Richard Sprick als Bochumer

Künstler der 20er/30er Jahre

 

Clemens Kreuzer

 

Wenn sich ein Bildender Künstler mit der Darstellung von Szenen aus Theater und Musik befasst und damit zugleich historische Situationen dokumentiert, ist das ein kulturgeschichtlich besonders spannender Sachverhalt. In Bochum verbindet er sich mit Richard Sprick, Kunstlehrer an der Goetheschule von 1927 bis 1943 und zugleich über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Maler und Zeichner, den der Westfalenspiegel später als „einen der bedeutendsten Künstler Westfalens“ bezeichnete.1 Mehrere hundert Zeichnungen hat Sprick damals zur Thea­ter- und Musikszene geschaffen. Soweit sie sich auf Bochum bezogen und noch verfügbar waren, wurden sie inzwischen von der Sparkassenstiftung aus seinem Nachlass erworben und dem Stadtarchiv als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Dass Spricks Schaffen aber noch weit über dieses Genre hinaus reicht, ist auch in Bochumer Ausstellungen wiederholt belegt worden.2

 

Vom Expressionismus zum Realismus – Berliner Jahre und ihre Wirkungen

Der 1901 als Nachkomme einer alten lippischen Bauernfamilie in Herford geborene Richard Sprick3, der im Anschluss an seine Gymnasialzeit in den Jahren 1919/20 die Malerklasse der Kunstgewerbeschule Bielefeld besuchte und dann von 1920 bis 1922 an der Kasseler Kunstakademie studierte4, begann seinen künstlerischen Weg in jenen Jahren nach dem 1. Weltkrieg, in denen der Expressionismus noch einmal kurz in einer Spätphase aufblühte, um dann vor allem den verschiedenen Spielarten des Realismus der 20er Jahre5, Platz zu machen. In diese Kunstströmungen geriet auch der junge Sprick zunächst, zumal es ihn nach beendetem Studium und einem anschließenden Jahr als Lehramtskandidat für den Kunstunterricht6 – es endete im September 1923 – nach Berlin zog, in das Zentrum der künstlerischen Umbrüche jener Zeit.

In Berlin habe ich auch einmal wild gemalt, ich bin durch den Expressionismus gegangen“, sagte der Künstler Jahrzehnte später selbst über die Anfangszeit seines künstlerischen Wirkens7, wobei seine Wortwahl erkennen lässt, dass er diese Phase als Durchgangsstadium wertete.

Schon bald fand der junge Künstler zu Ausdrucksformen jenes neuen Realismus, der in den 20er Jahren „als Gegenbewegung zu Expressionismus, Abstraktion und Ungegenständlichkeit wieder eine realistische Malweise etablierte“8. Die realistisch-gegenständliche Darstellungsweise war damals jedoch nur äußerliche Gemeinsamkeit, hinter der sich unterschiedliche Denkansätze und Absichten verbargen. Schon die berühmte Mannheimer Ausstellung von 1925 zur Kunst der „Neuen Sachlichkeit“ unterschied zwischen den Veristen und den Klassisten. Erstere waren „die politisch und weltanschaulich engagierten Maler, die Ankläger und Rebellen“, letztere „die Romantiker, die Maler der Stilleben und Idylle“, wobei sich in beiden Richtungen „der Mensch im Mittelpunkt der Darstellung befindet“9. In dem bildnerischen Werk, das Richard Sprick in den 20er und beginnenden 30er Jahren im Stil des neuen Realismus geschaffen hat, finden sich klassistische wie auch veristische Tendenzen.

Einige seiner Bilder, die geradezu prototypisch für die Malerei der „Neuen Sachlichkeit“ in ihrer klaren und nüchternen Linienführung und ihrer kühlen Formenstrenge sind, haben die Zeiten überdauert: Vor allem zwei seiner frühen Selbstbildnisse gehören hierher: Eines, mit dem sich der junge Künstler 1920 in ernsten, strengen Zügen mit dem Malerpinsel in der Hand darstellte, „in den Augen, um den Mund einen fast fanatischen Ausdruck kritischer Reflexion“10, und dann das 1927 entstandene „Selbstbildnis mit grüner Flasche“11, eine Kombination von Selbstdarstellung und Stilleben, wie sie in der Ikonographie der Neuen Sachlichkeit, die den Menschen gern „als Teil eines Stillebens absichtsloser Gegenstände“12 präsentierte, nicht ungewöhnlich ist.

Dass Richard Sprick im Metier der Neuen Sachlichkeit künstlerisches Format besaß, fand noch 60 Jahre später seine Bestätigung durch eine der großen Kunstadressen Europas: das Londoner Auktionshaus Christie´s. Es bemühte sich 1985 – Sprick war da schon lange tot – um sein 1922 in diesem Stil und einer für den Künstler geradezu extravaganten Farbwelt gemaltes Bild „Kaffeehaus“. Christie´s publizierte es auf der Titelseite des Auktionskatalogs „Impressionist and modern Paintings and Sculpture“ und versteigerte es schließlich für 52.000 DM an eine Schweizer Familienstiftung.13

Von veristischen Tendenzen beeinflusst war wohl eine Reihe von Bildern, die Richard Sprick ab Mit­te der 20er bis in die 30er Jahre hinein mit sozial ambitionierten, manchmal auch gesellschaftskritischen Akzenten geschaffen hat. Sie werden im Zusammenhang mit seiner Bochumer Zeit noch näher darzustellen sein, denn in dieser Phase seines Lebens sind sie größtenteils entstanden. Ihre Wurzeln dürften aber auf Berliner Eindrücke zurückgehen. Zwar ist die in biografischen Angaben über Sprick gelegentlich publizierte Berliner Bekanntschaft mit Otto Dix eher unwahrscheinlich14, doch dass er dessen Kunst und dem Schaffen anderer Veristen in Berlin begegnete, dürfte sicher sein15.

