Die Notkirchen Otto Bartnings und

die Bartning-Kirche in Bochum-Hamme

 

Andrea Steinert 

 

Einführung und Vorgeschichte

In Bochum-Hamme steht an der Amtsstraße 4 ein unauffälliger Kirchenbau von großer Bedeutung, der 1994 in die Denkmalliste der Stadt Bochum eingetragen wurde. Der Entwurf stammt von Otto Bartning (1883-1959). Bartning war Architekt und Theoretiker. Mit Walter Gropius entwickelte er Pläne zur Gründung des Bauhauses und war zwischen 1926 und 1939 Direktor der Bauhochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar. Weltruhm fiel ihm 1928 durch die zweitürmige Stahlkirche auf der in Köln stattfindenden Ausstellung „Pressa“ zu.1 1946 wurde er Vorsitzender des Deutschen Werkbundes und 1951 Präsident des Bundes Deutscher Architekten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte infolge der Kriegszerstörungen auch ein Mangel an Gotteshäusern. Um Abhilfe zu schaffen, stellten der „Weltrat der Kirchen“, der „Lutherische Weltbund “, die „Evangelical and Reformed Church“ aus den USA, die „Presbyterian Church“, ebenfalls von dort, und das „Hilfswerk der Ev. Kirchen der Schweiz “ Geldmittel zur Verfügung, die für behelfsmäßige Bauten verwendet werden sollten.2 Die Leitung des Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland wollte sich aber mit den angebotenen und teilweise schon gelieferten Baracken nicht zufriedengeben. Es entstand die Idee, Notkirchen zu errichten die im Gegensatz zu den Baracken nicht zufrieden geben. Es entstand die Idee, Notkirchen zu errichten, die im Gegensatz zu den Baracken vier Kriterien erfüllen sollten3:

1. Die Kirchen sollten dem Bedarf einer Großstadtgemeinde gewachsen sein; die Baracken jedoch hatten einen Fassungsraum von höchstens 200 Personen und konnten dieser Forderung damit nicht entsprechen.

2. Der Bau der Kirche sollte Anhaltspunkte geben, die Bereitschaft der Selbsthilfe in der Gemeinde zu fördern bzw., wenn nicht vorhanden, so zumindest zu wecken. Das Aufstellen der Baracken aber hätte die Gemeinde zur Passivität verurteilt.

3. Für die Errichtung der Kirchen sollte das reichlich vorhandene Trümmermaterial verwendet werden, die Steine zerstörter Gotteshäuser.4

4. Das Hilfswerk sah in der Kurzlebigkeit der Baracken eine verschleierte Verteuerung. Die Notkirchen hingegen sollten bedeutend langlebiger sein, ein Argument, mit dem man auch die Kostensteigerung für die Spender rechtfertigen wollte.5

Otto Bartning wurde vom Leiter des Hilfswerks, Eugen Gerstenmaier, gebeten, einen Notkirchen-Entwurf zu konzipieren, der diesen Überlegungen Rechnung trug. Der Entwurf war 1946 fertig gestellt und wurde den Spendern vom Hilfswerk präsentiert. Er war so überzeugend, dass man von den Barackenspenden völlig absah und stattdessen 48 Notkirchen in allen vier Zonen Deutschlands errichten ließ; 30 davon wurden vom Lutherischen Weltbund gespendet.6

 

Individualität und Serie

Bartning hatte ein Typenprogramm entwickelt, das sich einerseits industriell herrstellen ließ und andererseits ortsbezogen war. Vier Variationen standen den Gemeinden zur Auswahl:

  1. Typ A mit gemauertem Altarraum und 440 Sitzplätzen,

  2. Typ B ebenfalls mit gemauertem Altarraum und 480 Sitzplätzen,

  3. Typ B mit polygonalem Altarraum und 500 Sitzplätzen und

  4. Typ B ohne gesonderten Altarraum mit 350 Sitzplätzen.7

Die Typen unterschieden sich aber nicht nur in der Gestaltung des Altarraums und der Anzahl der Sitzplätze. Auch die Anordnungen des Gestühls variierte; bei den beiden kleineren Kirchen war ein Umgang vorgesehen, der sich beim Typ A in den Seitenschiffen befindet, während bei den beiden Kirchen mit größerer Platzanzahl das Gestühl bis an die Seitenwände reicht und durch einen Mittelgang in zwei Hälften geteilt ist. Alle vier Typen waren mit einer Orgelempore ausgestattet. Unter der Empore war, außer bei der kleinsten Kirche, ein abtrennbarer Gemeindesaal vorgesehen. Hier wurde die Idee von der Einheit von Kirche und Gemeindesaal wieder aufgenommen, ein Konzept, das in diesem Fall natürlich auch der Forderung nach einer möglichst Kosten sparenden Bauweise entgegenkam.

Das Typenprogramm wurde nicht von allen Gemeinden starr übernommen. So wurde z.B. in Münster eine Kirche nach Typ B mit polygonalem Altarraum errichtet und zusätzlich ein Seitenschiff angefügt.8 Das Programm ließ also durchaus Abweichungen zu; so konnte jede Gemeinde „ihre“ Notkirche den jeweiligen Wünschen, Erfordernissen und finanziellen Möglichkeiten anpassen.

Die Konstruktion besteht aus Holz und wurde serienmäßig hergestellt, dann an den entsprechenden Bauort geliefert.9 Die Dachbinder wurden aus Bohlen zusammengenagelt.10 Die ebenfalls serienmäßig hergestellten Dachtafeln sollten zugleich Wetterschutz, Wärmehaltung und innere akustische Holzdecke sein.11 Vorgefertigt wurden auch die Empore und das Gestühl, außerdem die Fenster und Türen.12 Das Mauerwerk wird konstruktiv nicht beansprucht und hat ausschließlich die Aufgabe, den Raum zu umschließen. Es konnte deshalb aus beliebigem Material sein und von Laien – also von den Gemeindemitgliedern selbst – ausgeführt werden.13

Die Gemeinde hatte auch für die Herstellung des Fundaments zu sorgen. Es wurde an Ort und Stelle entweder in Eigenarbeit erstellt oder in Auftrag gegeben. Anschließend wurden die angelieferten Dachbinder aufgestellt und im Fundament verankert. Die Pfetten und Dachtafeln konnten ohne Gerüst montiert werden. Insgesamt dauerte die Montage einschließlich der Empore und der Fensterbänder ungefähr drei Wochen.14 Der Zeitraum für die Ausführung des Mauerwerks war vom Arbeitseinsatz der Gemeinde abhängig (Abb. 2). Die einzelnen Arbeitsschritte sind in dem Bändchen über „Die 48 Notkirchen in Deutschland“ fotografisch festgehalten; dort ist auch zu erkennen, dass in diesem Beispiel noch während der Montage der Pfetten bereits mit der Herstellung des Mauerwerks begonnen worden war.15

Bartning sah in der „Verbindung des Typisierten mit dem Individuellen, des Industriell-Transportablen mit dem Ortsgebundenen“ das Wesen dieser Notkirchen.16 Dem festgelegten Typenprogramm und der serienmäßigen Herstellung der Konstruktion und des Gestühls standen die Variationsmöglichkeiten und die Verwendung ortsüblichen Materials für das Mauerwerk gegenüber.

Ortsgebundenheit bestand auch durch die Verwendung der Kirchentrümmer für den Neubau; die emotionale Bindung der Gemeindemitglieder zu ihrem zerstörten Gotteshaus konnte so auf die neue Kirche übertragen werden und ließ diese weniger als Fremdkörper oder schlechten Ersatz erscheinen.

In manchen Fällen wurde die Notkirche auch in das Gemäuer einer zerstörten Kirche integriert. Ein Beispiel dafür ist die Kirche in Hamburg-Hoheluft.

Von dem alten Gotteshaus standen nur noch ein Teil der Außenmauern und der beschädigte Kirchturm. Man entfernte hier die Seitenmauern und stellte die Notkirche zwischen die Apsis und das Portal mit dem Glockenturm17 (Abb. 3).

