie förmlich, dass er `zur Übernahme dieser Stelle nicht ungeneigtA sei. Wört­lich heißt es dann weiter in dem zeittypischen devoten und distanzierenden Stil: `Wie Ew. Hochgeboren aus dem umstehenden curriculum vitae hochgeneigtest ersehen wollen, bin ich bereits im Jahre 1840 zum Ober­gerichts­referendar ernannt und zur Zeit beim hiesigen Obergericht mit den Vorarbeiten zur großen Staatsprüfung beschäftigt. Meine Qualifikation möch­te daher wohl nicht in Zweifel zu stellen sein.A Als Nachweis dafür, schreibt er weiter, möge die beim Gericht in Hamm `beruhende PersonalakteA dienen; er `stelle deren Abforderung gehorsamst anheimA.3

Weder finden sich in dem Bewerbungsschreiben weitere qualifizierende Selbstaussagen, noch konkretere Vorstellungen über das Bürgermeisteramt und die damit verbundenen Aufgaben. Es gibt auch keinen Hinweis auf Greves Militärverhältnis, das oft für eine Beamtenkarriere in Preußen bedeutsam war. Indessen hatte Greve seiner Militärpflicht bereits genügt. Er hatte allerdings von August 1838 bis zum August 1839 den einjährig-freiwilligen Dienst beim 13. Infanterie-Regiment in Münster absolviert, und zwar parallel zu seiner Ausbildung als Auskultator beim Land- und Stadtgericht ebenda. Bei seinem Abgang vom Militär wurde ihm von seinem Kompaniechef das Zeugnis erteilt: `Seine Führung war musterhaft, im Dienst war er eifrig und hat sich in demselben als ziemlich brauchbar bewährtA.4 Obwohl er die Prüfung zum Landwehroffizier schon im August 1839 bestanden hatte, wurde er erst 1844 zum Reserveoffizier, und zwar zum Sekondeleutnant beim 16. Landwehrregiment in Iserlohn befördert.5

Welche Motive, Erwartungen und Überlegungen Greve, als er kurz vor dem Assessorexamen stand, zu der Bewerbung um das Bochumer Bürgermeisteramt veranlasst haben, darüber gibt es keine authenti­schen Äußerungen. Zweifellos hat eine Rolle gespielt, dass sich mit der angestrebten Bürgermeisterstelle trotz der Enge des Zuschnitts ein vielgestaltiges Aufgabenfeld erschloss und dass in ihr einige Reputati­on, ein sicheres und auch überdurchschnittliches Einkommen zu gewinnen war. Dagegen war der Aufstieg in den höheren Justizdienst noch ungewiss; auch danach blieb die Tätigkeit dort oft noch für eine Reihe von Jahren, solange der junge Beamte Assessor und nicht Inhaber einer etatmäßigen Stelle war, mit unsicherem und relativ knap­pem Einkommen verbunden.

Einen Tag später, am 21. Dezember 1842, verfasste Greve einen Brief an den Stadtverordneten Her­mann Schulte-Oestrich.6 Darin informierte er den Adressaten über seine Bewerbung und teilte ihm mit, er sei über die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle sehr überrascht gewesen, da ihm `schon im Anfang dieses Monats gesagt worden, daß die Wahl bereits stattgefunden und auf Hrn. von Lothum gefallen seiA.7 Am Schluss seines Briefes bittet er Schulte-Oestrich, ihm `zu seiner Zeit von dem Ausfalle der Wahl Nachricht zu gebenA.

Der in ihn gesetzten Erwartung entsprach Schulte-Oestrich schon vorher recht bald mit einem Brief vom 28. Dezember1842.8 Darin unterrichtete er Greve über seine Mitbewerber um das Bürgermeisteramt. Er nannte an erster Stelle den Bochumer Lederfabrikanten bzw. Lohgerber Ernst Schulten, außerdem bewerbe sich `ein gewisser Lucas aus DortmundA. Als mögliche Bewerber würden noch genannt der Amtsinhaber Bürgermeister v. Lüdemann, Gerichtssekretär v. Lothum und noch andere; ein weiterer Kandidat habe seine Bewerbung bereits wieder zurückgezogen.

 

Das Wahlergebnis

Ferner teilte Schulte-Oe­strich Greve einige Mutmaßungen über den Ausgang der Wahl mit. Das Wahlergebnis sah der Schrei­ber vor allem bedingt durch die Grup­pierung der Stadt­verordneten zu zwei Parteien. Von diesen wollte die eine von Lothum oder Greve, wäh­rend die andere sich für andere Kan­didaten ent­scheiden würde. Eine gewisse Schlüs­selrolle sprach Schulte-Oestrich dem Stadt­verordneten Rendant Cremer zu.9 Dieser habe zu der ersten Grup­pe tendiert, jedoch nur, weil er von Lothum wollte; das konnte nach Meinung Schulte-Oestrichs Veranlassung sein, dass diejenigen der Grup­pe, die eigent­lich Greve wollten, sich doch für Lothum entscheiden könnten, um mit der so erhofften Stimme Cremers der Gruppe die Mehr­heit zu si­chern.