Neuerdings zählt man Richard Sprick zu den Vertretern des „Expressiven Realismus“, einer Kunstströmung in der deutschen Malerei, die nach einer grundlegenden Arbeit des Kunsthistorikers Rainer Zimmermann die Leistungen der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geborenen, ab Mitte der 20er Jahre schöpferisch tätigen Künstler als einer „verschollenen Generation“ beschreibt16, weil er in ihr eine nicht oder unzureichend beachtete Künstlergeneration sieht. Zimmermann selbst formulierte später die „Kernthese“ seines Buches so: „Seit etwa 1925 tritt in der deutschen Bildkunst ein neuer Realismus in Erscheinung, der sich vom Realismus des 19. Jahrhundert radikal unterscheidet. Es ist ein Realismus, der grundlegende Errungenschaften der Moderne – und das heißt in Deutschland im wesentlichen des Expressionismus – verarbeitet.“17 Ob sich Zimmermanns These vom Expressiven Realismus, die Zustimmung und Widerspruch erfuhr18, durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.19

In seiner 1980 erschienenen Grundlegung dieser These20, die u.a. Otto Dix, Conrad Felixmüller und Hans Theo Richter sowie aus dem rheinisch-westfälischen Raum Peter August Böckstiegel, Helmut Macke, Otto Pankok und Eberhard Viegener in den Expressiven Realismus einordnet, aber auch zahl­reiche nur regional bekannte Künstler, kommt Sprick noch nicht vor. Doch in der 1994 erschienenen erweiterten Neuausgabe des Werkes, die viele weitere Künstler einbezieht, befindet sich unter den Kurzbiografien der Maler des Expressiven Realismus auch Richard Sprick.21 Schon zwei Jahre vorher hatte ihn die vom Kunstverein Südsauerland in Olpe präsentierte Ausstellung „Expressiver Realismus“ als einen der westfälischen Vertreter dieser Richtung bezeichnet und mit ausgestellt.22 „Eine überraschende Harmonie von Realismus und Expressivem“ wurde in Spricks sozial ambitionierten Bildern allerdings schon ein halbes Jahrhundert vor der „Entdeckung“ dieser Kunstrichtung durch Zimmermann erkannt.23

 

Zum Meister des Landschaftsbildes – Spricks Worpsweder Jahre

Zu einer persönlichen wie künstlerischen Zäsur in Spricks Leben wurde sein Besuch der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen im Jahre 1924. Zufällig traf er dort eine Bekannte aus seiner Kasseler Studienzeit wieder, die Metallkünstlerin Lotte Heidelbach. Sie hatte in den von dem Bildhauer Bernhard Hoetger24gegründeten Worpsweder Kunsthütten die Metallwerkstatt übernommen und war dort als freischaffende Künstlerin tätig.25 Sprick zog im folgenden Jahr nach Worpswede, wo er als freischaffender Künstler arbeitete und u.a. Zeichnungen von Möbelentwürfen für Hoetger schuf.26 Im Jahre 1926 heiratete er Lotte Heidelbach.

Der Wechsel aus dem großstädtisch-grellen Berlin in die beschauliche niederdeutsche Künstlersiedlung führte Sprick zu einem neuen Schaffensakzent: In der stillen Heide- und Moorlandschaft um Worpswede fand er zu jener Landschaftsmalerei, die ein Schwerpunkt seiner Arbeit in seinem weiteren Leben werden sollte. Die Worpsweder Jahre waren für den Künstler, so ist 1927 in der im Ruhrgebiet erschienenen Kunstzeitschrift „Hellweg“ zu lesen, „frisches Hineintauchen in die Natur, in eine wunderbar einsame, rätselhafte, unverbrauchte Landschaft mit seltsamen Menschen und einem ewig veränderlichen Himmel voller Überraschungen, der den Dingen tausend Gestalten zu geben vermochte (....). So schuf er eine ganze Mappe landschaftlicher Motive, über die das düstere Moor seine Schatten breitete.“27

In Worpswede konnte er 1926 seine Kunst in ersten Ausstellungen präsentieren28, dann ebenso - zusammen mit anderen Worpsweder Künstlern - in der Kunsthalle Bremen und 1927 im Augusteum Oldenburg29. Ab 1926 war er auch in allen großen Kunstausstellungen Westfalens präsent30, wo es ihn offenbar wieder hinzog. Doch als Worpsweder galt er auch noch, als er die Künstlerkolonie, in der er bis Anfang 1927 blieb, längst verlassen hatte. Das war 1931 so, als die Berliner Ausstellung „Worps­wede gestern und heute“ neben den berühmten Worpswedern der vorausgegangenen Jahrhundertwen­de – von Fritz Mackensen über Heinrich Vogeler bis Paula Modersohn-Becker – auch die jungen der 20er Jahre – unter ihnen Richard Sprick – zeigte.31 Das galt selbst noch 1989, als die Jubiläumsausstel­lung zum 100jährigen Bestehen der Künstlerkolonie mehrere Sprick-Gemälde, darunter die 1926 ent­standenen Bilder „Torfstich“ und „Worpsweder Landschaft im Gewitter“ aufnahm. Das zur Ausstellung erschienene Begleitbuch rühmt diese Landschaftsstudien ob ihrer „ungewöhnlich impulsiven Handschrift und expressiven Farbgewalt“ und berichtet von Spricks „virtuoser Expressivität“.32

Seit Worpswede haben die Landschaften den Maler und Zeichner Richard Sprick – das ist in allen sei­nen Ausstellungen vielfach belegt – künstlerisch besonders herausgefordert. Nach dem niedersächsischen Heide- und Moorland um Worpswede bestimmten in den folgenden Jahren die Nord- und Ostseeküste, vor allem die Kurische Nehrung Ostpreußens, dann auch die Fjorde Skandinaviens und im­mer wieder Landschaften des von ihm besonders geliebten Schweden seine Bildmotive. Später, nach dem 2. Weltkrieg, faszinierten ihn stärker die Landschaften des europäischen Südens, insbesondere Italiens, Spaniens und Griechenlands.

