Name und Wappen der Stadt Bochum

 

Raimund Trinkaus

 

(Der Text ist gegenüber der gedruckten Version gemäß den Angaben des Autoren korrigiert worden. Einige Sonderzeichen zur Aussprache des „o“ in Bochum konnten nicht übernommen werden)

 

„In der Graffe Märkischen Stadt Bochum sind viele gelehrte Leute.

Seht, wie die werthe Stadt so manchen Mann ernehrt,

Der durch die Bücher ward verständig und gelehrt!

Was Wunder, daß dann den Namen hat bekommen,

Allwo die Bücher selbst den Ursprung hergenommen.“

Johann Kayser in seinem „Clivischen Musenberg“, einer Be­schreibung der klevischen Lande von 1698, zu denen auch die Graf­schaft Mark gehörte, zitiert von Karl Brinkmann.1

 

An den Buchen lässt sich nicht rütteln

In unregelmäßigen Abständen befassten sich immer wieder Ver­öffentlichungen verschiedenster Art mit dem Namen Bochums samt seiner Vorsilbe sowie dem Wappen und beider Beziehungen zueinander, zum Teil in neuen Deutungen. Nicht jedem interessierten Bochumer sind alle Quel­len bekannt bzw. leicht zugänglich. Daher soll hier ein Überblick gegeben werden über die wesentlichen, dem Autor vorliegenden Veröffentlichungen zu dieser Thematik nicht ohne Kommentierung und Wertung.

Kayser dürfte die älteste Quelle sein, in der Namen und Wappen Bochums auf einander bezogen wurden. Sein Reim wird gerne zitiert und meist als Fehl­einschätzung verurteilt. Kann man aber nicht deutlich Ironie aus seinen Worten herauslesen? Zu den Recherchen für seine Schrift dürfte Kayser das Land bereist haben: somit könnte ihm, dem Lippstädter, das reale Bochum um 1700 durchaus vertraut gewesen sein. Aus dem weiteren Zusammenhang seines Textes2 geht hervor, dass Kayser sogar die Ableitung des Namens Bochum von Buche bekannt war. Da die Germanen ihre Runen auf Buchenrinde schrieben, wunderte er sich im Gegensatz zu J. D. von Steinen nicht über das Buch im Wappen. Zu von Steinens Deutung weiter unten. Franz Darpe schloss sich Kayser an und hatte für ein Bündel solcher Rinden-Seiten den Ausdruck Buch.3

An kuriosen (Miss-)Deutungen des Namens unserer Stadt gibt es nicht nur eine. Pfarrer J. C. Fr. Petersen, der die Manie hatte, möglichst viele deutsche Wörter auf altgriechische Vokabeln zurückzuführen, fand 1823 eine nicht gerade häufig auftretende, die der niederdeutschen (plattdeutschen) Variante Baukum stark ähnelt: das Adjektiv baukós, angeblich = schön „wegen seiner angenehmen Lage“.4

In Langenscheidts Enzyklopädischem Wörterbuch sucht man das Wort vergeblich.5 Allerdings findet sich baukós tatsächlich in W. Papes Griechisch-Deut­schem Handwörterbuch, das auch Vokabeln auflistet, die nur bei einem einzigen antiken Schriftsteller auftauchen. Nur wird baukós dort völlig gegenteilig übersetzt mit spröde!6 Weiterhin sei darauf hingewiesen, dass sich die Aussprache des Altgriechischen in Deutsch­land immer noch nach Erasmus von Rotterdam richtet, die nach heutigen Erkenntnissen bei vielen Buchstaben sowie ihren Kombinationen nicht mit der Aussprache in der Antike übereinstimmen kann. Das Neugriechische kommt ihr viel näher, so dass man in Griechenland heute antike Texte wie neugriechische spricht. Demnach würde baukós ausgesprochen als vafkós (v wie w) und lautlich keinerlei Ähnlichkeit mehr aufweisen mit Baukum.7

Leicht anfechtbare Autodidakten wie Petersen, die ohne konsequent durchgehaltene Quellennachweise und auf der Basis von Vermutungen vorgehen, gehören leider nicht allein der Vergangenheit an. Mit dem Weitmarer Pastor hatte Heinz Winter bisher gemein, dass auch er die Varusschlacht in seinen Kirchsprengel verlegen wollte. Anstatt von den ältesten bekannten Schreibweisen des Namens Boc-hem / Boc-hum auszugehen, findet auch er seine eigenwillige Deutung. Für ihn muss das heute in seinem Stiepeler Umfeld noch gepflegte Platt­deutsch herhalten.8

Winter glaubt ernsthaft, die niederdeutsche Sprache habe sich 5000 Jahre lang fast unverändert erhalten. Andererseits hätten sich unsere Vorfahren einer dem (Alt-?) Isländisch ähnelnden Sprache bedient. Baukum leitet er vom isländischen baugum (= Bogen, Ring) ab. Sein Schritt von der Waffe zum Pergament-Bogen ist ein kurzer, um auf das Buch im Wappen hinzuweisen.

Dass die auch im Bochumer Raum vielfach nachgewiesenen Bandkeramiker und Siedler der Rössener Kultur wohl kaum unsere direkten Vorfahren sein dürften, scheint ihm nicht bekannt. Wir wissen weder, was in der Jungsteinzeit noch in der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur gesprochen wurde, in der es umfangreiche Völkerwanderungen gab. Von Germanen wird erst seit der Eisenzeit geredet. Winter aber vollzieht unbekümmert einen kühnen Gedankensprung und bringt den neolithischen Ringgraben der Rössener Kultur (2500-2000 v. Chr.)9 aus Harpen, der zur Römerzeit, also rund 2000 Jahre später (!) „sicher noch gut zu erkennen war“, mit baugum und Baukum in Verbindung, damit wiederum den Ring im Altenbochumer Wappen, obwohl es Wappen erst seit Mitte des 12. Jahrhunderts n. Chr. gibt.

Welch eine immense Bedeutung muss Bochum besessen haben, wenn Winter es als Bogadium auf der Ptolemäus-Karte von 170 n. Chr. identifiziert! 170 statt 150 n. Chr. mag noch als Druckfehler durchgehen. Ptolemäus starb um 161. Die Sternbilder, in denen Winter Ringe sieht, nennt er in einem Atemzug mit dem Altenbochumer Wappen. „Das Wissen kam aus den Sternen“. Die logischen Zusammenhänge zu erkennen, fällt dem Leser schwer. Seine Ergebnisse fasst Winter in Reime, die einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehren, nicht nur weil er lediglich auf Endreime achtet und die Silbenzahlen willkürlich gewählt sind:

Das alte Bochum hieß früher Ring,

dort saßen noch die Alten und hielten Thing [...].10

Eine mit dem Namen eines Urhebers nicht mehr zu verbindende, vor Jahrzehnten jedoch weit verbreitete Fehldeutung, mit der vor allem Grundschüler konfrontiert wurden, ging von der Aussprache Bochums im 20. Jahrhundert aus und erklärte Bo­chums Namen und sein Wappen scheinbar „nahe liegend mit Buch um(gekehrt)“. Diese naive Deutung dürfte bereits im 19. Jahrhundert entstanden sein, vielleicht zugleich mit der Veränderung der Aussprache des c-h in Boc-hum zu einem einzigen ch-Laut. (Silbentrennung alt: Boc-hum, neu: Bo-chum). Max Seippel versuchte schon 1901, diese banale Auslegung „entschieden zu bekämpfen“.11

Das Wapen oder Siegel der Stadt ist ein zugeschlagenes Buch. Es ist unstreitig wegen der Aehnlichkeit des Namens gewaehlt worden, und gehoert also unter die redende Wapen oder Siegel.“12

Die älteste Form des Ortsnamens ist nach den Wer­dener Heberegistern um das Jahr 900 Bochem so zu erschließen aus Aldanbochem [...].“13

Seippel schließt sich Darpe an, drückt sich aber etwas missverständlich aus. Daher sei hier noch einmal klar gestellt: Im Werdener Urbar von 890 kommt der Name Boc-hem nur als Teil des Ortsnamens von Aldanbochem vor.14

In Darpes Schriften15 findet der Leser mit über 30 die meisten unterschiedlichen Schreibweisen von Bchem (gesprochen: Bokhem). Für das lang gezogene o wurden verschiedene Dehnungszeichen eingesetzt, ohne dass die Aussprache von Bochem / Bockum stärker variierte, z.B. ein nicht mitgesprochenes westfälisches Dehnungs-e oder ein rheinisches i, je nach Ausbildungsort des Schreibers. Als Beispiel seien hier angeführt Soest, Coesfeld, Laer eigentlich auch Bochum-Laer, ursprünglich Lahari, bzw. Grevenbroich, Tiefenbroich, eigentlich auch Mülheim-Broich, das seit der Zuwanderung im 19. Jahrhundert von den Einwohnern wie Breuch (statt Brooch) artikuliert wird. Neben Boec-hem oder Boichem, beides gesprochen wie Bookhem, steht in manchen Urkunden auch Buochem oder Bouchem, wobei der eine Vokal auch klein über dem anderen stehen kann.16 Teilweise wurde das Dehnungs-e auch klein über den Vokal o gesetzt, den heutigen ä/ö/ü-Strichen ähnlich, was in den angeführten Werken von Kortum und v. Steinen durchgängig nachzuschlagen ist.