`Wenige AugenblickeA nach Abschluss der Wahl am 30.12.1842, `sehr in EileA und vor der offiziellen Benachrichtigung durch den Landrat, informierte Schulte-Oestrich seinen `sehr geschätzten FreundA über Verlauf und Ergebnis der Wahl.10 Nach­dem im ersten Wahlgang zwei Stimmen für Lüdemann, vier für Lothum und sechs für Greve abgegeben worden waren, wurde eine Stichwahl erforderlich. In dieser sei Greve mit acht Stimmen gegen v. Lothum, der vier Stimmen erhalten habe, `zum Bürgermeister von Bochum gewähltA worden. Nach `herzlichstem GlückwunschA teilte er noch mit, dass von der Berken, Bierhorst und Ernst Schul­ten zu unbesoldeten Magistratsmitgliedern gewählt worden seien.

Der Landrat selbst hat Greve eigenhändig noch am 30. Dezember über seine Wahl zum Bürgermeister informiert, ihm dazu `Glück und Gottes SegenA gewünscht und die Annahme ausgesprochen, dass die `höhere Bestätigung wohl ohne Zweifel erfolgenA werde und dass es wahrscheinlich sei, dass Greves `Amtsantritt noch innerhalb der nächsten sechs Wochen statthaben werdeA.11 Zugleich ließ Graf Recke eine entsprechende, ganz auf die Mitteilung der Fakten beschränkte Bekanntmachung über das Ergebnis der Bürgermeister- und der Magistratswahl noch am 31. Dezember im `Bochumer KreisblattA, Nr. 53, S. 433 veröffentlichen.

Noch am Wahltag berichtete er außerdem an die Bezirksregierung in Arnsberg über die Wahl. und äußerte sein Urteil über die Gewählten.12 Über Greve schrieb er: `Indem ich das von demselben einge­reichte Curriculum Vitae vorlege, bemerke ich, daß derselbe vor einem halben Jahr einige Zeit beim hiesigen Land- und Stadt Gerichte gestanden hat und daher den hiesigen Einwohnern großentheils bekannt war. Mir ist derselbe jedoch gänzlich unbekannt und vermag ich daher kein Urtheil über ihn zu fällen.A Die drei gewählten Magistratsmitglieder hielt er für `ganz qualifizirtA und fügte seinem Urteil einige globale Argumente hinzu. `Der Berggerichtsrath v. d. Berken ist ein ausgezeichneter Jurist und ein wegen seiner übrigen Eigenschaften höchst achtungswerther Mann, der Kaufmann Bierhorst ist eines der ältesten Mitglieder des bisherigen Gemeinderaths und daher mit den städtischen Angelegenheiten völlig bekannt, daher als Mitglied der Verwaltung von entscheidendem Nutzen. Der Lohgerber Schulten früher Gemeinderath jetzt Stadtverordneten Sekretär und Bewerber um die Bürgermeisterstelle ist ein rechtdenkender intelligenter Mann, der sich völlig für die Stelle eignet.A13. Diese Einschätzung lief auf sein Votum hinaus, dass die Regierung alle Gewählten für ihr Amt bestätigen möge.

In seinem Bericht brachte Recke einige weitere kom­munalpolitische Erwägungen vor, die erkennen lassen, dass es ihm gerade bei städtischen Wahlen um eine gewisse Ausgewogenheit im Verhältnis der beiden großen Konfessionen innerhalb der städtischen Gremien ging, wenngleich `nach der Zählung von 1840 in der Stadt unter den 3.859 Einwohnern 2.076 Katholiken und 1.639 Protestanten beiderlei BekenntnissesA14 lebten. In diesem Wunsche sah Recke sich offenbar in Übereinstimmung auch mit den Katholiken unter den Stadtverordneten. Zu­gleich lässt sich an seiner Erklärung ablesen, dass sich in der Stadt Bochum zu diesem Zeitpunkt weder politische Gruppen im engeren Sinne noch gar Parteien gebildet hatten. Recke schrieb: `Bei der Wahl der StadtVerordneten hat jede Confession ungefehr ihre Candidaten durchgebracht so daß fast Gleichstellung erreicht worden ist.A Bei den Magistratswahlen sei dies indessen nicht erreicht worden, `da nur drei Mitglieder zu wählen waren und da nun schon der gewählte Bürgermeister und zwei von den gewählten Magistratsmitgliedern der katholischen Confession angehören, so ist der Wunsch der EvangelischenA, dass der Stadt noch ein viertes Magistratsmitglied zugestanden werde. Der Landrat unterstützte diesen Wunsch mit dem Hinweis darauf, dass die Magi­stratsmitglieder ohnehin nicht besoldet würden.

Dem letzteren Wunsch entsprach die Regierung jedoch nicht, wohl aber wurden alle Gewählten in ihrem Amt bestätigt. Das Reskript bzw. die Verfügung der Regierung fehlt übrigens in der angegebenen Akte. Eine inoffizielle Version hat Greve von Schulte-Oestrich erhalten (s.u.).