Die Forderungen des Hilfswerks wurden von den Notkirchen vollkommen erfüllt. Mit einem Kostenaufwand von DM 70.000 bis DM 90.000 waren sie nur annähernd halb so teuer wie eine Kirche der gleichen Größe in üblicher Bauweise und werden auch heute noch, über 50 Jahre nach ihrer Errichtung, genutzt.

 

Die Einfalt und Ehrlichkeit des Zeltes

Wenn auch das Prinzip des Montagebaus und der serienmäßigen Herstellung von Systembauteilen in der Stahlkirche und dem Werfthaus vorgedacht war, so stand die Entwicklung des Notkirchenprogramms natürlich vor einem ganz anderen Hintergrund. Der Bau der Stahlkirche wurde ermöglicht durch neue Konstruktionen und Techniken im Stahlbau; diese Neuerungen sollten nun auf den Kirchenbau angewendet und in ihrer Wirkung erprobt werden, wie z.B. die Auflösung der Wand in eine transparente Glashaut.18 Auch im Werfthaus-System sollte das Potential der neuen Technik ausgeschöpft werden und zu einem neuen Wohnbegriff verhelfen.

Die Notkirchen hingegen entstanden in einer Zeit knapper Mittel. Das Baumaterial musste möglichst preiswert und die Gestaltung rationell sein. Die Verwendung von gewachsenem Holz für die Konstruktion entsprach sicherlich diesen Forderungen, doch entschied sich Bartning noch aus anderen Gründen für diesen Werkstoff. Er begriff ihn als „immer bereit und vertraut“, gefügig wirtschaftlich und konnte seiner Ansicht nach ohne die Hilfe spezialisierter Monteure verarbeitet werden.19 Für das Notkirchenprogramm und dessen Einbeziehung der Arbeitskraft von Laien wollte er die „uralte Erfahrung des Menschen im Umgang mit Holz“ nutzbar machen.20

Der Not und dem Zwang zur Sparsamkeit entsprechend, sollten die Kirchen einfach und ehrlich gebaut sein; dem wurde durch die „rauhe Einfalt der Werkstoffe“ und die einfache Gestalt des Raumes Ausdruck verliehen.21 Die sichtbaren Dachbinder neigen sich einander zu und bilden die Form eines Dreiecks – gleich den zueinander geneigten Stangen des Zeltes.22 So sollte auch die Notkirche ein Zelt sein in der Wüstenei der zerstörten Stadt und der inneren Wüste der in Verlassenheit geratenen Seele.23 Da sie in ihrer Gestaltung die klare Ordnung und Ehrlichkeit der Not und Verwirrung entgegensetzte, deutete Bartning die Notkirche nicht als notdürftigen Behelf, sondern als „neue und gültige Gestaltung aus der Kraft der Not.“24 Ihre Einfachheit stellt er in Beziehung zur freiwilligen Schlichtheit des schwarzen Lutherrocks, die sichtbare Konstruktion aus gewachsenem Holz steht für die unverkleideten Worte und Taten der Gemeinschaft.25

Die – nach Bartning – unübertrefflichen akustischen Eigenschaften des Holzes ermöglichen das „Urerlebnis des Wortes“.26 Es sind keine Lautsprecher notwendig, die die „urmenschliche Begegnung“ zwischen Redner und Zuhörer stören, sondern diese Begegnung muss von beiden Seiten ehrlich geleistet und bestanden werden.27 Für eine Religion, in der das Wort im Mittelpunkt steht, sind diese Eigenschaften mit Sicherheit von großer Bedeutung. Vor dem Hintergrund dieser Gedanken Bartnings erweckt der von der Holzkonstruktion und dem tief ansetzenden Dach beherrschte Innenraum der Notkirche das Bild eines Klangkörpers.

 

Kirchbau statt Wohnungsbau?