Spricks Landschaftsmalerei, obwohl im Gegenständlichen verhaftet33, ist weit mehr als naturalistische Abbildung, sie vermittelt Atmosphäre. Der Betrachter „spürt die mittägliche Stille in sonnendurchglühter, weißer Stadt des Südens so hautnah, wie das prickelnde Flair eines französischen Bistros, den salzigen Wind über schwedischen Schären“, schwärmte die Bochumer Feuilletonistin Dr. Gertraude Uhlhorn 1983 und weiter: „Ein Meister der Bildkomposition mit eher spröden und zarten, als leuchtenden und niemals grellen Farben gestaltend, wusste Sprick die widersprüchlichen Stimmungen von Jahreszeiten und Landstrichen zum Leuchten und Klingen zu bringen.“34

Neben Motiven aus dem europäischen Norden, Süden und Westen hat der Künstler immer auch die Landschaften seiner jeweiligen Heimat festgehalten: Nach den Moor- und Heidelandschaften Worps­wedes in der sich anschließenden Bochumer Zeit auch die Industrielandschaften des Ruhrgebiets35 und schließlich die Naturlandschaften seiner lippischen Heimat, in die er 1943 zurückkehrte.

 

Pressezeichner der Theaterkunst – Bochumer Jahre mit dem Zeichenstift

Für Richard Sprick war auch das menschliche Antlitz eine Landschaft, die er mit hoher künstlerischer Sensibilität zu ergründen wusste. Schon in Worpswede hatte er, nachdem sich diese seine besondere Begabung herumsprach, häufig Porträtaufträge erhalten.36

Später, als 52jähriger, schätzte der Künstler, dass er im Laufe der vorausgegangenen Lebensjahre wohl an die tausend Porträts gemalt oder gezeichnet habe.37 Danach entstanden weitere. Viele zeigen berühmte Zeitgenossen: Schon 1929 porträtierte er in Oslo einen seiner ganz großen Malerkollegen, den Norweger Edvard Munch.38 Zu den Berühmtheiten, die er in den folgenden Jahren mit Zeichenstift oder Kohle, seltener mit dem Malerpinsel, festhielt, gehörten der Asienforscher Sven Hedin, der Schriftsteller Gerhard Hauptmann, der Dirigent Wilhelm Furtwängler, der Komponist Richard Strauß und später – nach dem 2. Weltkrieg und der Bochumer Zeit – der Schriftsteller Heinrich Böll, der Bundespräsident Theodor Heuss (nach seiner Amtszeit), die nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Franz Meyers und Fritz Steinhoff.

Über Gustav Gründgens, Heinrich George und Tilla Durieux hinaus zeichnete er ungezählte Stars von jenen „Brettern, die die Welt bedeuten“.39 Das Bochumer Schauspielhaus hatte Ende der 20er Jahre diesen neuen motivischen Schwerpunkt in Spricks Oeuvre aufblühen lassen: das Schauspielerantlitz, die Theaterbühne, Szenen der Darstellenden Kunst.

Im Mai 1927 war Richard Sprick nach Bochum gekommen, wo er eine Anstellung als Zeichenlehrer an der Goetheschule erhalten hatte. Seine Schüler schilderten ihn später als lockeren Typ, „immer flott und leger gekleidet und ebenso flott und leger in seiner Ausdrucksweise“40, der gelegentlich zum Gaudi seiner Schüler mit ebenso flottem Strich diesen oder jenen markanten Kopf aus der Klasse oder den einen oder anderen Lehrer des Kollegiums – auch sich selbst – treffsicher karikierte. 41 Schon in Worpswede hatte er auch „eine Reihe exzellenter Künstlerkarikaturen“ geschaffen.42

Dass es ihn aus der Schönheit der Worpsweder Heide- und Moorlandschaft ausgerechnet in das indus­trielle Zentrum des westfälischen Ruhrgebiets zog, führt seine Tochter Karen Kestermann noch heute auf den Reiz des damals unter Saladin Schmitt aufblühenden Bochumer Theaters zurück.43 Tatsächlich wurde die Bühne der neuen Heimatstadt zu Spricks künstlerischer „Liebe auf den ersten Blick“. Im Mai 1927 zog er nach Bochum, im Juni veranstaltete Saladin Schmitt seine erste „Deutsche Shakespeare-Woche“ mit sämtlichen Königsdramen des Elisabethaners44und Ende Oktober erregte Sprick Aufsehen mit dem Ölbild „Gerhard Meinecke als Richard III.“, das der Bochum-Gelsenkirchener Künstlerbund in seiner Ausstellung in der Städtischen Gemäldegalerie (Villa Nora) zeigte.45 „Das Dämonische dieses düsteren Genies“, schrieb eine Zeitung, „das Meinecke auf der Bühne mit so überzeugender Wucht darzustellen gelang, ist hier in Auge und Haltung in seiner ganzen Kraft festgehalten“.46

Richard Sprick hat Gerhard Meinecke und den anderen Star des Bochumer Vorkriegstheaters, Horst Caspar, in den folgenden Jahren immer wieder dargestellt47: Gerhard Meinecke als Mephisto, als Julius Cäsar, als Titus Andronicus, als der alte Grunert, als Robert Guiskard. Horst Caspar als Hamlet, als Richard II., als Tasso, als Romeo, als Prinz von Bühne, vom Intendanten Saladin Schmitt bis zu der Bochumer Theaterlegende Liesel Alex, hat er zeichnerisch festgehalten, im Portrait, im Bühneneinsatz, im Szenenbild. Nicht ganz so zahlreich sind seine Zeichnungen aus der örtlichen Musikwelt: Dirigenten am Pult, Studien von Musikinterpreten und Orchestergruppen beim Spiel.

Der größte Teil dieses Genres, der neben seinem künstlerischen Wert ein Stück Bochumer Kulturgeschichte dokumentiert, liegt im Bochumer Stadtarchiv: Rund 130 Bilder von den Exponenten des Bo­chumer Theater- und Musiklebens der 30er Jahre, darunter die zeichnerische Dokumentation der Kleist-Festwoche von 1936, der 2. Deutschen Shakespeare-Woche 1937, der Hebbelwoche 1939.