 

Nachweisung der formalen Qualifikation
Wenngleich der Landrat den Zeitrahmen bis zu Gre­ves Amtsantritt richtig einge­schätzt hatte, zog sich die Amtseinführung Greves aus anderen Gründen, da er zunächst noch die formalen Qualifikationen nachzuweisen hatte, doch noch bis zum Mai hin. Zwar hatte Recke Greve schon am 2. Februar 1843 benachrichtigen können, dass die Regierung keine Einwände gegen seine Wahl erhoben habe, dass indessen die formale Bestätigung erst erfolge, sobald Greve `das Bürgerrecht in Bochum gewonnenA und seine `Entlassung aus dem Justiz-Dienste beigebracht habenA werde.15

Während die Entlassung aus dem Justizdienst lediglich eine Formalie und rasch erledigt war, ergaben sich bei dem Erwerb des Bürgerrechts doch einige Schwierigkeiten, bedingt wohl im Wesentlichen durch eine Verzögerungstaktik des unterlegenen Konkurrenten Lüdemann. Den in seinem Fall erforderli­chen Grundbesitz hat Greve bereits mit Kaufvertrag vom 11. Februar 1843, beurkundet von dem Justizkommissar und Notar Philipp Theodor Grimberg in Bochum, nachweisen können. Danach hat ihm der `Bürger Moritz EndemannA drei `im städtischen Bezirke von Bochum gelegene AckerländereienA zum Preis von 620 Talern verkauft, und zwar:

`[...] ein Stück im obersten Lohberg [...] einhundert zwei und zwanzig Ruthen preußisch großA;

`[...] ein Stück daselbst das Brehmer [?] Kämpchen genannt [...]88 Ruthen preußisch großA;

`[...] ein Stück im Griesenbruch ein Morgen 66 Rut­hen 75 Fuß [...] groß [...]A.16

Noch unter demselben Datum des 11. Februar 1843 haben die Stadtverordneten Greve mit `Protokollar­beschlußA, den alle unterschrieben, das Bürgerrecht der Stadt Bochum erteilt, allerdings mit dem Vorbehalt, `[...] soweit die unterzeichneten Stadtverordneten hierzu vor der wirklichen Einführung des gewählten Magistrats befugt sind [...]A.17

Den Landrat unterrichtete Greve schriftlich, Datum des Briefkonzepts ist der 20. Februar 1843, unter Beifügung der entsprechenden Belegdokumente über seine Entlassung aus dem Justizdienst, über die bedingte Erteilung des Bürgerrechts durch die Stadtverordneten und über sein an den amtierenden Bürgermeister Lüdemann gerichtetes, auf den Kaufvertrag gestütztes Gesuch um Aufnahme in die Bürgerrolle. Das Konzept des an den Bürgermeister gerichteten Gesuchs trägt ebenfalls das Datum des 20.2.1843.

Während die dargestellten Aktionen erstaunlich rasch durchgeführt wurden, traten jetzt allzu offensicht­liche Verzögerungsmomente auf. Zum einen gab der amtierende Bürgermeister Lüdemann die Erklärung ab, dass es noch keine von dem Magistrat zu erstellende Bürgerrolle gebe, in die Greve zunächst hätte eingetragen werden müssen; aber der Magistrat war noch nicht einmal in sein Amt eingeführt. Dann sah er einen Hinderungsgrund darin, dass Greve seinen Wohnsitz nicht in Bochum hatte.18

Nach weiterem Schriftwechsel mit dem Bürger­meister und dem Landrat erhielt Greve am 5. April 1843 eine vom Vortag datierte Verfügung Lüdemanns folgenden Inhalts: `Auf Grund des Gutachtens hiesiger Stadtverordneten Versammlung d. d. 11. Februar a. c. ertheile ich Ew. Wohlgeboren höherem Auftrage zufolge, hiermit das Bürgerrecht der Stadt Bochum.A19 Die Fragen Bürgerrolle und Wohnsitz waren und blieben fernerhin gegenstandslos, obwohl Greve auch im April noch sowohl von Castrop aus wie von Kamen her offizielle Schreiben an den Landrat und an den Bürgermeister gerichtet und sich erst am 12. April als in Bochum wohnhaft bei dem zuständigen Feldwebel des Landwehrbezirks gemeldet hatte.20

Es dauerte jedoch noch bis zum 6. Mai, bis dass Greve die vom 24. April datierte Verfügung des Landrats, die auf einer Verfügung der Bezirksregierung Arnsberg vom 12. April fußte, mit der Nachricht über die Bestätigung seiner Wahl zum Bürgermeister durch die Regierung erhielt.

 

Organisation der Einführung in das Bürgermeisteramt

In seinem offiziellen Schreiben vom 24.4. teilte ihm der Landrat außerdem noch mit: `Zu Ihrer Ein­führung sowie der übrigen Magistrats-Mitglieder habe ich Termin auf den 14ten May curr. vormittags 12 Uhr nach beendigtem Gottesdienste angesetzt und wird die Uebergabe der Geschäfte am folgenden Tage vorgenommen werden [...].A21

Zu dem Zeitpunkt hatte Greve allerdings bereits genaue Kenntnis darüber und noch über andere wich­tige Details. Denn unter dem 3. Mai hatte sein Gewährsmann Schulte-Oestrich ihm geschrieben: `In der Anlage habe ich das Vergnügen Abschrift einer Regierungsverfügung [eben der vom 12. April], wonach Sie als unser Bürgermeister und auch die übrigen Magistratsmitglieder definitiv bestätigt sind p. [sic] Ich gratulire also herzlich.A22 Es folgen auf Äußerungen des Kreissekretärs gestützte Mutmaßungen über den Termin der Amtseinführung, dann die Erklärung: `Gestern soll auch eine Verfügung der Regierung auf=m Kreis-Bureau angekommen sein, wonach p. v. Lüdemann gleich nach Ihrer Einführung das Rathhaus räumen soll! B Letztere habe ich zwar nicht gelesen, es soll aber doch wol ziemlich sicher sein. Die Anlage23 (ist auf der Kreisstube geschrieben, bitte daher keinen Gebrauch davon zu machen; nächstens mehr [...]A.