Die Beurteilung des Notkirchenprogramms war nicht von allen Seiten positiv. So wurde – durchaus nachvollziehbar – immer wieder kritisiert, warum in Zeiten bitterster Wohnungsnot ein Kirchenbauprojekt realisiert würde.28

Auf dem Gebiet der Bundesrepublik waren 2,5 Millionen Wohnungen zerstört und mussten neu gebaut werden. Darüber hinaus wurden durch den Zuzug der Vertriebenen weitere zwei Millionen Wohnungen benötigt.29 Inmitten dieses Mangels ließ das Hilfswerk Geld und Material für den Kirchenbau aufwenden. Den Kritikern wurde entgegengehalten, dass zum einen die aus dem Hilfswerk hervorgegangene „Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft“ seit 1946 eine große Zahl an Flüchtlingssiedlungen gebaut habe; dass man andererseits aber dabei wieder auf das „menschliche Problem“ gestoßen sei, das allen anderen voranstehe. Die neue Wohnung würde den neuen Menschen mit einfacher, aufrichtiger Lebenshaltung brauchen, ohne den sie nur tote Schale bleibt. Da die Notkirche aber diesem neuen Menschen Sammlung und Ausdruck geben wolle, sei sie Teil des Wohnungsbauprogrammes.30 Darüber hinaus betonte das Hilfswerk, dass kaum ein Prozent aller Baumittel für den Kirchenbau aufgewendet würden.31

Allen Kritiken zum Trotz wurde das Notkirchenprogramm ein großer Erfolg: man sah darin ein Beispiel für „nicht-entfremdete“ Architektur und ein Symbol für einen hoffnungsvollen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.32

 

Die Bartning-Kirche in Bochum Hamme

Der Kirchbau33

Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl die Kirche als auch die Gemeindehäuser der evangelischen Gemeinde in Hamme zerstört. Während die Kirche an der Von-der-Recke-Straße gestanden hatte, befand sich eines der Gemeindehäuser auf einem Grundstück an der Amtsstraße.

Im April 1948 erhielt die Gemeinde die Nachricht, dass ihr von der Evangelical and Reformed Church of USA eine Notkirche gespendet werden sollte.34 Das Angebot wurde angenommen. Allerdings wollte man die Kirche nicht freistehend errichten, sondern plante eine Kombination mit einem Gemeindehaus, dessen Fassadengestaltung an die des zerstörten Gebäudes angelehnt war. Da der Architekt, der den Bau betreuen sollte, für diesen Entwurf kein Verständnis hatte, wandte sich der damalige Gemeindepfarrer, Reinhard Freese, für die Beratung direkt an Otto Bartning.35

Nach der Beseitigung der Trümmer, wurde im September 1949 mit den Bauarbeiten begonnen.36 Dabei arbeitete man gleichzeitig an der Kirche und am Gemeindehaus (Abb. 4). Die Fertigteile wurden im Januar 1950 geliefert, konnten aber wegen einsetzenden Frostes nicht sofort aufgestellt werden; dadurch verzögerten sich die Bauarbeiten um zwei Monate.37 Am 30. April 1950 konnte die Kirche geweiht werden.38

Die Notkirche erhielt einen polygonalen Altarraum entsprechend des Typenprogramms. Die Hammer Gemeinde hatte diesbezüglich keine Wahlmöglichkeiten; die Kirche war bereits in Fertigung, da sie ursprünglich für eine andere Gemeinde bestimmt war, die dann aber absagte.39 Da der Platz hinter dem Gemeindehaus sehr begrenzt war, ließ man ein Joch weniger errichten, als im Typenprogramm vorgesehen.40 Für das Mauerwerk verwendete man die Steine des alten Gemeindehauses, die auf den Vorschlag Bartnings hin im „polnischen Verband“ gemauert wurden; dadurch sollte die Innenwand lebendig wirken.41 Von außen wurde die Mauer allerdings verputzt. Die gemauerte Rückwand oberhalb der Empore wurde weiß getüncht.42

 

Der Kircheninnenraum

Die Kanzel und die Balustrade neben den Stufen zum Altarbereich sind aus Ziegelsteinen gemauert, ebenso die beiden Sockel des Altars, auf denen eine Holzplatte liegt.

