Der VfL Bochum 1848 e. V.

feiert 2004 ein ausgesprochen merkwürdiges Jubiläum

 

Friedrich-Wilhelm Hüttebräuker

 

Am 6. Januar 1904 beschloss die Hauptversammlung des Bochumer Turnvereins – so hieß damals noch der heutige VfL Bochum – dem Vereinsnamen die nähere Kennzeichnung „gegründet 1848“ anzuhängen.

Was soll daran Besonderes gewesen sein? Schließlich sollte es im selben Jahr zu einer Vergrößerung der Stadt Bochum durch die Eingemeindungen von Wiemelhausen, Hofstede, Grumme und Hamme kommen. Und in diesen Bochum zunächst vorgelagerten Ortschaften gab es auch schon Vereine, die sich „Turnverein“ nannten. Also war es doch nur natürlich, dass sich der älteste aller Bochumer Turnvereine nun ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gab.

So weit, so gut! Hätte es da nicht genau fünf Jahre zuvor eine riesige Aktion im ‚alten‘ Bochum gegeben, bei der der Bochumer Turnverein sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Wie das? werden Sie möglicherweise fragen, zumal, wenn Sie kurz nachgerechnet haben und feststellen, dass es sich unzweifelhaft um das Jahr 1899 handeln muss. – Ganz recht!

Zum besseren Verständnis eine kleine Vorgeschichte. Der Bochumer Turnverein gehörte im ausgehenden 19. Jahrhundert dem Emscher-Turngau an. Dieser wurde aber aufgelöst. Stattdessen schlossen sich die Bochumer am 30. März 1898 dem Märkischen Turngau an. Dort feierten die Bochumer mit der Turngemeinde Witten deren 50-Jahrfeier.

Als dann der 8. Turnkreis durch viele Neuanmeldungen von Vereinen zu groß geworden war, als es zu einer Aufteilung in VIIIa (Westfalen und Lippe) und VIIIb (Rheinland) gekommen war, wurde auf dem Turntag des Kreises VIIIa am 15. Januar 1899 beschlossen, das erste Kreisturnfest zum 24.-26. Juni 1899 nach Bochum zum Turnverein zu vergeben. Warum nach Bochum? Dort sollte der Turnverein Bochum die fünfzigste Wiederkehr seiner Gründung feiern. Und das tat er dann auch.

Es scheint als gesichert anzusehen zu sein, dass die ehrenwerte Bochumer Bürgerschaft diesen Anlass nutzte, um sich durch namentliche Nennung im 96-köpfigen Festausschuss der Öffentlichkeit zu präsentieren, dass aber nicht wirkliches Engagement für den Turnverein hinter dieser ‚schnellen‘ Mitgliedschaft steckte, denn alsbald traten solche wieder aus dem Turnverein aus. Im Übrigen hatte die Veranstaltung zu einem riesigen Defizit in der Kasse geführt. Vielleicht deswegen?!

Die Jubiläumsfeier schlug aber durchaus hohe Wellen. Die Tageszeitung Märkischer Sprecher veröffentlichte am Festwochende unter dem Stichwort „Feuilleton“ ein Gedicht – acht Strophen zu je acht Versen – von Max Seippel, das nicht nur die Bedeutung des Jubiläums unterstrich, sondern auch ein wenig Einblick in die historischen Motive für die 50-Jahrfeier verleiht.

 

Dem Turnverein in Bochum

zur 50jährigen Jubelfeier 1899.1

 

In wilden Wirren lag die Welt,

Ein Brausen war in allen Landen,

Man rüttelte im Uebermaß

An festgefügten alten Banden.

Im Wettersturm kam über Nacht

Der Welt ein Freiheitsdrang gezogen

Erregt ward auch das deutsche Volk

Gleich wildempörten Meereswogen.

 

Nach Freiheit rief man überall,

Nach Gleichheit auch in heißem Drange,

Man wollte keine Ordnung mehr,

Sich fügen nicht dem kleinsten Zwange,

Und And‘re wollten frohgemuth

Das Kaiserthum erstehen lassen,

Man wollte fest mit kühner Hand

Des Schicksalsrades Speichen fassen.

 

In dieser Zeit, des Sturmes voll,

Hat man gerufen dich in‘s Leben,

Du Turnverein, und man hat dir

Fürwahr ein hohes Ziel gegeben.

Du solltest sein ein starker Hort

Und Bildungsstätte uns‘rer Jugend,

Daß Kraft und Anmuth sie erringt,

Mit ihnen Weisheit auch und Tugend.

F r i s c h soll der Körper sein, wenn er

Auf Erden ziehet seine Bahnen,

Und f r o m m der Sinn, an Ew’ges soll

Uns stets ein frommer Sinn gemahnen,

F r o h sei das Herz im Freundeskreis,

Nach Tageslast und wirren Mühen,

Und f r e i von jeder Leidenschaft

Soll immer es für Hohes glühen.

 

So lehrtest du, in Treue fest,

Zum Besten Derer, die dir nahten,

Mit Worten hast du nicht geprunkt,

Du legtest Werth auf deine Thaten,

Du wirktest so, daß deinem Thun

Auch auferblühte reicher Segen,

Wenn er auch offenkundig nicht

Dem Auge tritt sogleich entgegen.