Heimatbewußte Bochumer reagieren böse, wenn der betonte Vokal im Ortsnamen kurz gesprochen wird. Das war schon vor 500 Jahren so. Deshalb setzten die alten Schreiber hinter den Vokal (o) ein Dehnungszeichen. Sie schrieben Boechem, Boichem, was in der Orthographie der kölnischen Kanzleien, in denen sie gelernt hatten, vorgeschrieben war.“17

Brinkmannn schloss sich 1950 Darpes Deutung des Namens Boc-hem als Buchenheim, Siedlung bei Buchenwäldern, an, brachte jedoch auch die mittelniederdeutsche Variante Boc = Bug, (Land-)Spitze, Abhang ins Spiel.18 Später distanzierte er sich von dieser Deutung als „nicht zwingend“.19

 

Nun zu Namenslexika und ihren unterschiedlichen Deutungen des Namens Boc-hem. Fr. E. Brandstäter, der die Silben in Einzelbuchstaben (Urlaute) zerlegte, erklärte Buek- als Begriff für ein sumpfiges Tal und leitete Bochum von Buekum ab, „Wohn­ort in kräftig hervortretendem Tiefbodenland“... „Allerdings gedeiht ja auf feuchtem kräftigem Boden die Buche besonders. Darum ist der Baum nach der Bodenbezeichnung benannt.“20 Letzt­endlich würden Örtlichkeitsnamen wie Bo­chum, Bocholt / Buchholz aber doch von den Bäumen hergeleitet. Der kritische Leser empfindet Skep­sis angesichts dieser gedanklichen Windungen.

Hans Bahlow21 sah in Bochum eine altkeltische Gegend und brachte die irische Silbe bocc = weich, modrig sowie das altbretonische buc = faulig, modrig ins Spiel. Diese Deutung ähnelt der von Brandstäter, doch Bahlow weist eine Gleichsetzung von Boc-hem mit Buchenheim zurück.

Die zweite Silbe, das Grundwort -hem, war in seiner Deutung als Heim, Siedlung nie strittig. Sie kommt in mitteleuropäischen Ortsnamen nicht gerade selten vor: Mülheim, Hildesheim, Mannheim, Arn­heim/Arnhem u.v.“. mehr. Ferdinand Holthausen kennt das altsächsische -hem aus dem Heliand als Begriff für Heim, Heimat; gotisch: haim.22 Mehrere Autoren wie Darpe lagen falsch mit der angeblichen Herkunft des -hem aus dem Fränkischen.23 Schon vor der Frankenherrschaft trugen Orte des Sachsenlandes die Endsilben -hem im Namen, z.B. Aldanbochem. In vielen Ortsnamen wandelte sich das Grundwort -hem in das lateinisch klingende -(h)um, z.B. bei Boc-hum, Bockum, Beckum (Becke­hem), Styrum (Stierhem), Stockum u.v.“.

Nach Hermann Jellinghaus wandelte sich die Bedeutung des heim (altsächsisch hem, gotisch heim) von Herdstelle zu Haus, schließlich zu Dorf.24 Zu Boc-hems erster Silbe findet sich bei ihm dem Werktitel gemäß nichts.

­Dieter Berger bestätigt Holthausen und Jellinghaus im Duden geographischer Namen: Das gemeingermanische Substantiv heim, altsächsisch hem (Wohn­ort), alt- und mittel­hochdeutsch heim (Haus, Wohnort), gotisch haim (Dorf), schwedisch hem (Haus, Wohnung, Heimat), englisch home, „hat ver­schiedene Bedeutungen entwickelt, doch ist die [...] des gotischen Wortes die ursprüngliche; sie gilt wohl auch für die deutschen Ortsnamen auf -heim, die [...] alte Gruppensiedlungen bezeichnet haben. [...] Die auffälligen Gruppen mit gegensätzlichen Bestimmungswörtern [...] weisen auf planmäßige Gründungen in der Frankenzeit hin. Jedoch kann man nicht, wie es früher oft geschah, alle -heim-Orte als fränkisch ansehen.“25 Gegensätze finden sich u.“. bei (Alt-)Beckum, Neubeckum, Aldanbochem, Cofbochem, Oberlahnstein, Niederlahnstein.

Vor allem Bahlow, aber auch Jellinghaus finden bei heutigen Wissenschaftlern der Germanistik mit dem Spezialgebiet Etymologie, wie Paul Derks von der Gesamthochschule Essen, der sich in den letzten Jahren kompetent und intensiv wie kein anderer mit der Namenkunde unserer Umgebung befasst hat, keine Anerkennung.26 („Bahlow können Sie wegwerfen.“) Einzig W. Förstemanns umfangreiche Lexika lässt Derks als wissenschaftliches Werk älteren Datums gelten, das im Großen und Ganzen seine Gültigkeit behalten hat. Förstemann stellt Bochum in eine Reihe mit Ortsnamen wie Bockum, Buchheim u.v.“..

Nach ihm steht bok (althochdeutsch buohha, niederdeutsch böke, mittelniederdeutsch boke, altnordisch bok, angelsächsisch boeciae und boc, althochdeutsch buochahi, mittelhochdeutsch buoch, niederdeutsch bok) nicht nur für die einzelne Buche, sondern für Buchenwald. Süddeutsche Formen (puoch, puach, buch) sollen für Wald, Gehölz schlechthin gestanden haben.27 Nebenher kannte Förstemann eine geringe Anzahl von Ortsnamen, die sich vom niederländischen bok, vom niederdeutschen buck oder vom althochdeutschen bocch im Sinne von Rehbock herleiten. Bei einer ebenso geringen Zahl von Ortsnamen leitete er bok vom Personennamen Bocco ab.28

P. Derks stellt fest: „An der Buchensiedlung in Boc-hem kann kein Zweifel sein. [...] Die Deutung des heutigen Ortsnamens macht keine Schwierigkeiten. Er stellt sich zwanglos zu as. [altsächsisch] boka Buche und as. hem, ahd. heim Siedlung. [...] Dies ist ein vorzüglich belegter Ortsnamen -Typus mit einem Siedlungsort als Grundwort und einer Geländebeschaffenheit als Bestimmungswort. Gerade Baumnamen als Bestimmungswörter sind in unserem Gebiet nicht selten: zu vergleichen sind etwa (Essen-) Bochold ..., Eickel < Eclo Eichenwald.“29

In einer Fußnote bezeichnet Derks dort Brinkmanns Deutung boc = Abhang (vgl. oben) als „abwegig“, offenbar in Unkenntnis des oben angeführten WAZ-Artikels von Brinkmann aus dem Jahre 1971. Derks geht auch noch auf einen älteren Deutungsversuch von Winter30 ein, der das mhd. bouchen (=bezeichnen) mit bocken (= kämpfen) bezeichnet und es mit dem französischen Schimpf­wort für einen Deutschen, bouch, in einen Topf wirft. Dazu Derks: „Ganz hirn­rissig [...] Mit solchen Albernheiten muß sich noch immer der Philologe herumschlagen [...].“31