Der Beginn der Amtsführung des nunmehr bestätigten Bürgermeisters sollte wohl nach dem Willen der hinter Greve stehenden Mehrheit der Stadtverordneten durch ein zweitägiges Fest herausgehoben und damit deutlich als Neuanfang in der kommunalen Selbstverwaltung bzw. Politik akzentuiert werden.24 Dabei dürfte es die Absicht gewesen sein, breiteren Kreisen der Bürgerschaft die Teilnahme an den kom­munalen Entscheidungsprozessen zu eröffnen. Diese Absicht passte zweifellos zu dem größeren, in Übereinstimmung mit dem Sinn der revidierten Städteordnung stehenden Zusammenhang, der Bürger­schaft mit der Einführung der Städteordnung einen Neuanfang zu signalisieren und breiteres Interesse an der kommunalen Selbstverwaltung und an den Belangen der Stadt zu wecken.

Greve selbst war in den nächsten Tagen vorrangig mit der Vorbereitung auf seine Amtseinführung befasst. Am 4. Mai hatte er an seinen Gewährsmann Schulte-Oestrich geschrieben und um Auskunft über den vorgesehenen Ablauf der Amtseinführung gebeten. In seinem Antwortschreiben vom 6. Mai berichtet Schulte-Oestrich von der Benachrichtigung der Stadtverordneten über die Amtseinführung durch den Stadtverordnetenvorsteher von Lothum. Aus dem Schreiben erfuhr Greve noch das Folgende. Die Feierlichkeit im Anschluß an die Amts­einführung sollte im Gasthaus Dahm stattfinden; Lothum selbst würde daran wegen seiner Abwesenheit von Bochum nicht teilnehmen. Da der Stadtverordneten­vorsteher offenbar nicht vorhatte, selbst ein Fest für seinen erfolgreicheren Konkurrenten zu organisie­ren, ergriff sein Stellvertreter, Gerichtsassessor Louis Jacobi25, die Initiative und lud die Stadtver­ordneten zu einer Beratung über die etwa durchzuführenden Feierlichkeiten auf den 8. Mai ein. Jacobi äußerte die Auffassung, dass es einem großen Teil der Bürger wie auch der Stadtverordneten unange­nehm wäre, wenn die Einführung ohne alle Feierlichkeit stattfände. Die Sitzung der Stadtverordneten hatte Jacobi mit Lothum abge­sprochen, doch hatte dieser erklärt, dass er auch daran nicht teilnehmen würde.

Greve selbst hatte offenbar von anderer Seite davon gehört, dass eine Gruppe in der Bürgerschaft vorhatte, den neuen Bürgermeister feierlich in die Stadt einzuholen. Schulte-Oestrich konnte dies Gerücht zunächst nicht bestätigen, bestärkte jedoch Greve in dessen Absicht, bei einem solchen Vorha­ben nur mitzutun, wenn die Initiative dazu von den Stadtverordneten ausginge. Im Postskriptum seines Briefes teilt er jedoch mit, dass in der Tat mehrere Bürger eine Abholung planten, `wenn eine solche auch nicht von den Stadtverordneten ausgehen mögteA.26

Am 8. Mai `Abends 11 2 UhrA teilte Schulte-Oestrich dem `sehr geschätzten FreundA die eben gefassten Beschlüsse der Stadtverordneten über die Gestaltung seiner Amtseinführung mit.

1.Nach der Einführung am [Sonntag] 14. Mai sollte `am Dahmschen HauseA ein Mittagessen veranstaltet werden, wozu der Landrat, Greve selbst, die Magistratsmitglieder, der Kreissekretär und `der gewesene Bürgermeister v. LüdemannA eingeladen würden. `Die übrigen wählbaren Bürger sollen zur Theil­nahme durch ein extra Blatt aufgefordert werden.A

2.`Am Vortage, [Samstag] dem 13. Mai, ver­sammeln sich um 13 Uhr die Stadtverordneten auf dem Markt zur Abholung Greves von der Gaststätte Ruhr­mann am Crengeldanz [heute zu Witten gehörend]. Die Bürgerschaft sollte durch ein gedrucktes Informationsblatt zum An­schluss an diese Fahrt aufgefordert werden. Greve selbst sollte gebeten werden, für die Rück­fahrt im Wagen Jacobis Platz zu nehmen.