Das Altarkreuz besteht aus zwei „geschlichteten“ Holzbalken; es wurde von einem Zimmerermeister aus der Gemeinde hergestellt; an diesem Holzkreuz ist ein Kreuz aus zwei Zimmermannsnägeln angebracht, die aus dem verbrannten Dachstuhl der Kathedrale von Coventry stammen.43 Die Gemeinde erhielt dieses Nagelkreuz zum Geschenk, gehört aber nicht der Nagelkreuzgemeinschaft an.44

Die Fensterbänder im Bereich des Altarraums bestehen – im Gegensatz zu den übrigen Fenstern – aus farbig bemalten Scheiben mit Querstreben, die angeblich aufgeklebt sind.

An den Bindern wurden die im Programm vorgesehenen Lampen angebracht. Die vier Liednummernhalter, die ebenfalls an den Bindern angebracht wurden, stammen aus der zerstörten Kirche in Hamme.45

An der Kirchenrückwand wurden abnehmbare Sperrholzplatten angebracht, so dass die Kirche bei Bedarf durch Einbeziehung des Gemeindesaals vergrößert werden konnte.46 Der im Notkirchenprogramm als Gemeindesaal vorgesehene abtrennbare Raum unter der Empore wurde mit Gestühl versehen, da im Gemeindehaus selbst genügend Platz zur Verfügung stand.

 

Nachträgliche Veränderungen

Anfang der neunziger Jahre ließ man in der Bartning-Kirche Hängelampen mit Kupferschirmen anbringen, da das Licht der Originallampen als zu schwach empfunden wurde. Die gleichen Kupferlampen waren kurze Zeit vorher in der Dortmunder Notkirche installiert worden, worauf sich nach einer Besichtigung in Dortmund auch die Bochumer Gemeinde für dieses Modell entschied.47 Die alten Lampen wurden aber nicht abmontiert, sondern lediglich abgeklemmt und sind noch voll funktionsfähig. Ende der achtziger Jahre wurden die Sperrholzplatten an der Kirchenrückwand entfernt und Schränke eingebaut.48 Die getünchte Wand oberhalb der Empore wurde mit Holz verkleidet.

 

Schluss

Eine Notkirche zu finden, ist nicht einfach. Ihr schlichtes Äußeres und ihre Höhe, die ungefähr der eines zweistöckigen Wohnhauses entspricht, verbergen dem Vorbeigehenden den sakralen Charakter des Gebäudes, es sein denn, die Gemeinde ließe später einen Glockenturm hinzufügen. Das Stadtbild prägen können diese Kirchen jedenfalls nicht. Als sie gebaut wurden, standen sie oftmals frei, umgeben höchstens von Trümmern. In ihrer zurückhaltenden Gestaltung waren sie den Umständen der Zeit angepasst.

Bartning schien mit seinen Notkirchen wieder an die Anfänge alter Bautätigkeit gegangen zu sein. Seine Gotteshäuser glichen einer einfachen Hütte, in der der Eintretende Schutz vor der zerstörten Umwelt suchen und unter dem dunklen Holzdach so etwas wie Nestwärme empfinden konnte. Hier sollte nichts vom Eigentlichen des Gottesdienstes ablenken; durch die Schlichtheit des Raumes wurde die Gemeinde auf sich selbst konzentriert.

Es ist erstaunlich, dass sich diese, in den Jahren der Entbehrungen entworfenen Gebäude, über die Zeit des Wirtschaftswunders und der Fortschrittsgläubigkeit hinüberretten ließen. Selbst die Pfarrer, in deren Gemeinde eine Notkirche aufgestellt wurde, schienen oft zumindest anfangs noch von einer Übergangslösung ausgegangen zu sein. So berichtet Reinhard Freese, der damalige Gemeindepfarrer in Bochum-Hamme, er habe im persönlichen Gespräch mit Bartning gelernt, diesen Bau aus Fertigteilen als eine vollgültige Lösung der Aufgabe eines Baus einer Gemeindekirche zu sehen. Durch diese Überzeugungsarbeit wiederum konnte Bartning erreichen, dass auch die Gemeindemitglieder seinen Entwurf annahmen.

