Ein kleiner Artikel, der am 8.3.1958 in der WAZ Bochum

erschien, hat neue Aktualität gewonnen:

Vor 200 Jahren wurde mit dem Ausbau der

Allee- bzw. Essener Straße begonnen.

 

200 Jahre alt.

Herzlichen Glückwunsch Alleestraße!



(Hans H. Hanke) Beendet wurde diese Baustelle eigentlich nie. Leider ist der Verfasser des hier unverändert wiedergegebenen Textes nicht genannt. Er veröffentlichte mit Beiträgen wie diesem eine sehr fachkundige Reihe unter dem Titel "Alt-Bochumer Straßen und Plätze".



Die Alleestraße

Als Verkehrszug ist diese Straße wahrscheinlich eine Ursache dafür, daß Bochum überhaupt existiert. Schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit verlief hier ein Weg von Ruhrort über Essen, Steele nach Bochum und weiter zum eigentlichen Hellweg, der bei Dortmund erreicht wurde. Die trockenen Höhen zwischen Emscher und Ruhr wurden auf dieser Route geschickt ausgenutzt; bei Bochum wurde sie von anderen ebenso alten Verkehrswegen gekreuzt, die aus dem Bergischen kamen und weiter nach Norden ins Münsterland führten. Es hat die größte Wahrscheinlichkeit, daß diese Straßenkreuzung auch als besonders günstig für eine Reichshofanlage angesehen wurde.

Früher ein Feldweg

In Vorväters Tagen war es freilich nur ein mehr oder weniger tief ausgefahrener Feldweg, den man betrat, wenn man aus dem Bongardtor an der jetzigen Kreuzung Kortum- und Bongardstraße kam. Essendische Straße nannte man diesen Weg, der trotz der verschiedenen Hohlstellen und großen Schwierigkeiten in den Tälern der Bodenwellen, die bei Regenwetter raschversumpften, lebhaften Verkehr gesehen haben muß. Hier zogen die Fuhrwerke, die aus dem Bergischen und durch das Butenbergstor in die Stadt kamen, weiter nach Essen und zum Rhein. Und die bergischen Schmiede waren "rege wie Merkur".

Seit 1791 "Kunststraße"

1791 wurde deshalb diese Straße zu einer "Kunststraße" ausgebaut. Nach der Chaussee Crengeldanz - Bochum war es die zweite ihrer Art. Das Jahr 1791 bedeutete allerdings nur das des Baubeginnes. Mit den Bochumern hatte der Freiherr vom Stein wegen dieser Straße seinen großen Ärger, denn sie weigerten sich, die auf die Stadt entfallenden Steine zum Straßenbau anzufahren, weil es in der ganzen Stadt nur sechs Pferde gäbe. Trotz der Bochumer Weigerung aber wurde 1794 die Straße bis Steele, genau gesagt bis zur Grenze vor Steele, abgenommen, dann wurde sie "ausländisch". Das Stift Essen war damals noch ein selbständiger Staat.

Posthaus mit Stahlschmelze

Durch Gärten in der Nähe der Stadt und dann durch Felder führte dieser Straßenzug. 1829 kaufte der Postmeister Ecker die Grolmannschen Ländereien und ließ an der Essendischen Straße ein neues Posthaus mit Stallungen für 60 Pferde errichten. Die neue Zeit kündigte sich an. 1842 gründete Jacob Mayer an der gleichen Straße seine Stahlschmelze, aus der 1854 der Bochumer Verein wurde. Um 1855, mit dem ersten großen "Boom" derRuhrwirtschaft, dehnte sich die Besiedlung über die alte Stadtgrenze auch hier nach Westen aus. 1864/65 wurde der Grund zur Kolonie Stahlhausen gelegt. Man sprach in jener Zeit noch vom "Dorf", fern von der Stadt und auch ziemlich entfernt von der Fabrik lag Stahlhausen ganz in ländlicher Umgebung. Aber gerade in dieser Richtung ging nun die Ausbreitungstendenz, 1885 bereits war alles Gelände bis zur Bessemerstraße aufgeschlossen und bebaut, um die Jahrhundertwende war oder wurde Stahlhausen ganz von der wachsenden Stadt eingeschlossen.

Seit den 50er Jahren

Den öfters bespöttelten Namen Alleestraße, der eigentlich Straßenstraße bedeutet, gibt es seit den 50er Jahren für das Stück zwischen Stadt und Engelsburg, der weitere Straßenzug blieb die Essener Straße. An der Alleestraße aber lagen wichtige repräsentative Gebäude, die Post, das Bergamt, die Bergschule, schließlich die sich immer mehr ausbreitende "große Fabrik". Auch das Rathaus, das aus dem Hotel „Kaiserlicher Hof“ erstellt wurde, lag an dieser Straße, heute heißt die Stelle Rathausplatz. Im Kriege hat gerade diese Straße, die einen Teil ihrer öffentlichen Gebäude bereits vorher zugunsten großzügiger Neubauten an anderer Stelle (Bergschule) verloren hatte, schwere Zerstörungen erlitten. Aber wenn auch noch nicht alle Lücken geschlossen sind, so ist sie heute doch bereits wieder schöner und großzügiger neu erstanden, als sie vordem war.

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Jahrgang 1, Heft 1 / 1991

 

Herausgeber:

Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.

Vereinigung für Heimatkunde, Stadtgeschichte und Denkmalschutz

 

Redaktion:

Eberhard Brand, Dr. Hans H. Hanke, Peter Kracht;

Heft 1/91 in Zusammenarbeit mit Frauke Bezold, Hans W.Bimbel, Uwe Peters und Hans-Christian Zehnter

 

Verlag:

Peter Kracht - Verlag Limbeckstraße 24, 4630 Bochum 7 (Werne) Tel.: 0234/263327

ISSN 0940-5453

 

Für namentlich gekennzeichnete Beiträge sind die Verfasser persönlich verantwortlich.