Es fällt auf, dass von allen zitierten Autoren nicht einer die erste Silbe von Boc-hem mit boc = Buch in Verbindung bringt, wenn wir einmal vom wohl ironisch gemeinten Eingangszitat des I. Kayser absehen. F. Holthausen unterscheidet in seinem allgemeinen Wörterbuch, das sich nicht nur auf Ortsnamen beschränkt, zwei altsächsische Vokabeln, die für Bochums erste Silbe in Frage kommen könn­ten: boka = Buche und aus dem Heliand bok (gotisch boka) = Buch. Schon im Altsächsischen war die Ähnlichkeit frappierend.32

Nach D. Bergers Duden heißt Buche altsächsisch boke (ahd. buohha), was in unserem Zusammenhang keine gravierende Abweichung darstellt.33 Auch die Varianten von W. Sturmfels widersprechen nicht der Übersetzung Boc-(hem) mit Bu­che(nheim): althochdeutsch bouhha, mittelhochdeutsch buoche; vgl. altnordisch bok, gotisch boka. Seine Übertragung des Gotischen auf slawische Spra­chen kann hier nicht erörtert werden.34

 

Graf Cobbo oder die abgeschlachtete Kuh

 

Rätselhaft ist noch immer die Vorsilbe Cof- aus der ältesten Bezeugung.“35

Wenn man den Namen von Aldanbochem (890) nicht berücksichtigt, tritt der Ort Bochum zum ersten Mal 1041 in einer Urkunde auf als Cofbuokheim: „Am 17.VI.1041 schenkt Erzbischof Her­mann II. von Köln der Abtei Deutz _XI mansus cum omnibus utilitatibus inde venientibus et XL mancipia in pago Saxonie iuxta villam publicam Cofbuokheim dictam>, 11 Höfe und 40 Hörige bei dem Reichshof (?) Bochum.“36

Danach findet man in Urkunden des Mittelalters die unveränderte Vorsilbe Cof-/Kof- ebenso wie gleichzeitig die Verkürzung Co-/Ko-. Darpes Ableitung aus dem Mittelniederdeutschen, kauw/kow37, die weite Verbreitung38 fand, lässt Derks nicht gelten und spricht von einer (volksetymologischen) Umdeutung.39

Er moniert, dass Darpe zur Unterstreichung seiner eigenen Theorie ein Bild Kortums40 missbrauchte, obwohl Darpe hätte wissen müssen, dass Kortum zur Cobbo-Variante v. Steinens tendierte (s. u.).41 „Weiset doch Kortum in dem Holzschnitt [...] mit der Mutzenpfeife und einer Kuh zur Seite [...] geradezu auf _Kau-Baukum> hin.“42

Brinkmann unterstrich 1971 noch einmal, was er 1950 als mündliche Äußerung („Vermutung“) Bern­hard Kleffs übernommen hatte: Die Vorsilbe Co- in „Coboc-heim, Cofbuockheim“, die im Mittelalter parallel zum zweisilbigen „Boc-hem“ existierte, geht höchstwahrscheinlich auf eine Hervorhebung des Ortes und seine Unterscheidung vom benachbarten „Aldanboc-hem“43 sowie einer ganzen Reihe von gleichnamigen Örtlichkeiten zurück. Statt Neu-Bochem wählte man „Go-Bochem“, woraus „Co-BochemA wurde. Go = Gau, Gericht des Gaus, vergleichbar mit dem Vest Recklinghausen.44 Mit der Entwicklung zur Stadt fiel in der Folgezeit dank eines gewissen Bekanntheitsgrades von Bochum die Vorsilbe zumindest in amtlichen Urkunden weg.45 Im Volksmund hielt sie sich länger, veränderte sich zum niederdeutschen „Kaubaukum“ und wurde letztlich aus Unwissenheit falsch als „Kuhbochum“ interpretiert, eine heute noch weit verbreitete Auffassung. Selbst Darpe war darauf hereingefallen (s.o.). Die Existenz eines Grafen Cobbo bestritt Brinkmann: „[...] ein Graf Cobbo ist nicht ernsthaft nachzuweisen [...].“46

 

Auch dem Erklärungsversuch von Kleff/Brinkmann kann Derks nicht zustimmen, da es keine frühmittelalterlichen Belege für eine Veränderung des g im altsächsischen go (Gau) zu k im Anlaut gebe; außer­dem sei das f weiter ungeklärt, denn um 1041 hatte das altsächsische ko (Kuh) niemals einen Auslaut w oder f.47 Derks geht jedoch „unbedingt von der Stammhaftigkeit des –f“ aus. Das altsächsische / althochdeutsche w (kow) konnte zwar wegfallen (ko), sich aber nie zu f (Kof / Cof) verhärten! „Also muß das -f stammhaft sein.“48 Es kann auch kein veränderter mittelniederdeutscher Gleitkonsonant -w- gewesen sein, der sich oft zwischen Vokale an Silbengrenzen schob. So wurde z.B. aus Matthäus, (Mat-)thäus: Tewes. Das altsächsische ko (Kuh) ergäbe in Ko-Bokhem keine Notwendigkeit für einen w/f-Einschub.49

Wie erwähnt, verwies noch Brinkmann die Ableitung des vollständigen Ortsnamens von einem Grafen Cobbo ins Reich der „Phantasie“.50 Auf diesen wollte von Steinen „Cobbonisheim“ (Cobochem) zurückführen, was schon Darpe wegen der Verbindung eines lateinischen Genitivs mit der deutschen Sprache des Mittelalters in einem Wort als „Purzelbaum“ bezeichnete und keiner Widerlegung für würdig hielt.51 Von Steinen schlug allerdings einen kühnen Bogen vom Hof Kabeisemann (Cobeisem u.ä.) zum Adelsgeschlecht „von Cobbenheim“ mit Sitz auf dieser Hofesstelle an der Wattenscheider Straße.52 In diesem Punkt ging v. Steinen in der Tat die Fantasie durch; Belege blieb er schuldig.

Kortum übernahm voller Überzeugung „Cobbonisheim“ und die Auffassungen v. Steinens. „Von gedachtem Schlosse soll also die Stadt selbst den Namen Cobucheim [...] erhalten haben. Ich habe indessen in alten Nachrichten gefunden, daß hieselbst wuerklich ein großer Buchenwald gewesen sey. [...] obgleich keine einzige Bueche hier mehr vorhanden ist; so glaube ich daß der Name [...] Kobucheim daher entstanden sey, weil der Graf Cobbo hieselbst einen großen Buchenwald gehabt, bey wel­chem er seyn Schloß erbauet [...].“53 Auch Seippel, der Darpes Irrtum erkannte, schenkte der Theorie vom Grafen Cobbo Glauben.54

Ein altsächsisches Auslaut -f kann entweder schon im Germanischen ein f gewesen oder aus dem germanischen b entstanden sein. (ahd. liob, alts. liof = lieb). Dies lässt sich bis ins Niederdeutsche, Niederländische oder Englische weiter verfolgen: geven, geven, to give = geben; ahd. lip, libes zu alts. lif = das Leben, niederd. / niederl. leven, engl. life/lives. „Auslautend -f kann also aus -b entstehen, niemals aber aus -w. [...] So kann ein nicht belegtes kow nicht zu Kof- werden.“55

 

Da Bochums Vorsilbe jedoch rein wortgeschichtlich nicht restlos zu klären ist, greift Derks auf historische Überlieferungen der Deutung zurück. Er schließt die Ableitung von Kauf (Lacomblet56) aus, weil Bochum im altsächsisch-westfälischen Gebiet liegt, in dem das unverschobene kpon, mittelniederd. kpen gilt.

Darpe57 und Kaufmann58 irrten zwar, wenn sie bestritten, dass im Altsächsischen ein inlautendes -b- zum Auslaut -f werden kann und dass Cof-/Cob- nach Kampschulte59 auf (Sankt) Jacobus (Kurzform Cobus) zurückzuführen sei; doch diese Deutung trifft aus anderen Gründen nicht zu. Der hl. Jakob war zum einen nie Kirchenpatron in Bochum, zum anderen hat „die Unzahl deutscher Ortsnamen dieser Zeit mit einem Personennamen als Be­stimmungswort [...] nicht einen Heiligen -, sondern einen Namen eines realen Grundherren. [...] Die große Schwemme der [...] Heiligennamen ist erst im Hochmittelalter nach Deutschland ge­kommen.“60 Als Beispiele seien Orte aufgezählt wie St. Anton und St. Jakob oder Orte mit Be­stimmungswort von einem weltlichen Herrn: Düsseldorf-Gerresheim von Gericus sowie im 18. Jahrhundert: Karlsruhe, Ludwigshafen.