Manche seiner Zeichnungen sind natürlich unter dem Zeitdruck entstanden, dem sich ein „Pressezeichner“ – so bezeichnete sich Sprick in diesem Metier auf seinen Visitenkarten selbst – aus Gründen der Tagesaktualität zu unterwerfen hatte, vieles aber ist anspruchsvolle Kunst und alles zusammen vermittelt über die nüchterne Dokumentation einer historischen Bühnenepoche hinaus auch eini­ges von dem Glanz des Bochumer Schauspielhauses in seinen ersten beiden Jahrzehnten. „Die große Zeit der Bochumer Bühne unter Saladin Schmitt gab Richard Sprick ganz besondere künstlerische Im­pulse“, fand der „Westfalenspiegel“ noch Jahrzehnte später in einer Würdigung des Künstlers: „Hier hat er dem magischen Raum der Bühne eigenwillige Seiten abgewonnen, indem er in den Mittelpunkt der Bilder stets den Menschen, den Darsteller rückte, und zwar im Sinne des Hebbelwortes‚ Packe den Menschen, Tragödie“.48

Kein Wunder, dass die zeichnerische „Theaterarbeit“ im Bochumer Schauspielhaus dem Künstler bald auch überregionale Aufträge dieses Genres brachte: Darstellungen von Theater- und Musikereig­nissen in anderen Städten bis hin zu den Bayreuther Festspielen 1933 und den Salzburger Festspielen 1938, wo er jeweils die Großen der Opernbühne und der Musik mit dem Zeichenstift festhielt.49

Spricks künstlerische Beziehung zum Bochumer Theater ging zu Ende, als die Bomben des 2. Weltkriegs 1943 seine Wohnung zerstörten und er deshalb in seine lippische Heimat zog. Zwei Jahrzehnte später hat er dort noch einmal an seine Bochumer „Theaterzeit“ angeknüpft: Als 1964 die in Bochum ansässige Deutsche Shakespeare-Gesellschaft West ein Buch zum hundertjährigen Bestehen der Shakespeare-Gesellschaft50 herausgab, illustrierte er es mit zahlreichen Porträtskizzen derjenigen, die in der Geschichte dieser Gesellschaft Bedeutung hatten. Aus Bochum selbst skizzierte er die Intendanten Saladin Schmitt und Hans Schalla, aber auch den langjährigen Kulturausschussvorsitzenden Dr. Leo Diekamp, der den organisatorischen Wiederaufbau der Shakespeare-Gesellschaft nach dem Kriege be­trieben hatte und dann viele Jahre Vorsitzender ihres Geschäftsführenden Ausschusses war.51

 

Sozial ambitionierte Bildkunst aus Bochum

So reizvoll Spricks Theaterzeichnungen als künstlerisches und kulturgeschichtliches Erbe für Bochum auch sind, ein anderes Genre seiner hier entstandenen Arbeiten dürfte künstlerisch von größerer Bedeutung sein: jene sozial ambitionierten und manchmal auch tendenziell gesellschaftskritischen Bilder, mit denen er – wie in den Ausführungen über seine Berliner Zeit bereits angedeutet – wohl Eindrücke des dortigen Verismus aufgenommen und verarbeitet hat. Jedenfalls handelte es sich um Bilder, in denen Bettler, Leidende, Sterbende, Großstadtmotive in eindringlicher Weise wiedergegeben sind, also typische Beispiele der veristischen Ikonographie, zumindest aber jenes kritischen Realismus, in den der Verismus Anfang der 30er Jahre teilweise mündete.52

Mit ihnen hat Sprick im Kunstschaffen seiner ersten Bochumer Jahre einen Akzent gesetzt, der quantitativ mit dem guten Dutzend heute noch bekannter Arbeiten53 in seinem Oeuvre nahezu bedeutungslos erscheint, aber künstlerisch zu dem Eindrucksvollsten gehört, das er schuf. Wenn später geschrieben wurde, dass er zwar nicht an dem Schönen vorbeigehen konnte, ohne es zu malen, aber nur selten das Problematische habe deuten wollen54, dann stimmt diese Einschränkung mindestens für die Zeit von 1926 bis 1933 nicht. In ihr ist sein Werk von einer starken sozialen Komponente geprägt.

Am Anfang seiner sozial ambitionierten und gesellschaftskritischen Arbeiten steht das eindrucksvolle Bild „Der Bettler“, das er 1927 malte, ob schon in Bochum oder noch in Worpswede, ist nicht mit Si­cherheit festzustellen.55 Es zeigt im Vordergrund eine entstellte Bettlerfigur, dahinter Vertreter einer offenkundig distanzierten „High Society“ der 20er Jahre.

Ein Pedant dazu könnte der„Mann im Smoking“ (1927) sein.56 Danach entstanden Bilder mit dem Titel „Sterbender Knabe“ (1928), „Verfolgt“ (1928), „Barmherziger Samariter“, „Lebensschwere“ (1929), „Bittender“, „Schlafender Jude“ (beide Ende der 20er Jahre), „Betender Bauer“ (1930)57, „Sterbende Alte“ (1931). Einige andere Arbeiten jener Zeit lassen verhaltene Gesellschaftskritik erkennen, etwa das Bild „Debatte“ (1927)58, das eine offenkundig politisierende Stammtischrunde vorführt, oder der stilgleiche „Zeitungsleser“ (1931)59, die Arbeit „Großstadtmenschen“, vor allem aber das im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung entstandene Bild „Der Prophet“ (1933), eine eindrucksvolle Gestalt, deren mahnender Gestus die prophetische Sicht aufziehenden Unheils auszudrücken scheint.