Inwieweit ihm das auch bei den restlichen 47 Gemeinden gelungen ist, müsste im Einzelfall überprüft werden. Es wäre sicher aufschlussreich, die Notkirchen in ihrem heutigen Zustand miteinander zu vergleichen.

 

1 Paul Girkon, Die Stahlkirche. Evangelischer Kultbau auf der Pressa Köln, Berlin o.J.

2 Jürgen Bredow/Helmut Lerch, Materialien zum Werk des Architekten Otto Bartning, Darmstadt 1983, S. 124.

3 Vgl. Die 48 Notkirchen, Heidelberg 1949, nicht paginiert.

4 Vgl. Willy Weyers/Otto Bartning (Hrsg.), Kirchen. Handbuch für den Kirchenbau, München 1959, S. 316; dort wird ausdrücklich von „Kirchentrümmern“ gesprochen.

5 Vgl. Die 48 Notkirchen.

6 Ebd.

7 Bredow/Lerch, Bartning, S. 124.

8 Weyers/Bartning, Kirchen, S. 317.

9 Die 48 Notkirchen.

10 Bredow/Lerch, Bartning, S. 124.

11 Ebd.

12 Die 48 Notkirchen.

13 Bredow/Lerch, Bartnimg, S. 124.

14 Die 48 Notkirchen.

15 Ebd.

16 Ebd.

17 Bredow/Lerch, Bartning, S. 75.

18 Ebd., S. 63 f.

19 Otto Bartning, Liebe zum Holz, in: ders., Spannweite. Baukunst des 20. Jahrhunderts, Bd. 1, Bramsche 1958, S. 55-62, hier S. 60.

20 Ebd., S. 61.

21 Die 48 Notkirchen.

22 Vgl. Bartning, Holz, S. 59.

23 Die 48 Notkirchen.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 Bartning, Holz, S. 61.

27 Ebd.

28 Die 48 Notkirchen.

29 Klaus von Beyme, Der Wiederaufbau. Architektur und Städtebaupolitik in beiden deutschen Staaten, München 1987, S. 120.

30 Die 48 Notkirchen.

31 Ebd.

32 Bredow/Lerch, Bartning, S. 75.

33 Die folgenden Angaben verdanke ich zum einen der mündlichen Information von Herrn Pfarrer Labusch von der evangelischen Gemeinde Bochum-Hamme, zum anderen der schriftlichen Auskunft von Herrn Dr. Reinhrd Freese in Bremen, der zum Zeitpunkt des Kirchenbaus in Hamme dort als Gemeindepfarrer tätig war.

34 Veranstaltungsprogramm anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bartning-Kirche.

35 Freese.

36 Veranstaltungsprogramm.

37 Freese.

38 Veranstaltungsprogramm.

39 Freese.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Labusch.

43 Freese.

44 Labusch.

45 Ebd.

46 Ebd.

47 Ebd.

48 Ebd.

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 12, Dezember 2002

 

Herausgeber:

Dr. Dietmar Bleidick

Yorckstraße 16,44789 Bochum

Tel.: 0234/335406

e-mail: dietmar.bleidick@ruhr-uni-

bochum.de

für die

Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.

Vereinigung für Heimatkunde,

Stadtgeschichte und Denkmalschutz

Graf-Engelbert-Straße 18

44791 Bochum

Tel. 0234/581480

e-mail: Kortum.eV@web.de

 

Redaktion:

Dr. Dietmar Bleidick, Peter Kracht

Redaktionsschluss:

jeweils 15. April und 15. Oktober

 

Druck:

A. Budde GmbH

Berliner Platz 6 a, 44623 Herne

 

Verlag:

Peter Kracht •> Verlag

Limbeckstraße 24

44894 Bochum

Tel.: 0234/263327

e-mail: kracht.verlag@t-online.de

 

ISSN 0940-5453