V. Steinens Ableitung von „CobbonisheimA über Bonsheim zu Bockum, Baukum nennt Derks „etymologisch [...] gewiß abstrusA, die erwähnte gräfliche Familie von Cobbenheim „dubios“, „aber damit wird der historische Kern freigelegt.“61

Darpe schalt v. Steinens etymologische Ableitung zwar „Purzelbaum“, machte jedoch selbst den größe­ren mit seiner Kuh. Übersah er Kleingedrucktes bei v. Steinen? Der berichtete von dem letzten Spross aus dem Hause v. Cobbenheim, Hermann II., Erzbischof zu Köln, der sein Erbe der Kölner Kirche vermachte, einen Teil aber auch dem Kloster Deutz. Eine Verwandtschaft Hermanns mit Cobbo ist allein infolge dieser Schenkung denkbar. (Vgl. obigen Auszug aus der Urkunde von 1041!) V. Stei­nen versieht sein Zitat daraus mit einer wichtigen Fußnote: „In einem alten M.S. stehet: Bauckum oppidum cum aula Principis, fuit olim singularis Comitatus Cobonis Comitis.“62 Die Stadt Bochum mit einem Fürstenhof (Reichshof?), einst gewesen die Einzel- (einzige?) Grafschaft des Grafen Cobbo. „Singularis“ könnte wegen eines früheren Mitregenten Ekbert erwähnt sein; später mehr darüber.63

Nur vergaß v. Steinen leider, die Quelle anzugeben, obwohl das seinerzeit schon üblich war. Kortum, der v. Steinens Deutung mit einem weiteren Beleg untermauern wollte, beging die gleiche Unterlassungssünde: In einer Handschrift zu Paderborn heiße es, so Kortum: „Anno 1243, 1. Maji per transactionem eo deventum est, quod Henricus Dux Lim­burgensis & Comes Montensis tutor Theodorici Isenburgici Adolpho Comiti de Marca concesserit comitatum, jurisdictionem & Villam Cobbonis, vul-

gariter dictam Bokum.“64 ... Grafschaft, Gerichtsbarkeit und Stadt (Dorf) des Cobbo, gewöhnlich Bokum genannt.65

 

Beide Zitate sind bis heute noch nicht identifiziert. Dennoch sollte man sie nicht voreilig als Fälschungen einstufen, wie Darpe das bei v. Steinen suggerieren wollte. Zum einen lag Bochum seinerzeit tatsächlich in der Grafschaft B dem Verwaltungsbezirk, Komitat B des Cobbo, und für eine Fäl­schungsabsicht ist bei v. Steinen kein triftiger Anlass auszumachen. Zum anderen sind auch Kortum, der die ihm von Darpe unterschobene Kuh-Interpretation nicht mehr kennen konnte, keinerlei Interpolationsabsichten66 zu unterstellen. Er wollte lediglich v. Steinen bestätigen und dürfte wohl kaum „villa Cob­bonis“67 eingeschoben haben in einen Text, der ansonsten historisch zweifelsfrei ist.

Diese Stelle ist die einzige überhaupt inter­polationsfähige, denn der mitgeteilte Inhalt, daß im Jahre 1243 Heinrich Herzog von Limburg und Graf von Berg als Vormund des Dietrich von Isenburg dem Grafen Adolf von der Mark Grafschaft und Gerichtsbarkeit in Bochum überläßt, ist historisch vorzüglich bezeugt. Dieser Vergleich zwischen Isen­burg und Mark [...] ist eines der Eckdaten in der Ter­ritorialgeschichte der aufstrebenden Grafschaft Mark [...].“68

Die beiden lateinischen Texte, die Derks für glaubwürdig hält, legen für Bochum mit dem Synonym „Villa Cobbonis“ und der Situation in der „comitatus Cobonis“ den historischen Kern frei: Cobbos Siedlung und die Grafschaft des Cobbo.

Bochum zählt Derks zu den seltenen mittelalterlichen Orten mit namengebendem Grundherrn, bei denen dieser noch historisch fassbar ist. „Grafen sind im Raum Bochum früh be­zeugt.“69

Nachdem das Essener Archiv verbrannt war, bestätigte Otto I. 947 dem Stift seine Rechte, unter anderem auch eine Schenkung König Ludwigs des Deutschen (843-876, Enkel Karls d. Gr.): „[...] et „ Luduuico, curtem 1 Hucrithi nuncupatam et quicquid habuit in comitatu Ecberti et Cobbonis.“70 ... und von Ludwig, einen Hof, (Dortmund-)Huckar­de genannt, und was auch immer er (Ludwig oder der Hof?) besessen hat in der Grafschaft Ecberts und Cobbos.71

Derks legt ausführlich dar, dass diese Schenkung an den Essener Stiftungsgründer Altfried zwischen 860 und 870 erfolgt sein musste, es demnach zu dieser Zeit bereits einen Bezirk gegeben haben muss­te, „in dem Ekbert und Cobbo Grafenrechte ausübten.“72 „Das ist also der in von Steinens Textauszug gespiegelte comitatus Cobonis.“73

Aus den Forschungen nach der Frage, warum der sächsische Hochadel (Liudolfinger, Ottonen) schon gut 100 Jahre nach Ende der Sachsenkriege die Karolinger im deutschen Königshause ablösen konnte, ergab sich die Blutsverwandtschaft (im dritten und vierten Grade) der Herforder Äbtissin Haduini (858-887) mit König Karl dem Kahlen. Für diese wiederum konnte man aus der „Translatio sanctae Pu­sinnae“, dem Bericht von der Überführung der Reliquien der gallischen Heiligen Pusinna nach Her­ford, einen Bruder Cobbo (d. J.) ausmachen sowie beider Oheim Cobbo (d. Ä.), der ein Vertrauter des Königs war.74

 

Ida sollte aus vornehmer fränkischer Familie stammen. Ob sie eine Tochter König Karlmanns, des Bru­ders Karls d. Gr., war, wie Derks vermutet, ist unter den Wissenschaftlern strittig.75 Ebenso bleibt ungeklärt, ob Ekbert Franke oder Sachse war. „Wie dem auch sei: an der Existenz mehrerer Grafen Cobbo im Familienverband der Ekbertiner im altwestfälischen Raum ist nicht zu zweifeln.“76

 

Auch in den Reichenauer Verbrüderungsbüchern77 ist unter den Namen der Ekbertiner / Cobbonen ein Choppo (= Cobbo) eingetragen. Schwieriger als der Beweis der Existenz eines Grafen Cobbo gestaltet sich die Entscheidung, welchem Cobbo die Namensgebung unseres Co(f)bochem zuzuordnen ist. Ihm müsste ein Bruder, Ekbert genannt, an die Seite gestellt werden können, mit dem er die Verwaltung in der Grafschaft ausübte. Eine gemeinsame Amtsausübung durch Vater (Ekbert) und Sohn (Cobbo) scheint Derks auszuschließen. Noch heute ist es in manchen Adelshäusern üblich, dass die Eltern bei Heirat ihres Erben vom Stammsitz auf Zweitbesitz wechseln. Ist jedoch nicht auch eine Übergangsphase in der Ablösung von der Herrschaft denkbar, während der Vater Ekbert und Sohn Cobbo nebeneinander in der Urkunde Ottos I. Erwähnung fanden, zumal später Ekberts Name nicht mehr in Zusammenhang mit dem comitatus und dem Namen Bochum auftrat? Ekbert könnte natürlich auch durch frühen Tod oder Besitz­teilung aus dem Umfeld Bochums ausgeklammert worden sein.