Als die Städtische Gemäldegalerie Bochum Richard Sprick im November 1930 zusammen mit dem Rheinländer Walter Ophei und dem Dortmunder Vagabundenkünstler Hans Tombrock vorstellte60und unter den 23 Ölgemälden von Sprick neben schwedischen, französischen und jugoslawischen Landschaften auch einige seiner sozial ambitionierten Bilder waren, meinte eine Bochumer Zeitung, aus den Bildern „Lebensschwere“, „Sterbender Knabe“ und „Der Bettler“ spreche „die Gedanken- und Erlebniswelt (....) eines Künstlers, der um den Schmerz weiß“61. Das 1931 entstandene Bild „Sterben­de Alte“, im November desselben Jahres neben weiteren Sprick-Bildern in der Ausstellung „Bochumer Maler“ der Städtischen Gemäldegalerie gezeigt62, war gemäß Bochumer Anzeiger „ein ergreifen­des Abschiedslied von dieser Welt,(....) meisterhaft in Farbe und Form“63. Ein anderer Zeitungsbericht nennt seine sozial ambitionierten Bilder „unvergesslich“.64

In späteren Jahren ist Richard Sprick fast ausschließlich als Meister der Porträtkunst und als Landschaftsmaler gefeiert, seine sozial ambitionierte Kunst aus seinen ersten Bochumer Jahren nahezu vergessen worden und selbst in umfassenden Würdigungen seines Lebenswerkes unbeachtet geblieben.65 Das mag daran liegen, dass dieses auf gut ein Dutzend Arbeiten begrenzte Genre des Künstlers im Vergleich mit der kaum noch fassbaren Fülle an Landschaftsbildern und Porträts nur einen unverhältnismäßig kleinen Teil seines Gesamtwerks ausmacht, der zudem in alle Welt verstreut und fast nur noch aus fotografischen Katalog-Abbildungen und/oder aus verbalen Beschreibungen in Ausstellungsberichten überliefert ist.

Vielleicht hing es mit der politischen Zeitenwende von 1933 zusammen, dass Sprick danach kaum noch in dieser Art gearbeitet hat66 und seine vorher entstandenen Bilder dieses Typs aus der öffentlichen Kunstpräsentation verschwanden. Es ist jedenfalls bemerkenswert, dass ausgerechnet der „Prophet“, eine der wohl stärksten Arbeiten des Künstlers aus diesem Genre, während der NS-Zeit in keiner einzigen Ausstellung gezeigt wurde und dass Sprick 1937 auf der Rückseite dieses Bildes eine weitere Ölarbeit auf die Leinwand brachte, der er den Titel „Zuschauer“ gab. Auch kein anderes seiner sozial ambitionierten Bilder, noch Anfang der 30er Jahre wiederholt ausgestellt und von der Kunstkritik in hohen Tönen gelobt, trifft man zwischen 1933 und 1945 in den lokalen und regionalen Ausstellungen wieder, in denen Sprick im übrigen regelmäßig präsent war67, jedoch mit Landschaftsbildern und Porträts.

Natürlich entsprachen „hässliche“ Darstellungen aus dem Realismus der 20er Jahre nicht nationalsozialistischem Kunstgeist, zumal ihre veristischen Vorgänger zur „entarteten“ Kunst zählten. Dem Richard Sprick, der als „Pressezeichner“ regelmäßig die „Westfälische Landeszeitung Rote Erde“, das in Dortmund erscheinende überregionale NS-Blatt, mit Zeichnungen aus der Theaterwelt belieferte und gelegentlich auch eine persönlich „gute Presse“ in den NS-Medien fand, hat man sie wohl als „Ju­gendsünden“ großmütig nachgesehen. Jedenfalls merkt eine Zeitschrift der Hitlerjugend Mitte 1937 in ihrem sonst positiven Bericht über diesen „Maler aus dem Kohlenpott“ mit kritischem Unterton an, er sei „in Gefahr“ gewesen, „auch nicht davor zurückzuschrecken, Hässliches und Niederdrückendes mit mitleidsloser Brutalität darzustellen“, jedoch „gesund genug gebaut, um sich nach wenigen Versuchen und Stürzen abzufangen“.68 Auch die Westfälische Landeszeitung Rote Erde erwähnt in ihrem einige Monate später unter der Überschrift „Lebendige, lebensbejahende Kunst“ ein „zu Überspitzungen und Gewaltsamkeiten neigendes Ringen“ des Künstlers aus dessen ersten Jahren.69

Vielleicht fiel in die Kategorie der „Überspitzungen“ und des „Hässlichen“ nach NS-Einschätzung auch Spricks Bild „Vater und Sohn“, das heute nur noch dem Titel nach bekannt ist. Die Städtische Kunstgalerie Gelsenkirchen hatte es erworben.70 Dort wurde es 1937 im Zuge der nationalsozialistischen Säuberungsaktionen zur „Entarteten Kunst“ zusammen mit anderen Kunstwerken beschlagnahmt, und seitdem ist es verschwunden.71

Richard Sprick hat Bochum verlassen, als das Haus Uhlandstraße 83, in dem er wohnte, Pfingsten 1943 durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Er zog in seine lippische Heimat, wo seine Vorfahren Jahrhunderte lang einen Hof bewirtschaftet hatten. In Schötmar bei Bad Salzuflen (später dorthin eingemeindet) baute er nach Kriegsende ein kleines Wohn- und Atelierhaus in Fachwerk, in dem er, unterbrochen von zahlreichen Studienreisen durch West- und Südeuropa, bis zu seinem Tode Anfang 1968 malte und zeichnete, als „Meister von Porträt und Landschaft“.72

Sein künstlerisches Nachkriegsschaffen in Ostwestfalen konnte in diesem Beitrag, der sich mit seiner Bochumer Zeit und seinem Weg dorthin befassen sollte, nur gestreift werden. Die Arbeit seiner weiteren Jahre hätte eine eigene Würdigung verdient, denn ihre Ergebnisse wurden nicht nur in zahlreichen lokalen Ausstellungen seiner ostwestfälischen Heimat, sondern auch in einer Reihe Kunstausstellungen von landesweiter Bedeutung gezeigt,73 und viele seiner Arbeiten befinden sich längst in staatlichen und kommunalen Museen und Kultureinrichtungen.74

Der früheren Bochumer Wirkstätte blieb Richard Sprick nach dem Krieg zwar noch durch seine Mitgliedschaft im 1946 gegründeten Bochumer Künstlerbund verbunden,75 und 1955 war er auch noch einmal in dessen Ausstellung im Baltz-Haus mit Bildern präsent,76 doch sein künstlerisches Schaffen hatte neben der bereits erwähnten Illustration des Jubiläumsbandes der Shakespeare-Gesellschaft nur noch einmal Bezüge zum Ruhrgebiet: Im Jahre 1950 illustrierte er zwei Bücher des westfälischen Schriftstellers Walter Vollmer, die in phantasievoll-köstlichen Erzählungen und den dazu passenden Illustrationen des Künstlers Richard Sprick vom Leben zwergenhafter Berggeister in den Tiefen der Langendreerer Zeche „Siebenplaneten“ und der Wattenscheider Zeche „Zur fröhlichen Morgenson­ne“77 berichten.

