Zur Interpretation der Niobe Geitels

 

Hans H. Hanke

 

Das Niobe-Mosaik auf dem Frei­grafendamm wird restauriert. Es war eine langer Weg zu diesem Entschluss, der nun endlich von allen Parteien und der Verwaltung zu diesem erfreulichen Ergebnis gebracht werden konnte. Die Niobe wurde 1954 von Ignatius Geitel als `Ehrenanlage für die Toten des 2. WeltkriegesA errichtet und trotzt in ihrer ganzen Gestaltung dem Ungeist der gegenüberliegenden NS-Trauerhallen: Niobe, die Königin von Theben, hatte die Göttin Leto erzürnt. Denn Niobe hatte sieben Söhne und sieben Töchter und behauptete, sie habe wegen dieser großen Kinderschar eher Verehrung verdient als die Göttin, die ja nur wegen ihrer beiden Zwillingskinder Artemis und Apollon verehrt wurde. Die Göttin schickte daraufhin ihre Zwillinge aus, die 14 Kinder der Niobe zu töten. Im Gram über diese Untat wurde Niobe versteinert und ihre Tränen zu einer Quelle im Fels. Das furcht­bare Unglück habe sie aber durch ihre Hoffahrt selbst verschuldet, heißt es in den Überlieferungen.

Geitels Niobe ist also mit einer Botschaft an uns versehen, die in etwa lautet: `Wer Gewalt sät, wird Gewalt erntenA. Die Botschaft wird auch­ dadurch unterstrichen, dass der Aufbau des Bildes sich auch an Picassos Guernica orien­tiert. Geitels Niobe steht in Form und dieser Aussage in der Mahnmalkultur der Bundesrepublik ziemlich einzigartig da.

Das Wesentliche zur Geschichte der Niobe in Bochum und Geitels hat Clemens Kreuzer in einer Begleitschrift zu einer Ausstellung zusammengestellt, die dem 90. Geburtstag des 1985 verstorbenen Künst­lers Ignatius Geitel gewidmet ist. Sie wurde von der Nachlassverwalterin und Lebensgefährtin Inge Diergardt im Haus des Künstlers am 14.11.03 eröffnet und steht Interessierten auf Anfrage offen (Tel. BO 471378). Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Geitels umfangreichen Werk im öffentlichen Raum, das so bisher noch nie zusammengestellt wurde und einen Besuch unbedingt lohnt.

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 14, Dezember 2003

 

Herausgeber:

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Redaktion:

Dr. Dietmar Bleidick, Peter Kracht

 

Redaktionsschluss:

jeweils 15. April und 15. Oktober

 

Druck:

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Verlag:

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