3.Es sollten einige Toaste ausgebracht werden:

4.der erste auf den König, und zwar vom Land­rat,

5.der zweite auf Greve selbst, durch Jacobi und namens der Stadtverordneten, der dritte auf das Wohl­sein des Magistrats, von Berggerichtsassessor Haardt.

Der H. p. Jacobi hat es übernommen, Ihnen die erforderlichen Mittheilungen durch Ihren Herrn Vater zugehen zu lassen.A

Im Fortgang des Briefes teilt Schulte-Oestrich dem Empfänger noch einige weitere Momente des Geschehens sowie eigene Einschätzungen mit.

`Kirchli­ch scheint das Fest nicht zu werden. Auch scheint das Konfessionelle noch immer mit im Spie­le zu sein. Manchen geht die Sache nicht nach Wunsch und werden solche als Hardt, Cremer p. p. p. gegen ihren Willen mit dem Strohme schwimmen müssen.A

Greve erfuhr aus dem Brief außerdem, dass zu Ehren seines Vorgängers Lüdemann am nächsten Tag, also am 9. Mai, beim Wirt Höltring ein Mittagessen gegeben würde. Hierzu stellte der Schreiber kommentarlos fest, dass er und manche anderen dazu nicht eingeladen seien. Und weiter: dass Lüde­mann und Lothum am Tag der Einführung verreisen würden; der [Stadtverordnete] Cramer würde wohl auch verreisen, aber nicht, um nicht an der Feier teilzunehmen.

Schulte-Oestrich berührte auch die Frage einer Tafelmusik bei der Einführungsfeier, musste aber einräumen, dass diese Sache noch nicht geklärt sei.

Zuletzt bot er an: `Ihren mitzubringenden Freund, den Herrn Bürgermeister Hoppe bitte ich als meinen Gast beim gedachten Festmahle einzuladen.A27

In Absprache mit Schulte-Oestrich schrieb auch Wilhelm Endemann am 9. Mai 1853 an Greve und erklärte `[...] Jacoby hat sich die Sache angenommen u. glänzend durchgeführt, alle Hinderer sind vor die Katze B worüber sich viele freuen.A

Etwas weiter unten berichtet Endemann über die Ehrungen für Lüdemann: `Dem früheren Bürgermeister v. Lüdemann ist diesen Morgen von seiten des städtischen Gemeinderaths ein silberner Pokal überreicht, u. diesen Abend [9. Mai] essen nun ungefähr 40 Personen, seine guten Freunde, v. Syberg an der Spitze, bei Ohma Höltring, weitere besondere Festlichkeiten kann ich Ihnen nicht anzeigen, welches auch Hr. SchulteOestrich thun wird; [...].A28

 

Abholung und Amtseinführung Greves

Über die Durchführung der vorgesehenen Festlichkeiten der Abholung und Amtseinführung des neuen Bürgermeisters und Magistrats am 13. und 14. Mai 1843 sprechen lediglich eigene Aufzeichnungen Greves. Die Bochumer Presse sah jedenfalls diese Ereignisse offenbar nicht für berichtenswert an. Nach Greves eigenen Aufzeichnungen liefen die Veranstaltungen folgendermaßen ab:

`Am 13. Nachm. Abholung vom Crengeldanz. Zwölf Wagen mehre Reiter. B Auf die Rede des Stadtver­ordneten Vorstehers Jacobi29 wurde erwidert:

Meine Herren! Obgleich ich weit entfernt bin, die Ehre dieses festlichen Empfanges meiner Person anzurechnen, so erfüllt mich dennoch die Liebe und Theilnahme, womit Sie mir in dem Augenblicke entgegentreten, wo ich unter ihnen [sic] meine neue Heimath zu finden hoffe, mit dem Gefühle des lebhaftesten Dankes. Dies Willkommen, daß es nicht vorübergehend sei, daß sie [sic] mir auch fernerhin Ihre Liebe bewahren wollen, das ist mein sehnlichster Wunsch, darin werde ich mein größtes Glück finden. B

Einzug in Bochum unter dem Donner der Geschütze. Ehrenpfosten. Im Absteigequartier bei Mettegang30 Musik. B

Am 14. Mittags 2 2 Uhr31 Versammlung der Magistratsmitglieder, Abholung seitens der Stadtver­ordneten zum Rathhause. Vereidung [sic] daselbst durch den Landrat, unter einem großen Andrange des Volkes.32

Nach der Vereidung hielt der Bürgermeister folgende Anrede:

Hochzuverehrende Herren! Erfüllt von der hohen Bedeutung und der Wichtigkeit des mir angewiesenen neuen Wirkungskreises trete ich heute in Ihre Mitte.

Zuvörderst danke ich Ihnen Herr Graf für die umsichtige Leitung und Mitwirkung bei dem Werke, welches so eben durch die Einführung des Magistrats vollendet ist. Möge das glückliche Gedeihen dieses Werkes für Sie der reichste und schönste Lohn sein.

Zur größten Freude und Beruhigung gereicht es mir, B meine Herren Magistratsmitglieder B Sie als solche begrüßen zu können. Angesehen durch die allgemeine Achtung ihrer [sic] Mitbürger vertraut mit den Interessen der Stadt sind gerade Sie vorzüglich geeignet, das Amt der Magistratur mit mir zu theilen. B

Ihnen meine Herren Stadtverordneten, danke ich für das große Vertrauen, womit Sie mich geehrt haben. Durch die gewissenhafteste Erfüllung meiner Amtspflichten werde ich dasselbe zu erwidern und mir zu erhalten suchen.