 

1 Kurt Uthoff, Richard Sprick zum Gedenken, in: Westfalenspiegel, Jahrgang 1968, März-Ausgabe, S. 17/18.

2 Nach mehreren Ausstellungen in der Galerie Sprick an der Königsallee (Inhaberin Karen Kestermann) in den Jahren 1973 bis 1980 fand 1982/83 eine sich über 3 Ausstellungen erstreckende Retrospektive (26.4.-14.5.82/2.-19.11.82/21.2.-11.3.83) in der Kulturbrücke der Sparkasse Bochum statt (Katalog: „Retrospektive Ausstellungen Rich. Sprick 1901-1968, herausgegeben von der Sparkasse Bochum, Bochum 1982, künftig als „Bochumer Katalog“ zitiert). Eine weitere Ausstellung mit dem Titel „Szenen aus dem Bochumer Theaterleben“ folgte vom 8.12.1996-2.2.1997 in Haus Kemnade und schließlich vom 7.4.-5.5.2002 im Technologie-Zentrum ECO-Textil, Bochum-Wattenscheid, die Retrospektive „Richard Sprick – Akzente eines westfälischen Künstlerlebens“. Die Einführung in diese Ausstellung durch den Verfasser ist Grundlage dieses Beitrags.

3 Richard Sprick wurde am 3.1.1901 in Herford geboren und ist am 26.1.1968 in Bad Salzuflen gestorben. Diese und alle weiteren biographischen Daten sind der als Privatdruck von Karen Kestermann (Tochter des Künstlers) im Mai 2002 heraus­gegeben Materialsammlung „Richard Sprick 1901-1968“ entnommen. Frau Kestermann stellte dem Verfasser auch weiteres Material zur Verfügung (künftig zitiert als „Archiv Kestermann“), wofür dieser herzlich dankt.

4 Vom 1.4.1920 bis 30.9.1922 bei Prof. Kurt Witte und Kai H. Nebel.

5 Vgl. hierzu u.a. Paul Vogt, Geschichte der deutschen Malerei im 20. Jahrhundert, 3. Aufl. Köln 1989, Abschn. III, S. 151 ff. sowie den Ausstellungskatalog „Tendenzen der Zwanziger Jahre“, Berlin 1977, S. 4/24 und 4/26 ff.

6 Kestermann, S. 9. Vom 1.10.1922 bis 30.9.1923 war Sprick „Zeichenlehreramtskandidat“ am Gymnasium Herford. Er schloss diese Ausbildung mit der Befähigung zum Zeichenlehrer ab.

7 „Wohl an tausend Porträts malte ich“, Artikel einer Herforder Tageszeitung 1953, Ausschnitt ohne Titelangabe und Daten im Archiv Kestermann.

8 Susanne Partsch, 20. Jahrhundert I, (Reclam-Reihe „Kunstepochen“, Band 11) Stuttgart 2002, S. 65.

9 Vogt (wie Anm. 5), S. 172.

10 Dr. Gertraude Uhlhorn, Der Porträtist, in: Bochumer Katalog. Abbildung des Selbstporträts auf S. 21.

11 Abbildung im Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 4 sowie Kestermann (wie Anm. 2), Titelblatt.

12 Vogt (wie Anm. 5), S. 172.

13 Auktionskatalog Christie’s London, Impressionist and modern Paintings and Sculpture. Tuesday 2. December 1986; dazu : Londoner Auktionshaus stellt Sprick-Gemälde groß heraus. Bei Christie’s unterm Hammer, in: WAZ Bochum v. 8.1. 1987. Abb. des Gemäldes im Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 22, Entwurfszeichnungen in Kestermann (wie Anm. 2), S. 11-13.

14 Die Bekanntschaft wird z.B. in den biografischen Angaben des Katalogs Expressiver Realismus, Olpe 1992, S. 94, behauptet, während Sprick selbst nie davon gesprochen hat (Kestermann, wie Anm. 2, S. 11). Otto Dix war in dieser Zeit Meisterschüler an der Düsseldorfer Kunstakademie und kam erst im Mai 1925 nach Berlin.

15 Die 1923 in der „Juryfreien Kunstausstellung Berlin“ von Dix gezeigten Bilder und der deswegen gegen ihn geführte Prozess hatten ebenso zu Aufsehen in der Stadt geführt wie 1924 seine in Berlin erschienene 50-teilige Mappe „Der Krieg“ und die Berliner Ausstellung seines damals als skandalös geltenden Ölbildes „Der Schützengraben“.

16 Rainer Zimmermann, Die Kunst der verschollenen Generation. Deutsche Malerei des Expressiven Realismus von 1925-1975, Düsseldorf 1980.

17 Rainer Zimmermann, Expressiver Realismus. Anmerkungen zur Kunst der verschollenen Generation, in: Kunstverein Südsauerland (Hrsg.), Expressiver Realismus. Künstler der verschollenen Generation aus der Sammlung Gerhard Schneider. Ausstellung des Kunstvereins Südsauerland vom 31. Mai bis 21. Juni 1992 im Alten Lyzeum Olpe, Olpe 1992, S. 13 (künftig zitiert als „Olper Katalog“).

18 Rainer Zimmermann, Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, München 1994, S. 8.

19 Eine völlig andere Deutung des Begriffs Expressiver Realismus findet sich etwa bei Horst Richter, Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert, 9. Aufl. Köln 1993, S. 165. Zimmermann behauptete 1992, der von ihm definierte Begriff habe sich in der Kunstpublizistik „weitgehend eingebürgert“ (Olper Katalog, wie Anm.17, S. 14) und wiederholte dies in der 1994 erschienenen Neuausgabe seines Werkes (wie Anm. 18), S. 9. Dass er weiterhin in seinem Sinne gebräuchlich blieb, belegt die noch im Sommer 2003 in der Städtischen Galerie Rosenheim/Bayern stattgefundene Ausstellung „Expressiver Realismus – Die Kunst der verschollenen Generation“.