 

Die oben genannte Translatio sanctae Pusinnae spricht von mehreren Brüdern des Abtes Warin, nennt mit Cobbo (d. Ä.) aber nur einen beim Namen.78 Folglich könnte durchaus ein weiterer Bruder Ekbert geheißen haben, und Cobbo d. Ä. käme in Frage als Namensgeber Cofbuokheims. Die Huckarder Schenkung zwischen 870 und 882 anzusetzen, wäre nach Derks zu spät.79 Da für beide Grafen Cobbo jedoch die Lebensdaten nicht bekannt sind, ist Cobbo d. J. nicht absolut auszuschließen. Er müsste dann außer seiner Schwester Haduini einen Bruder Ekbert besessen haben. Letzteres liegt sogar nahe bei der frühmittelalterlichen Tradition gleicher Namengebung innerhalb der Geschlechter, die nicht erst bei den Hohenzollern in Mode kam.

`[...] wegen des Gegenworts Aldan-buc-hem muß das sprachliche Alter von Cof-buock-heim ebenfalls zeitlich hier angesetzt werden: auch diese Formation ist schon der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts zuzuweisen. In dem vormals größeren Gebiet Bokhem gab es vor dem Grafen Cobbo offenbar bislang nur eine Siedlung. Als in der Ausbauzeit des 9. Jahrhunderts im gleichen Bezirk eine zweite Siedlung angelegt oder neu organisiert wurde, ist ihr der Name des Grundherrn zugefügt worden, während die ältere Villikation jetzt ausdrücklich als die ältere bezeichnet wurde: darum das Widerspiel [...] Aldan- und Cof-.A80 Die Dreigliedrigkeit beider Ortsnamen weist auf eine Namengebung in der Ausbauzeit des 9. Jahrhunderts, während für die frühe Zeit der sächsischen Landnahme durch die Franken zweigliedrige Ortsnamen vom Typ Personennamen + Grundwort üblich waren (fiktiv: Cob-hem).

 

Fazit: Da es im Altsächsischen des 9. Jahrhunderts nicht anders belegbar ist, kann sich Cof-/Cob- `aus sprachlichen wie historischen Gründen [...] nur auf einen Personennamen Cobbo beziehen, und dieser ist in dieser Gegend durch Ottos Urkunde von 947 vorzüglich bezeugt. _Cobbos Buchwald-Siedlung> also muß der Name aufgelöst werden.A81 Aus Cobbo-bok-hem wurde wegen der Wiederholung per Silbenaus­stoß ein -bo- eliminiert. Das verbleibende erste b rutschte in den Stammauslaut und wurde vom Stimm­haften b zum stimmlosen f in Cof-. `Gerade die Nichtangleichung von auslautend -b > -f und anlautend b- [...] zeigt die Stammhaftigkeit des Auslauts, der sich nicht beliebig als Gleitlaut an eine imaginäre ko als Kuh angenähert haben kann. [...] die Kuh muß als abgeschlachtet gelten.A82

Im Gau Boroctra B die Grafschaft der Ekbertiner / Cobbonen war entweder identisch mit ihm oder aber Teil davon B taucht Cobbo noch einmal in einem Ortsnamen auf. Als Analogie führt Derks den Namen Kobencasdorpe (Cobbencastrope uä.) an, gegen 1220 erst relativ spät urkundlich belegt.83 Er stand sowohl für eine Bauerschaft in Castrop als auch für einen Hof in Gerthe, heute Gaststätte Cöppencastrop. `Wenn auch spät bezeugt, hat sich hier doch die urtümliche, volle Form des Personennamens Cobbo kontinuier­lich [...] erhalten, da es hier keinen Grund zum Silbenausstoß gibt. Daß dieser Name erheblich älter sein muß als seine zufällige Nennung, zeigt sich daran, daß er seinem Typ nach kein Hofname ist, sondern [...] ein Siedlungsname.A84 Offenbar war auch hier in der Ausbauzeit ein zweites Castrop entstanden, was Cobbo in Cofbuockheim wiederum bestätigt. Für das Alter spricht auch, dass der Name Cobbo nach 1000 aus der Mode geriet.

 

Selbst wenn die Forschung der Zukunft Derks in dem einen oder anderen Punkt korrigieren würde, so bliebe auf jeden Fall festzustellen, dass sich mit ihm zum ersten Mal ein anerkannter Wissenschaftler und Fachmann auf dem Gebiet der Etymologie mit dem Namen Bochums auseinander gesetzt hat. Einen Qualitätsunterschied zu allen vorhergehenden Deutungsversuchen, auch den ernst zu nehmenden, wird der Leser anhand der Zitate erkannt haben B hinsichtlich der Kenntnisse und professionellen Vorgehensweise. Zur Gegenüberstellung und der Vollständigkeit wegen sei hier noch einmal Winter erwähnt, der in einer älteren Variante für die Vorsilbe Cof- Mittellatein und Französisch bemühte, um von Koffer zu Sarg, d.h. in die Särge der toten Legionäre des Varus zu springen.85 Derks bezeichnet dies zu Recht als `UnsinnA.86

 

 

Ein Wappen redet

 

`Das Wapen oder Siegel der Stadt ist ein zugeschlossenes Buch. Es ist unstreitig wegen der Aehnlichkeit des Namens gewählt worden, und gehoert also unter die redenden Wapen oder Siegel.A87 Obwohl Kortum schon 1790 völlig richtig lag, galt das Buch noch lange, bei manchem bis heute als rätselhaft. `Das Buch im Stadtwappen ist in volksetymologischer Deutung des Namens zu erklären.A88`[...] ist aus einer falschen Deutung des unverständlich gewordenen Namens zu erklären.A89 So Brinkmann 1950 und 1971. Sein Kommentar zum Eingangszitat von Kayser: `Es besteht kein vernünftiger Grund zur Annahme, daß diese Bauernschaft, aus der sich ab 1300 allmählich die Stadt entwickelte, mehr mit Büchern zu tun hatte als jede andere.A90

`Besser allerdings hätte man statt des Buches eine Buche gewählt, wie denn auch die Stadt Bocholt im Kreise Borken einen Buchenbaum als Wappen führt. Vielleicht aber war man genötigt, da die Buche als Wappen schon von Bocholt gewählt war, ein unterschiedliches Wappen zu nehmen, und da lag das Buch am nächsten.A91 Franz Darpe ging weiter als Kortum und fand als Ursache mit dem Bocholter Wappen den einzig logischen Grund, den auch Seippel bestätigend wiederholen wollte.92

Gibt uns nicht gerade dieses Buch, das im Laufe der Jahrhunderte mit dem Schnitt der Längsseite mal links, mal rechts lag, selbst einen Hinweis? Es lag stets mit dem hinteren Buchdeckel oben, zeigte dem Betrachter nie seine Vorderseite! Erkennbar wird dies durch die hinten angesetzten ledernen Spangen oder Riemen für Verschlüsse, die ein Buch aus Pergamentblättern zusammenhalten mussten. Andernfalls würden die Blätter sich durch Feuchtigkeitseinflüsse zu stark wellen; das Buch würde ohne Druck am Schnitt weit auseinander klaffen. Die Verschlüsse selbst befanden sich normalerweise auf der Vorderseite oder am Schnitt, am Buch des Bochumer Wappens nicht sichtbar. Bevor man die Verschlüsse öffnete, schlug man auf den Buchdeckel, um die Spannung zu lockern. Noch heute `schlägtA man ein Buch auf.

Soll dieses Buch, das seine Vorderseite verborgen hält, nicht mit seinem rückwärtigen Deckel andeuten: Ich liege hier so nicht richtig, sondern falsch herum, weil ich eigentlich nicht in dieses Wappen hinein gehöre!? Ist die Hinterseite nicht von der mittelalterlichen Verwaltung und den Gestaltern des Stadtsiegels bewusst als Schauseite gewählt worden, als Hinweis auf ein Wortspiel Buche B Buch, boka B bok?

 

Noch einmal Kortum, der mit `Ähnlichkeit des NamensA das Wortspiel meint: `[...] und gehoert also unter die redende Wapen oder Siegel.A93 Das Bochumer Stadtwappen [...] ist ein sog. _sprechendes Wappen>, da es den ersten Teil des Stadtnamens _Buchheim> (fälschlich) mit einem Buch wiedergibt.A94 Die Einordnung zu den redenden Wappen ist also noch zu präzisieren: Das umgekehrte Buch ist zu den falsch redenden Wappen95 zu zählen.