Mit diesem Vorsatz, m. H., und in dem festen Vertrauen, daß Sie mir stets als treue Rathgeber und Helfer zur Seite stehen werden, beginne ich meine Funktionen.

So lassen Sie uns denn, verbunden in gegenseitigem Vertrauen, beseelt von einem lebendigen Gemein­geiste die Bahn des Fortschrittes, welche durch diese neue städtische Verfassung gebrochen, mit regem Eifer verfolgen und das Wohl der Stadt und unserer Mitbürger, so viel an uns, zu vertreten und zu befördern streben.

Unsere Bestrebungen, B ein segensreicher Erfolg möge sie krönen. B

 

Großes Mittagsessen33

Toaste:

Dem hochverehrten Manne, der seither in wahrhaft väterlicher Vorsorge die Interessen dieser Stadt über­wachte, der auch fortan ein treuer Wächter und Förderer der städtischen Institutionen sein wird, dem Mann, geliebt und geehrt von Allen, der uns heute mit seiner Gegenwart beglückt, ein dreifaches Hoch aus voller Brust. Der königl. Landrath Herr Graf v. d. Recke Volmerstein lebe hoch.

Dies Willkommen, dieses Hoch, in dankbarer Anerkennung nehme ich es hin. Ihr ehrenvolles Vertrauen in That und Gesinnung zu rechtfertigen, die Erwartungen dieses Tages zu verwirklichen, das soll mein einziges, mein unablässiges Bemühen sein. Ich bin aber des guten Erfolges um so gewisser, als ich mich der freudigen Hoffnung hingeben darf, in dem vielfach bewährten Gemeinsinne, in der Eintracht und Biederkeit meiner Mitbürger selbst die kräftigste Stütze zu finden. B Eintracht und Gemeinsinn sei auch fortan unser Losungswort. B Von diesem Geiste durchdrungen wollen wir vereint das Wohl und Gedei­hen unserer Stadt zu wirken suchen.

Ihrer Ehre gelte es für immer und gelte es auch am heutigen Tage zunächst.

Der Stadt Bochum ein dreifaches Hoch! ! !

Außerdem Toaste auf den früheren Bürgermeister v. Lüdemann und auf den Lehrer­stand.A

 

Erste kommunale Aufgaben

Aus den im vorigen mitgeteilten Festreden und Toasten lassen sich v.a. folgende Vokabeln isolieren:

Eintracht und Gemeinsinn, Wohl und Gedeihen unserer Stadt, gegenseitiges Vertrauen, lebendiger Gemeingeist.

Außerdem wollte man `die Bahn des Fortschrittes, welche durch diese neue städtische Verfassung, [näm­lich die revidierte Städteordnung] gebrochen, mit regem Eifer verfolgenA. Dazu kam das Ziel, `das Wohl der Stadt und unserer Mitbürger, so viel an uns, zu vertreten und zu befördern streben.A

Diese Redundanz lässt sich reduzieren auf die zentralen Begriffe Gemeinwohl, Einigkeit und Fortschritt. Und obwohl hier Stereotype, die Festreden üblicherweise füllen, zusammengestellt sind, steck­en sie doch das Feld bürgerlicher Loyalität und vager Erwartungen ab und charakterisieren zugleich auch einen Sektor in der Mentalität dieser Epoche. Außerdem stellt insbesondere die Kategorie Fortschritt keine bloße Leerformel dar, sie dürfte vielmehr durchaus ernst gemeint sein. Dafür liefern einige der kommu­nalen Aktivitäten der nächsten Zeit eindeutige Belege.

Greve selbst hoffte, wie er selbst auch erklärt, in Bochum eine neue Heimat zu gewinnen, woraus mit aller Vorsicht geschlossen werden kann, dass er sein neues Amt wohl nicht als Durchgangsstation einer steileren beruflichen Karriere betrachtete.

Schon bald nach den eindrucksvollen Festlichkeiten dürften sich Greve eine Reihe sehr konkreter Aufgaben und Probleme gestellt haben. Bedingt durch die einsetzende Industrialisierung und deren Auswirkungen wuchsen sie an und kamen rasch neue hinzu. Unmittelbar stand die Auseinandersetzung mit dem die Bochum umgebenden Landgemeinden zusammenschließenden neu geschaffenen Amt an. Dabei ging es v.a. um die Frage der Grenzziehung zwischen den neuen kommunalen Einheiten Stadt und Amt sowie um die Nutzung des Rathauses durch das Amt, basierend auf dessen Ansprüchen auf das kommunale Vermögen. B Sodann ging es um die Positionierung des Bürgermeisters gegenüber Magistrat und Stadtverordneten sowie gegenüber der Bürgerschaft, im Sinne eines Neuanfangs in der kommunalen Selbstverwaltung. Hier ist auch die Frage nach der Herstellung von mehr Öffentlichkeit in den kommu­nalen Interessen, Problemen und Entscheidungsprozessen einzuordnen. B Im Zusammenhang mit dem gesamtstaatlichen Pro­blemkreis der Gemeinheitsteilungen und ihrer Privatisierung stand für Bochum die Frage der Aufteilung der im städtischen Gemeinbesitz befindlichen Voeden und deren Verwertung an. B Der überörtliche wie der innerstädtische Straßenbau musste vorangetrieben werden; ebenso drängend war die Frage der Anbindung Bochums an eine Eisenbahnlinie. B Nicht zuletzt drängten sich auf eine Reform und der Ausbau des Schulwesens wie die Übernahme der Armenfürsorge von den gesellschaftli­chen Trägern, im wesentlichen kirchlichen Einrichtungen und Vereinen, durch die Stadt. B In den auf gesellschaftlichen, kulturellen, gewerblichen und agrarischen Fortschritt gerichteten Vereinen und Institutionen war zudem die Mitwirkung des Bürgermeisters an prominenter Stelle gefordert.