20 Zimmermann, Kunst der verschollenen Generation (wie Anm. 16).

21 Zimmermann, Expressiver Realismus (wie Anm. 18), S. 448.

22 Olper Katalog (wie Anm. 17), im Vorwort von Dr. Theo Heller, S. 6 sowie im Katalogteil, S. 94/95. In Olpe wurde sein Bild „Alte Friesin (auf Sylt)“ ausgestellt.

23 May, Richard Sprick, ein westfälischer Maler, Zeitungsausschnitt im Archiv Kestermann ohne nähere Erscheinungsangaben, der sich jedoch auf die Sprick-Ausstellung im November 1930 in der Städtischen Galerie Bochum bezieht.

24 Prof. Bernhard Hoetger, Bildhauer, Maler und Architekt, 1874 in (Dortmund-)Hörde geboren, lebte nach künstlerischer Tätigkeit in Paris und in der Darmstädter Künstlerkolonie seit 1914 in Worpswede. Seine Anstöße führten zur Fortentwicklung Worpswedes von der beschaulichen Künstlergemeinde der Jahrhundertwende zu der lebhaften und vielseitigen „Kunstwerkstatt“ der 20er Jahre (Vgl. Günter Heiderich, Worpswede munter aufgemischt. Offizielle Jubiläumsausstellung zum 100jährigen Bestehen der Künstlerkolonie, in: FAZ vom 15.4.1989).

25 Lotte Heidelbach, am 25.7.1903 in Kassel geboren, hatte an der dortigen Kunstakademie Bildhauerei studiert und sich anschließend an der Kunstgewerbeschule Kassel in Metalltechnik ausbilden lassen, bevor sie nach Worpswede ging. Vgl. Küster (wie Anm. 26) S. 68 sowie Kestermann (wie Anm. 2), S.17.

26 Bernd Küster, Kunstwerkstatt Worpswede. Begleitschrift zu den Ausstellungen des Landkreises Osterholz in Worpswede 1989, Worpsweder Verlag 1989, S. 69/70.

27 Dr. Gustav Struck, Richard Sprick, in: Hellweg, 7.Jg. (1927), S. 410 ff.

28 In der Worpsweder Kunsthalle und in dem von Hoetger errichteten „Kaffee Worpswede“, vgl. Bremer Nachrichten vom 8.8.1926 und Weserzeitung Bremen vom 18.8.1926 und 10.10.1926 sowie Kestermann (wie Anm. 2), S. 117.

29 Kestermann (wie Anm. 2), S. 117.

30 Das waren zunächst die von der „Vereinigung westfälischer Künstler und Kunstfreunde“ veranstalteten „Großen westfälischen Kunstausstellungen“, die 1926 in Dortmund, 1928 in Hagen, 1929 in Münster, 1930 in Gelsenkirchen, 1932 in Münster stattfanden.

31 Dr. Osborn, Berliner Ausstellungen. Worpswede einst und heute, in: Vossische Zeitung vom 23.10.1931.

32 Küster (wie Anm. 26), S. 69 ff. u. S. 75.

33 In den 50er/60er Jahren, als die informelle Kunst das moderne Kunstschaffen prägte, änderte Richard Sprick seinen Stil nicht. Er wurde zum bekennenden Vertreter des Gegenständlichen, der sich der „Europeinture“ anschloss und mit ihr 1964 und 1967 in Bad Salzuflen ausstellte und bekannte offen, „dass ihm das Abstrakte, das Ungegenständliche fremd “ sei (Per­sönliche Erkenntnisse als künstlerische Bekenntnisse, in: Westfalen-Blatt vom 9.3.1966).

34 Dr. Gertraude Uhlhorn in: Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 15.

35 So entstand 1929 in Öl „Fenster mit Algarve“ (Abbildung im Bochumer Katalog, wie Anm. 2, S. 26), das den Blick aus dem Fenster von Spricks erster Bochumer Wohnung an der Kaiseraue in Grumme auf die Zeche Constantin 6/7 darstellt. Zwei Wanne-Eickeler Industrielandschaften sind bei Kestermann (wie Anm. 2), S. 54, abgebildet.

36 Kestermann (wie Anm. 2), S. 16.

37 Wohl tausend Porträts malte ich (wie Anm. 7). Sprick ließ sie sich meistens von den Porträtierten signieren.

38 Hansjürgen Kochanek, Richard Sprick als Porträtist gefragt. Malerkollegen Munch konterfeite er 1929 in Oslo, in: Westfalen-Blatt v. 13.4.1995. Porträtabbildung in Kestermann (wie Anm. 2), S. 26.

39 Verzeichnis eines Teils der Porträts im Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 9 und in Kestermann (wie Anm. 2), S. 119/120.

40 So Paul Schubeis, Schüler Spricks, in: „Goethes Anzeiger“, Mitteilungsblatt der Goetheschule, Ausg. v. 3.11.1986.

41 Im Oktober 1980 haben die Galerie Sprick und anschließend das Bochumer Sportgeschäft Schubeis, dessen Inhaber Sprick-Schüler war, die Lehrer- und Schülerkarikaturen ausgestellt (RN v. 2.10.1980 sowie WAZ v. 4.10.1980), siehe auch Kestermann (wie Anm. 2), S. 21 ff.

42 Küster (wie Anm. 26), S. 70.

43 Karen Kestermann im Gespräch mit dem Verfasser, vgl. auch Kestermann (wie Anm. 2), S. 16.

44 Zur Shakespeare-Woche: Kurt Dörnemann, Shakespeare-Theater Bochum 1919-1979, Bochum o.J., S. 19 ff.

45 Ausstellungsbuch der Städt. Gemäldegalerie, StAB, DSt 53, 59. Ausstellung; dort wird Sprick nicht aufgeführt, den Presseberichten zufolge (Märkischer Sprecher v. 31.10.1927 sowie Bochumer Anzeiger vom 31.10.1927 und 9.11.1927) war er jedoch mit einer Kollektion von Bildern beteiligt. Der Bochum-Gelsenkirchener Künstlerbund hat nur kurze Zeit existiert.