Infolge der Entwicklung mittelalterlicher Ritterrüstungen wurden Waffenzeichen, Wappen, zur Identifizie­rung in Turnier und Kampf notwendig. Die ersten Wappen entstanden zwischen 1127 (Quelle ange­zweifelt) und etwa 1150.96 Sie lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

a) abstrakte Zeichen wie Streifen, Balken, Zahnschnitt, Schachbrettmuster (z.B. rot-weiß im Wappen der Grafen von Altena / von der Mark)

b) konkrete Bilder als Darstellungen von Lebewesen, sowohl von Tieren (Adler, Löwe ...) als auch von Pflanzen (Blüten, z.B. Rose; Blätter, z.B. Klee-, Linden- oder Eichenblatt; aber auch ganze Bäume wie Eiche oder Buche)

c) konkrete Bilder von Gegenständen (Kreuz, Rad, Wolfsangeln, Gebäude).

 

Städte wollten es noch im Mittelalter dem Adel gleich tun und legten sich eigene Wappen zu, manche unter Einbeziehung des Herrschaftswappens, z.B. des märkischen Schachbrettmusters. Zuerst traten diese als Siegel auf, wurden viel später B so auch in Bochum B für Flaggen, Briefköpfe u.a. übernommen. Das älteste erhaltene Bochumer Siegel datiert von 1381 und zeigt bereits das Buch.

In den Kategorien b) und c) sowie in Mischformen kommen zahlreiche, hier mit Beispielen in Abbildungen belegte `redende WappenA vor, darunter aber auch `falsch redendeA. Dass Bochum / Bochem sich eines falsch redendes Wappens bedienen musste, dürfte darin begründet sein, dass mit dem Bocholter Wappen der ganze Baum (Buche) bereits früh vergeben war, wie schon Darpe und übereinstimmend Seippel meinten (s.o.). Bocholt (Boc-holt, übrigens gleicher Namensursprung wie beim Harpener Bockholt) führt seit Mitte des 13. Jahrhunderts die Buche in Siegel und Wappen, ein Idealtyp für redende Wappen, denn Boc-holt = Buchenwald. Es folgen weitere Beispiele, zumeist aus Nordrhein-Westfalen.97

 

 

Redende Wappen

 

Das junge Wappen von Bockum-Hövel (Stadtwerdung 1956) wich 1955 auf Bucheckern aus, verbunden mit dem Doppelbalken der Herren von Hövel. Bockum geht wie Bochum auf Boc-hem zurück. Beckum wechselte um 1500 sein Wappen von einem zinnenbewehrten Tor zu einem redenden Wappen mit drei Bachläufen. Beckum war im Quellgebiet der Werse entstanden (altsächs. beki, niederdeutsch Beke = Bach; Bec-hem, Beckehem = Siedlung an den Bächen).

Hirschberg im Arnsberger Wald vereinigt beide Silben seines Namens im Wappen. Der Ort soll aus einem Jagdschloss hervorgegangen sein, wobei der Hirsch aber auch den Wald allgemein versinnbildlicht. Das Wappen von Schlangen im Lipperland stammt erst von 1950. Neben der Schlange stehen Eichel und Blätter für Waldreichtum, die lippische Rose für das einstige Herrscherhaus.

Eversberg im Sauerland hat neben dem namengebenden Eber den Adler der Herrschaft im Wappen.

 

Gummersbach erhielt sein Wappen 1892 von Wilhelm II.. Die auf Textilindustrie hinweisende Spindel steht neben dem Schachbalken der Markgrafen, denen der Ort einst gehörte. Zu den redenden Wappen im engeren Sinne darf man dieses eigentlich nicht rechnen, da es nicht seinen Namen erklärt!

 

 

Falsch redende Wappen

 

Die Herkunft des Namens Ahlen im Münsterland ist zwar ungeklärt, doch der seit 1255 im Siegel nachgewiesene Aal gilt als falsch redendes Bild, als Wortspiel. Auch das Wiesel existiert bereits seit 1233 im Siegel von Wesel, doch nur wegen der Ähnlichkeit des Namens. `WeselA soll aus dem Germanischen kommen, ahdtsch. wisa (Wiese).

Emmerich geht wahrscheinlich auf einen Personennamen zurück und nicht auf den niederdeutschen Emmer (Eimer), der seit dem 14. Jahrhundert im Siegel geführt wird. Ebenso hat Kleve (Cleve, Clive) nicht vom ndd. Klever (Klee) seinen Namen, sondern vom Steilabhang des Burghügels: altsächs. clif, ahd. cliva, mnd. Klif, ndd. Klef = Halde, Steilabhang, Fels, Berg, Klippe98 (vgl. Haus Clyff an der Hattinger Ruhrbrücke).

Auch Coesfeld (im 9. Jahrhundert Coas-felt) kommt nicht von co (Kuh). Wie bei Cof-buokheim das f dürfte hier das s stammhaft sein. Dennoch ist das Wappen volkstümlich als `OssenkoppA sehr populär. Seit etwa 1300 benutzt Haltern den verschlungenen Halfter mit Schnalle im Siegel. Dass sich die 890 Halahtron genannte Stadt vom Römerlager Aliso (german. Alison, Erlenbach) ableitet, ist auch nicht wahrscheinlich.

Haan bei Düsseldorf stammt wie Hagen u. ä. vom ahd. hagan (Dornstrauch) und dem mhd. hagen (umfriedeter Ort). Das Wappen mit dem kampfbereiten `bergischen KräherA ist von 1937. Ein Schaf, ndd. Schöps, prangt seit etwa 1600 in den Siegeln von Schöppingen.

Die beiden Schwerter im Wappen von Schwerte lassen sich nicht sicher als richtig oder falsch redend klassifizieren, weil der Ortsname ungeklärt ist. Die Harfe der Ritter von Harpen99 aus dem gleichnamigen Dorf bzw. Bochumer Vorort lässt sich leicht mit harpa (latein. und altsächs. = Harfe, Rost)100 in Bezie­hung setzen. Da die Schreibweisen des 11./12. Jahrhunderts aber Harpunni, Harpena, Harpene101 lauteten, dürfte hier erneut ein Wortspiel vorliegen.

Frühere Jahrhunderte nahmen es nicht nur weniger genau mit der Schreibweise von Bochums Namen , wie mit der Rechtschreibung überhaupt; auch das Buch im Siegel unterlag mehreren Änderungen. Wiederholt wechselte nur der Rücken des Buches zwischen links und rechts, dabei immer mit dem hinteren Buch­deckel nach oben liegend.

V. Steinen ließ 1756 am Ende seines 3. Teils ein Siegel wiedergeben, wie es bis 1491 in Gebrauch war, mit der lateinischen Umschrift `S.(igillum) CIVIUM IN BOUCHAMAB Siegel der Bürger in Bochum.102 Das Buch liegt mit dem Rücken links. Nur der zweimal sichtbare Schnitt der kurzen Kanten wirkt kunsthandwerklich ungeschickt und bringt Probleme bei der Darstellung der Rundung des Buchrückens. Ansonsten kommt dieses Buch dem im heute gültigen Wappen doch recht nahe mit seinen zwei Spangen. `[...] da denn auch die Stadt ein redend Siegel, nemlich ein Buch [...] wegen dieses ihres Namens [...] angenommen hat [...].A103

Acht weitere Stadtsiegel sind bei Darpe abgebildet104 darunter eine `stümperhafte Nachbildung des alten Siegels,A105 dessen man sich zwischen 1494 und 1507 bediente. Der nachfolgende Stempel näherte sich wieder dem älteren Siegel an. `Nach dem Stadtbrand von 1517 scheinen dann alle Stempel verloren gegangen zu sein; an einer Urkunde von 1518 (Pfarrarchiv Bochum, Urkunde 96) hängt ein neues, welches ganz ohne Beziehung zu den früheren ist; das Buch ist schmaler und kleiner, der Deckel fast ohne Zierat; an beiden Seiten des Buches sind hier zuerst Schnörkel angebracht; [...] Weitere neue Stempel wurden schon in den nächsten Jahrzehnten gebraucht.“106

Lehnt sich das heutige amtliche Wappen seit dem 20. Jahrhundert wieder stärker an die ältesten Siegel an, so findet sich noch 1885 ein Exemplar mit dem Buchrücken rechts bei Siebmacher, dem Wappenexperten überhaupt, welches derart fremd wirkt, dass man es zunächst für eine Verwechslung halten möchte (vgl. Abb.).107 Es scheint in der Nachfolge des von Darpe beschriebenen Negativ-Beispiels zu stehen.