 

1 Zur Einführung der rev. Städteordnung in Bochum s. Franz Darpe, Geschichte der Stadt Bochum, hrsg. von der Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. und der Bochumer Antiquariat GmbH, Bochum 1991, S. 524-528; Hans W. Bimbel, Kleine Beiträge zur Heimatgeschichte (15). Die Einführung der rev. Städteordnung von 1831 in Bochum und die danach amtierenden Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher, in: Der Bochumer Wanderer 7, 1970, S. 5-12; Norbert Wex, Staatliche Bürokratie und städtische Autonomie. Entstehung, Einführung und Rezeption der Revidierten Städteordnung von 1831 in: Westfalen, Paderborn 1997, S. 239, 312-314, 337 f, 348 f, 356 f.

2 Eine unbeglaubigte Abschrift des Beschlusses der Stadtverordneten vom 11. Oktober 1842 liegt vor in Greves privater Akte mit der Aufschrift `Ac. VI. Personalia des Bürgermeister [sic] Max GreveA, künftig bezeichnet als `Privatakte IA. - Während die behördlicherseits geführten Akten über diese und die sich anschließenden Vorgänge nur noch lückenhaft vorhanden sind, hat sich eine analoge Akte, die Greve für seinen privaten Gebrauch angelegt hat und die eine Reihe aufschlussreicher Quellen umfasst, eben die `Privatakte IA, im Privatbesitz erhalten. Sie umfasst v.a. Originale der an Greve gerichteten Briefe und Verfügungen, sowie einige Original­urkunden, außerdem Greves Konzepte zu eigenen Briefen und Eingaben, und andere Schrift­stücke. Diese Materialien wurden mir von Greves Urenkel, Herrn Dr. Helming in Coesfeld, zur Verfügung gestellt. Dafür sei ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt

3 Zitate aus Greves Entwurf zu seinem Bewerbungsschreiben datiert `Hamm, am 20. Dezember 1842A. Der Entwurf findet sich ebenso wie der Entwurf zu seinem `Curriculum vitaeA (Lebens­lauf) in seiner unpaginierten Privatakte I, während die kommunalen Akten einschließlich der Bewerbungsunterlagen der Kandidaten nicht vorliegen.

4 Original des Zeugnisses in Greves Privatakte I.

5 Originale des Wehrpasses und des Offizierspatents ebenda.

6 Der Entwurf findet sich in der bereits vorgestellten Privatakte I. Über Entstehung und Grund­lage der Beziehung zwischen Greve und Schulte-Oestrich ließen sich keine genaueren Auf­schlüsse finden. Dass dieser kein Freund des amtierenden Bürgermeisters Karl von Lüdemann und der von diesem repräsentierten Stadtverwaltung war, lässt sich aus einigen Briefstellen unschwer schließen. Dass er, wie Greve, katholisch war, dürfte nicht unwichtig gewesen sein. Vgl. hierzu weiter unten.

7 Franz von Lothum, 1797 bis 1882, katholisch, war Richter in Werden, dann Gerichtssekretär am Land- und Stadtgericht bzw. Kreisgericht in Bochum, 30 Jahre lang Stadtverordneter und lange Jahre Stadtverordnetenvorsteher, zumal auch 1842 f. Bimbel, wie in Fußnote 1, S.8 f; Darpe, wie in Fußnote 1, S. 566 u. ö.

8 Original in der Privatakte I.

9 Die Identifizierung Cremers war bislang ebenso wenig möglich wie die Ermittlung genauerer biographischer Angaben.

10 Original in Greves privater Akte.

11 Original in Greves Privatakte I.

12 Stadtarchiv Bochum LA 147, S. 4-6.

13 Ebd., S. 5.

14 Antonius Liedhegener, Christentum und Urbanisierung. Katholiken und Protestanten in Münster und Bochum 1830-1933, Paderborn u. a. 1997, S. 375.

15 Original der Verfügung in Greves Privatakte I.

16 Original des Kaufvertrags in der privaten Akte Greves. 1 (Quadrat-)Rute = 256 Quadratfuß; 1 Morgen = 180 Ruten = 2553,224 m5. Nach Willy Timm, Maße, Münzen und Gewichte in der Grafschaft Mark, Unna 1981, S. 10 f.