46 Gemäldegalerie Bochum, Zeitungsbericht v. 2.11.1927, ohne Angabe des (auswärtigen) Zeitungstitels als Faksimile veröffentlicht in Kestermann (wie Anm. 2), S. 25.

47 Bestandsverzeichnis der Sprickzeichnungen im StAB.

48 Kurt Uthoff, Meister des Portraits - Liebe zur Landschaft. Zum 60. Geburtstag des Malers Richard Sprick, in: Westfalenspiegel, Jahrgang 1961, Januar-Heft, S. 26 ff.

49 Zahlreiche Abbildungen dazu in Kestermann (wie Anm. 2), S. 35 ff. und S. 46 ff.

50 Deutsche Shakespeare-Gesellschaft West e.V. (Hrsg.), Shakespeare in Deutschland 1864-1964, Bochum 1964.

51 Shakespeare-Gesellschaft (wie Anm. 50), S. 78 ff.; die Abbildungen befinden sich auf den Seiten 78, 103 und 99.

52 Verismus, in: Lexikon der Kunst, Band VII, Leipzig 1994, S. 596.

53 Es gab sicher weitere, heute nicht mehr bekannte Bilder. Jedenfalls tauchen in Ausstellungsberichten Bildtitel auf, die wohl hier einzureihen wären (z.B. Mann im Schnee, Vater und Sohn, hl. Judas etc.).

54 Dr. Gertraude Uhlhorn im Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 5 und S. 13 sowie „Persönliche Erkenntnisse als künstlerische Bekenntnisse“, in: Westfalen-Blatt vom 9.3.1966.

55 Der Bochumer Katalog (wie Anm. 2) gibt 1926 als Entstehungsjahr an, doch die Signatur zeigt 1927. Küster (wie Anm. 26) rechnet das Bild dem Worpsweder Kunstschaffen zu. Abgebildet in Küster, S. 70 und Bochumer Katalog, S. 23.

56 Abgebildet in: Der Schacht, Westd. Wochenschrift für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, Jg. VI (1929/30), Nr. 10.

57 Abgebildet in Kestermann (wie Anm. 2), S. 81.

58 Abgebildet in Kestermann (wie Anm. 2), S. 25.

59 Abgebildet in Bochumer Katalog (wie Anm. 2), S. 27 und Kestermann (wie Anm. 2), S. 99.

60 Ausstellungsverzeichnis der Städtischen Gemäldegalerie, StAB, DSt 54, 93. Ausstellung.

61 Bochumer Volksblatt vom 6.11.1930; ähnlich auch Westfälische Volkszeitung und Bochumer Anzeiger vom 6.11.1930.

62Ausstellungsverzeichnis Städtische Gemäldegalerie, StAB, DSt 54, 105. Ausstellung.

63 Dr. Gehring, 22 Bochumer stellen aus, in: Bochumer Anzeiger vom 5.11.1931.

64 May., „Richard Sprick, ein westfälischer Maler“ (wie Anm. 23).

65Vgl. u.a. Uthoff, Meister des Porträts (wie Anm. 47) sowie: Uthoff, Richard Sprick zum Gedenken (wie Anm. 1).

66 Im Jahre 1955 hat er ein Bild mit dem Titel „Diskussion“ gemalt, in dem zwei Farbige und ein Weißer heftig gestikulierend diskutieren. Es war 1996 in der Jubiläumsausstellung des Bochumer Künstlerbundes zu sehen.

67 In den Bochumer Ausstellungen der Städtischen Gemäldegalerie, auf regionaler Ebene vor allem in den „Großen westfälischen Kunstausstellungen“ im Haus der Kunst in Dortmund, aber auch in Hagen und Düsseldorf, vgl. Ausstellungsverzeichnis in Kestermann (wie Anm. 2), S. 117.

68hy., Deutsches Kulturleben. Ein Maler aus dem Kohlenpott. Sprick – zwar „schon“ 36 Jahre alt, in: HJ-Publikation vom 17.7.1937, deren Titel nicht festgehalten wurde, im Archiv Kestermann.

69 Dr. Emil Strodthoff, Lebendige, lebensbejahende Kunst. Zum Schaffen des Bochumer Malers und Zeichners Richard Sprick, in: Westfälische Landeszeitung Rote Erde vom 12.11.1937.

70 Es wurde im November 1927 in der Bochumer Gemäldegalerie im Rahmen einer Ausstellung des Bochum-Gelsenkirchener Künstlerbundes gezeigt (Märk. Sprecher v. 31.10.1927) und kam vielleicht durch diese Querverbindung in die dortige Kunstgalerie.

71 Schreiben des Kulturamtes der Stadt Gelsenkirchen vom 14.4.1948 an Richard Sprick, abgebildet in Kestermann (wie Anm. 2), S. 65.

72 Überschrift einer Würdigung des Künstlers durch die Westfälische Zeitung in Bielefeld am 3.1.1961 aus Anlass der Vollendung seines 60. Lebensjahres.

73 Einzelausstelllungen fanden in seiner Lippischen Heimat u.a. in Detmold, Herford, Lemgo und Bad Salzuflen statt. Wiederholt war er an Gruppenausstellungen im Westfälischen Landesmuseum Münster und im Kunstmuseum Düsseldorf beteiligt. Vgl. Verzeichnis seiner Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Kestermann (wie Anm. 2), S. 117/118.

74 Kestermann (wie Anm. 2), S. 121.

75 Bochumer Künstlerbund (Hrsg.), 50 Jahre Bochumer Künstlerbund, Bochum 1996, S. 218.

76 Abbildung seines dort gezeigten Bildes „Auf Jersey“ in Ruhr-Nachrichten Bochum vom 6.12.1955.

77 Walter Vollmer, „Weltreise zur fröhlichen Morgensonne“ sowie Walter Vollmer, „Johannisfest auf Siebenplaneten“, beide Düsseldorf 1950.

 

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Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 14, Dezember 2003

 

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