Bochum, Stadt des Königr. Preußen, Westfalen, [...] führt in Anspielung auf ihren Namen ein Buch mit schwarzem Einbande, silbernen Spangen und Goldschnitt auf blauem Felde als Wappen [...].“108 Daneben zeigen die Bocholter Wappen, dass auch ihre Buche im Laufe der Zeiten Wandlungen unterworfen war, mal ohne, mal mit Bucheckern.109

 

Abb. 9 Wappen der Stadt Bochum bis 1975110

 

Wenige Jahre nach der politischen Zusammenlegung von Bochum und Wattenscheid im Jahre 1975 wurde nicht nur die historisch widersinnige Bekrönung des bisherigen Bochumer Wappens mit zinnenbewehrter Stadt- oder Burgmauer getilgt, sondern auch der rot-weiße Schachbrett-Balken aus dem Wappen der Grafen von der Mark / Altena dem alten Wattenscheider Wappen entnommen und ins neue gemeinsame Wappen der Stadt Bochum übertragen, indem er dem Buch unterlegt wurde. Dort passt der Schachbalken, historisch gesehen, gut hinein, denn etliche andere Orte der ehemaligen Grafschaft Mark zeigen dieselben rot-weißen Quadrate in ihren Wappen, z.B. Hamm (s.o.).

Wenn es auch nicht sogleich auffällt, so mutet es doch etwas eigenartig an, dass das Buch nun nicht auf einem durchgehend gedachten Balken liegt; in dem Falle müsste sich nämlich die Abfolge rot-weißer Quadrate in drei Reihen auf der rechten Seite des Buches anders fortsetzen. In der amtlich ausgeführten Form ist der Schachbalken nicht unter dem Buch durchgezogen, sondern in zwei getrennten Stücken links und rechts an das Buch angesetzt. Dies soll seinerzeit auch vom Staatsarchiv in Münster beanstandet worden sein.111

 

 

 

 

 

 

 

1 Karl Brinkmann, Bochum. Aus der Geschichte einer Großstadt des Ruhrgebiets, Bochum 1950, S. 21.

2 Johann Diederich von Steinen, Westphaelische Geschichte, Lemgo 1755-69, Nachdruck 1964, 3. Theil (1756/57); vgl. S. 138-139.

3 Franz Darpe, Geschichte der Stadt Bochum, Bochum 1894, Nachdruck 1991, S. 20.

4 J. Carl Friedrich Petersen, Der Kirchsprengel Weitmar oder über die Gegend, wo Hermann den Varus schlug, Essen 1823, Spalte 260.

5 H. Menge/O. Güthling, Langenscheidts Enzyklopädisches Wörterbuch. Enzyklopädisches Wörterbuch der griechischen und deutschen Sprache, 1. Teil Griechisch B Deutsch, Berlin 1913, Berlin 1962.

6 W. Pape, Griechisch-Deutsches Handwörterbuch, o. O. 1914, Nachdruck Graz 1954, bearbeitet von M. Sengebusch.

7 Vgl. dazu: euangelíon (altgriechisch, nach Erasmus in lateinischen Lettern) = evangelíon (neugriechische Aussprache) = evangelium (lateinisch) = Evangelium (deutsch).

8 Heinz Winter, Stadt Bochum B Altenbochum, Bochum 2001 (Broschüre ohne Seitenzahl).

9 Karl Brandt, Neolithische Siedlungsplätze im Stadtgebiet von Bochum. Quellenschriften zur westdeutschen Vor- und Frühgeschichte, Band 8, Bonn 1967, S. 69, 74-76, Tafeln 22 und 57; ders., Aus der Vor- und Frühgeschichte der Stadt Bochum, in: Volker Pingel (Hrsg.), Beiträge zu Archäologie und Geologie in Rheinland und Westfalen, Band 5, Gelsenkirchen, Schwelm 1997, S. 32-33.

10 Winter. Petersen und Winter bewegen sich zwar noch im indo-europäischen Sprachenraum, doch auch in nicht verwandten Sprachen finden sich ähnlich oder gleich klingende Vokabeln ohne identische oder auch verwandte Bedeutungen. So wird kein in Bochum lebender Türke beim Besuch in der Türkei zugeben, wo er ansässig ist. „Bei Dortmund“ könnte seine Ausrede lauten, denn ein „Bochum“ ähnlich klingendes türkisches Wort ist der Ausdruck für Exkremente. Wenn das Petersen geahnt hätte! Vgl. Karl Steuerwald, Türkisch-Deutsches Wörterbuch, Wiesbaden 1972: bok = Kot [...]; bokum = mein Kot.

11 Max Seippel, Bochum einst und jetzt. Ein Rück- und Rundblick bei der Wende des Jahrhunderts, Bochum 1901, Nachdruck Bochum 1991, S. 7.

12 Karl Arnold Kortum, Nachricht vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum, Leipzig, Lemgo, Berlin und Bielefeld 1790, Nachdruck 1990, ' 35, S. 203 (neu S. 95).

13 Darpe, S. 19-20.

14 Seippel, S. 6.

15 Darpe sowie „. Ludorff/Franz Darpe, Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 17: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Bochum-Stadt, Münster 1906, S. 7 und Band 23: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Bochum-Land, Münster 1907; Nachdruck als Doppelband 17/23, Bochum, Warburg 1994.

16 Darpe, III. Urkundenbuch, S. 5, Urkunde 1 von 1298; vgl. Abbildung der Original-Urkunde, 2. Zeile.

17 Karl Brinkmann, Von Cofbuockheim über Kaubaukum, WAZ vom 4. Juni 1971, Bochumer Lokalausgabe mit „Sonderbeilage 650 Jahre Stadt Bochum“.

18 Brinkmann, Bochum, S. 21. Für den Abhang kämen der Kirchhügel mit Reichshof oder der Anstieg nördlich der Altstadt B nördlich des Nordrings B infrage.

19 Brinkmann, Cofbuockheim.

20 Fr. E. Brandstäter, Märkisch-Westfälische Ortsnamen, aus den Urlauten erklärt, Witten 1909, S. 82-83.

21 Hans Bahlow, Deutschlands geographische Namenwelt, Frankfurt „.M. 1965, S. 49-50.

22 Ferdinand Holthausen, Altsächsisches Wörterbuch. Niederdeutsche Studien, Band 1, herausgegeben von W. Foerste, Münster, Köln 1954, S. 8 und 32.

23 Darpe, S. 20.

24 Hermann Jellinghaus, Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern, 3. Auflage, Osnabrück 1923, S. 77-78.

25 Dieter Berger, Duden. Geographische Namen in Deutsch­land, Mannheim et al 1993, S. 130.

26 Derks, S. 1-78; hier Eingangsworte S. 2. Über diesen, im folgenden mehrfach zitierten Beitrag von P. Derks hinaus seien den Lesern des Bochumer Raums zwei weitere Beiträge empfohlen, die hier jedoch nicht weiter zu Zitaten herangezogen werden: Paul Derks, Von Stipula zu Stiepel. Zur Deutung der Ortsnamen Stiepel bei Bochum und Stiepel bei Arnsberg, in: Der Märker, 39 (1990), S. 149-155 und derselbe, Liudger und Emma, „Grafen von Stiepel“. Die Quellen und die historische Überlieferung, in: Der Märker, 47 (1998) Heft 1, S. 12-20. Die beiden zuletzt genannten Beiträge sind auch erschienen in den Informationsschriften des Stiepeler Vereins für Heimatforschung, „Stiepel gestern und heute“ und zwar in den Heften Nr. 2 bzw. Nr. 4, 1993. Letzterer ist als frühe Fassung des Beitrags im Märker 1998, Heft 1, anzusehen. Fortgesetzt wurde das Thema vom Autor dieses Artikels in „Stiepel gestern und heuteA, Heft Nr. 17, 2000 und Heft Nr. 19, 2001.

27 Ernst (Wilhelm) Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Zweiter Band. Orts- und sonstige geographische Namen, 2. Auflage 1871 / 3. Auflage 1913, neu bearbeitet von H. Jellinghaus, Nachdruck München, Hildesheim 1967, Spalte 516 ff., besonders Spalten 516 und 523.