17 Abschrift des Dokuments in Greves Privatakte I.

18 Greve hielt sich nach seinem Wegzug aus Hamm in den ersten Monaten 1843 wohl in seinem Elternhaus in Castrop auf, wiederholt für einige Tage bei seinem Freund Diedrich Hoppe in Kamen, der dort zum Bürgermeister gewählt worden war, und auch in Bochum; hier hat er wahrscheinlich in dem Gasthaus Mettegang gewohnt.

19 Abschrift in Greves Privatakte I.

20 Entsprechende Eintragung in seinem in der Privatakte I vorliegenden Wehrpass. Hierin heißt es übrigens über Greve, er sei `5 Fuß 5 Zoll groß, [also etwa 170 cm] von schlankem Körperbau und blonden HaarenA.

21 Das Original liegt vor in Greves Privatakte I.

22 Dem Magistrat gehörten demnach an: Wilhelm von der Berken, er war Berggerichtsrat beim Berggericht in Bochum; er übernahm im Magistrat das Amt des Syndikus, in welchem er bis zu seiner Versetzung an das Oberbergamt in Dortmund im Jahre 1861 verblieb (biographische Angaben über ihn bei Walter Serlo, Westdeutsche Berg- und Hüttenleute und ihre Familien, Essen 1938, S.125 f); Ferdinand Bierhorst, er betrieb eine Tabakspinnerei bzw. Tabakfabrik; schließlich Ernst Schulten, er wird als Mitinhaber einer Gerberei verbunden mit Lederhandel und als Lederfabrikant bezeichnet; er hatte wie auch Bierhorst dem alten Gemeinderat angehört.

23 Gemeint ist die vom 12. April datierte Regierungsverfügung; sie enthielt über das von Schulte-Oestrich Gesagte hinaus noch die Bestimmung, dass im Verhinderungsfalle Berg­gerichtsrat von der Berken den Bürgermeister zu vertreten habe. Der Originalbrief und die Abschrift liegen vor in Greves Privatakte I.

24 Über die Bedeutung, die Greve und mit ihm seine Wähler dem Vorgang beimaßen, finden sich klare, wenngleich verhalten knappe Hinweise in seiner ersten kurzen Ansprache an die Stadtverordneten; vgl. weiter unten.

25 Er lebte von 1806 bis 1884, war 1842 zum Stadtverordneten gewählt worden und ging schon 1843 als Land- und Stadtgerichtsdirektor nach Unna; vgl. Günther Höfken, Aus der Geschichte zweier Bochumer Bürgerhäuser, in: Bochum. Ein Heimatbuch, Band 6, 1954, S. 19-24, bes. S. 23 f.

26 Original in Greves Privatakte I.

27 Original des Briefes in Greves Privatakte I. Die von Schulte-Oestrich bereits angekündigte offizielle, an seinen Vater in Castrop gesandte Einladung Greves von der Hand Jacobis findet sich ebenfalls in Greves privater Personalakte. Inhaltlich geht sie nicht über den Brief Schulte-Oestrichs hinaus.

28 Das Schreiben ist ebenfalls in Greves Privatakte I enthalten.

29 Den Text von dessen Rede hat Greve jedoch nicht festgehalten; sie war bislang auch an anderer Stelle nicht zu ermitteln.

30 Aus nicht erkennbaren Gründen fand auch das Festmahl dort und nicht, wie zunächst vor­gesehen, im Haus Dahm statt. - Über die hier erwähnte Musik war nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

31 Über den Gottesdienst, der zuvor stattfinden sollte, gibt es keine Notiz bei Greve.

32 Der Wortlaut des Eides findet sich, unterschrieben von Greve und dem Landrat, in Greves privater Peronalakte: `Ich Maximilian Greve schwöre zu Gott dem Allwissenden, Sr. Majestät dem Könige unterthänig und gehorsam zu sein und das mir anvertraute Amt immer nach bestem Wissen und Gewissen so zu verwalten, wie es die Gesetze vorschreiben, auch aus allen meinen Kräften und ohne alle Neben-Rücksichten das Wohl des Staates und der Stadt zu fördern. So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium zur ewigen Seligkeit. Amen.A



33 In Greves Hinterlassenschaft befindet sich noch die von Jacobi ausgelegte Subscriptionsliste; darin haben sich 93 Gäste für das Festessen eingetragen, erwartungsgemäß offenbar aus­schließlich Männer, denn nur bei einem Namen steht die Angabe `zwei PersonenA. Der Preis für das nicht näher umschriebene Menü einschließlich einer Flasche Wein belief sich auf 1 Taler 5 Groschen. Unter den Teilnehmern befanden sich außer den schon erwähnten Ehrengäs­ten verschiedene Geistliche beider Kirchen, Angehörige des Bergamtes sowie des Land- und Stadtgerichts, im übrigen viele selbständige Gewerbetreibende. Von den benachbarten Bürger­meistern nahm nur der Wattenscheider Bürgermeister Kemper teil. Insgesamt gesehen re­präsentierten die Bochumer Teilnehmer immerhin ein Drittel der bei Darpe B wie Fußnote 1, S. 526 ff B für das Jahr 1842 benannten 293 `EinwohnerA.  

 

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Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 11, Juni 2002

 

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