28 Förstemann, Spalten 532 und 533.

29 Derks, S. 2-3. In seiner Fußnote 7 verweist Derks auf Darpe, S. 20 und Kortum, Nachricht, S. 53-55.

30 Heinz Winter, Hochgericht und Herrlichkeit Stiepel, Varusschlacht zwischen Bochum und Witten, Bochum 1979, S. 26-27.

31 Derks, S. 4; inklusive Fußnote 14.

32 Holthausen, S. 8.

33 Berger, S. 58.

34 W. Sturmfels, Etymologisches Lexikon deutscher und fremdländischer Ortsnamen, Leipzig 1922, 2. Auflage 1930, S. 23; zu Bocholt unter Einbeziehung von Bochum und Bockum.

35 Derks, S. 4.

36 Ebd., S. 2. Zum Terminus „Reichshof“ vgl. Text und Abbildung der Urkunde von 1298. Weitere Textstellen zur Urkunde von 1041: Ludorff/Darpe, Bd. 17, S. 6; Seippel, S. 6; Brinkmann, Bochum, S. 23.

37 Darpe, Geschichte der Stadt Bochum, S. 21, Bau- und Kunstdenkmäler, Bd. 17, S. 7.

38 Berger, S. 58. Berger übernimmt diese Fehldeutung: „Der Zusatz Cof- von 1041 [...], eine Nebenform von asächs. „Ko“ Kuh, bezieht sich auf die [...] Viehzucht.“

39 Derks, S. 4.

40 Karl Arnold Kortum, Leben, Meynungen und Thaten von Hieronimus Jobs dem Kandidaten. Faksimiledruck der im Jahre 1784 in Münster und Hamm [...] erschienenen Erstausgabe des Jobs, in: Dr. C. „. Kortum, eine Lebensbeschreibung und die erste Ausgabe seines Jobs, Bochum 1965, S. 1.

41 Kortum, Nachrichten, S. 54 (neu S. 22).

42 Darpe, S. 488.

43 Brandstäter, S. 156. Nach Brandstäter würde Aldanbochem bedeuten: „(Laub)Wald(höhe) bei Bochem“, müsste also nicht zwingend mit Alt(en)-Bochum übersetzt werden.

44 Holthausen, S. 28. Go in Ortsnamen = Gau.

45 Brinkmann, Bochum, S. 22; ders., Cofbuockheim.

46 Brinkmann, Bochum, S. 22.

47 Holthausen, S. 32 und 42.

48 Derks, S. 6.

49 Ebd.

50 Brinkmann, Cofbuockheim.

51 Darpe, S. 20.

52 V. Steinen, S. 138-139.; Derks, S. 4.; Den Hofnamen Kabeisemann (Kaubosemann), der mit Cofbuockhem nichts zu tun hat, führt Derks indessen auf k = Kuh zurück: Ko-bese-mann = Aufsitzer des Hofes in den Rinderbinsen; vgl. Derks, S. 35-37. Vgl. dazu auch: Günther Höfken, Neue Heimatliteratur aus dem Raume des alten Amtes Bochum seit 1951, in: Bochum. Ein Heimatbuch, Band 6, Hrsg. Vereinigung für Heimatkunde e.V., Bochum 1954, S. 127-128.

53 Kortum, Nachricht, S. 54 (neu S. 22).

54 Seippel, S. 4-5.

55 Derks, S. 7.

56 Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.), Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, (Aalen) 1966, Bd. I, S. 110, Nr. 177, Anm.

57 Darpe, S.21.

58 Henning Kaufmann, Westdeutsche Ortsnamen mit unterscheidenden Zusätzen, Heidelberg 1958, Teil I, S. 300.

59 H. Kampschulte, Kirchlich-politische Statistik [...] Westfalens, Lippstadt 1869, S. 56-57.

60 Derks, S. 7.

61 Ebd.

62 V. Steinen, S. 140, Fußnote 1; siehe auch Fußnote 3.

63 Unter Benutzung von Habel.

64 Kortum, Nachricht, S. 53 (neu S. 21); Derks, S. 9.

65 Unter Benutzung von Habel.

66 Interpolation = nachträglicher Texteinschub, Änderung.

67 Villa bedeutet im klassischen Latein noch Landhaus, Landgut. Im Latein des Mittelalters kann es aber darüber hinaus auch mit Dorf, Stadt übersetzt werden. Vgl. Habel, S. 426 sowie Petschenig/Skutsch.

68 Derks, S. 10-11.

69 Albert K. Hömberg, Kirchliche und weltliche Landesorganisation (Pfarrsytem und Gerichtsverfasung) in den Urpfarrgebieten des südlichen Westfalen, Münster 1965, S. 67, zitiert bei Derks, S. 13.

70 Monumenta Germaniae Historica (MGH), Diplomatum Regum et Imperatorum Germaniae, 2. Auflage, Berlin 1956, Teil I, S. 167: DOI, Nr. 85, zitiert bei Derks, S. 13.

71 Unter Benutzung von Habel, Mittelalterliches Glossar, „.“.O.,

72 Derks, S. 15.

73 Ebd., S. 13.

74 Roger Wilmans, Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen 777-1313 kritisch, topographisch und historisch nebst anderweitigen Documenten und Excursen, Bd. 1, Die Urkunden des Karolingischen Zeitalters 777-900, Münster 1867, S. 541-546, zitiert bei Derks, S. 15; Hüsing, Genealogie der hl Ida, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde 38 (1880), I, S. 1-21; zitiert bei Derks, S. 16.

75 Derks, S. 19.

76 Eduard Hlawitschka, Zur Herkunft der Liudolfinger, in: Rheinische Vierteljahresblätter 38 (1974) S. 92-165, zitiert bei Derks, S. 16; dort auch weitere Literaturangaben zu dieser Problematik.

77MGH B Libri confraternitatum Sancti Galli Augiensis Fabariensis, Berlin 1884, S. 214, zitiert bei: Derks, ebd., S. 17.

78Wilmans, S. 542, zitiert nach Derks, S. 19.

79Derks, S. 18, Fußnote 120; dort nähere Angaben zu den Textstellen Oppermann, Hömberg, Wenskus.

80Ebd.

81Ebd., S. 22.

82Ebd., S. 23.

83Ebd., S. 23-27.

84Ebd., S. 26-27. Vgl. auch Höfken, S. 127-128.

85Winter, Hochgericht, S. 26-27.

86Derks, S. 4.

87Kortum, Nachricht, ' 35, S. 203 (neu S. 95).

88Brinkmann, Bochum, S. 21.

89Ders., Cofbuockheim.

90Ebd.

91Darpe, S. 20.

92Seippel, S. 7.

93Kortum, Nachricht, ' 35, S. 203 (neu S. 95).

94Kortum, Nachricht, Bildunterschrift zum Stadtsiegel, zwischen S. 94/95 (neu); nicht von Kortum selbst.

95Klemens Stadler, Deutsche Wappen, BRD, Bd. 7, NRW, Bremen 1972, S. 23.

96Lutz Fenske, Adel und Rittertum im Spiegel früher heraldischer Formen, in: Josef Fleckenstein (Hrsg.), Das ritterliche Turnier im Mittelalter, Göttingen 1986, S. 81 ff.

97Wie Fußnote 106.

98Jellinghaus, S. 121; Förstemann, Spalte 1692; Berger, S. 165.

99Abbildung aus v. Steinen, S 272 und Tabelle LXVI.

100Holthausen, S. 31.

101Ebd. sowie Ludorff/Darpe, Bd. 23, S. 23.

102V. Steinen, Wappentafel Tab. LXV (am Ende vom 3. Theil).

103Ebd., S. 139.

104Darpe, III. Urkundenbuch, S. 215.

105Ebd., I., S. 75.

106Ebd.

107J. Siebmacher´s großes Wappenbuch, Band 6, Wappen der Städte und Märkte in Deutschland und den angrenzenden Ländern, Nürnberg 1885, Nachdruck: Neustadt a.d. Aisch 1974, Tafel 214.

108Ebd., S. 190.

109Ebd., S. 189.

110Abbildung entnommen aus: Winter, Bochum, Titelblatt.

111Vgl. WAZ vom 19. März 1988, Bochumer Lokalteil.

 

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Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 11, Juni 2002

 

Herausgeber:

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