 

Die Zeit enteilt in raschem Flug,

Und fünfzig Jahre sahst du schwinden,

In deinem gold’nen Ehrenkranz

Mit Recht ein Lorbeerreis wir winden,

Die Zeit enteilt, was damals nicht

Uns ward durch wilder Stürme Wehen,

Im Lauf der Jahre sah’n wir es

Mit Freuden in Erfüllung gehen.

 

Die rechte Freiheit haben wir,

Das Deutsche Reich ist neu gegründet,

Ein siegdurchwebter großer Krieg

Hat Deutschlands Stämme fest verbündet,

In Macht und Fülle blüht das Reich,

Ein Kaiser lenkt es kraftvoll wieder,

Zu ihrem Herrn zur Felsenkluft

Des Rothbarts Raben flogen nieder.

 

O Turnverein, die Saat, die du

Gestreut in deinen fünfzig Jahren,

Hat auch für unser Vaterland

Des Segens große Kraft erfahren.

Heil dir darum, Gut Heil, Gut Heil,

Voll Dank dir unser Ruf ertöne,

Blüh’, ferner auch, so lang’ nur blüht

Das Deutsche Reich, das große, schöne.

 

Die Bedeutung der Bochumer Veranstaltung ist aber wohl gerade deswegen auf keinen Fall zu unterschätzen, erfreute man sich doch auch großer Wertschätzung höhern Orts, wie es früher hieß. Im Märkischen Sprecher war am Montag nach dem Festwochenende nachfolgende Ehrung und Würdigung des Bochumer Turnens und seines Vertreters zu lesen.2

Eine hohe Auszeichnung ist bei Gelegenheit des Turnvereins-Jubelfestes dem Vorsitzenden des Bochumer Turnvereins Herrn Oberturnlehrer Walde zutheil geworden. Gegen Abend lief bei Herrn Walde eine Depesche folgenden Inhalts ein: ‚Seine Majestät haben Ihnen aus Anlaß des heutigen Vereinsjubiläums den Kronenorden 4. Klasse zu verleihen geruht.

Herzlichen Glückwunsch.

Oberpräsident Studt.‘

Die Verlesung der Depesche in der Festversammlung gestern Abend rief große Begeisterung hervor. Heute Morgen brachten das Philharmonische Orchester und die Kapelle der 98er Herrn Oberturnlehrer Walde ein Ständchen.

Mit dem Oberturnlehrer und Vorsitzenden (seit 1888) des Bochumer Turnvereins war der Mann geehrt worden, der beim Turnverein nach Jahren der Stagnation und trotz einer vierjährigen Abspaltung eines Männerturnvereins für den entsprechende Aufschwung gesorgt hatte: 1884 Ehrenmitgliedschaft für den Oberbürgermeister Bollmann, 1887 Wiederbegründung einer Jugendabteilung, Bildung einer ‚Alte-Herren-Riege‘, Annäherung von Schulen und Turnverein.

Die Leistungen Waldes würdigte der Märkische Sprecher vor Festbeginn eingehend:3Das Schulturnen hat in den letzten Jahren in unserer Stadt eine ganz außerordentliche Förderung erfahren. Im Jahre 1877 wurde Herr Oberturnlehrer Walde nach hier berufen und die erste Turnhalle an der Bleichstraße errichtet. Jetzt sind bereits fünf städtische Turnhallen vorhanden. Zu diesen wird in Bälde eine sechste Turnhalle treten, zu deren Bau bereits von der Stadtverwaltung die erforderlichen Mittel bewilligt sind. Außer der Halle stehen elf Turnplätze neben den Schulgebäuden zur Verfügung. Während schon seit vielen Jahren an der städtischen höheren Mädchenschule das Turnen eingeführt worden ist, hat man seit zwei Jahren auch bei den Volksschulmädchenklassen den Anfang gemacht.

Und das Interesse für ganz Bochum wurde ebenfalls deutlich:4Für den großen Festkommers, der zur Eröffnung der Goldenen Jubelfeier des Bochumer Turnvereins am Samstag Abend in dem mit besonderem Kostenaufwande aufs Prächtigste geschmückten Schützenhofsaale veranstaltet wird, ist ein sorgfältig ausgewähltes, abwechslungsreiches Programm aufgestellt worden. Vorgesehen sind turnerische Uebungen, ein Gewehr- und Waffenreigen, ein Damenreigen, Gesangvorträge des Männergesangvereins Einigkeit, sowie ein zweiaktiges Theaterstück, betitelt: Im Olymp. Die Zwischenpausen werden durch Concertvorträge unseres verstärkten Philharmonischen Orchesters und einer Militärkapelle aufs Angenehmste ausgefüllt. Da zudem der Commers mit Damen gefeiert wird, sind wir schon jetzt überzeugt, daß der weite Raum des Schützenhofes am Ehrenabend unseres Turnvereins bis zum letzten Platze besetzt sein wird. Also Parole für Samstag
Abend: Auf zum Schützenhofe, zum Jubelkommers!

Am Samstag berichtete der Märkischer Sprecher dann über die Festordnung des Kreisturnfestes:5Den Reigen der Veranstaltungen eröffnet ein Kommers, der heute Abend auf dem Schützenhofe abgehalten wird und hauptsächlich der 50jährigen Jubelfeier des Bochumer Turnvereins gewidmet ist. Am Sonntag nimmt dann das Kreisturnfest selbst seinen Anfang. Zur Theilnahme am Festzuge versammeln sich die Mitglieder des hiesigen Turnvereins im dunklen Anzug, schwarzen, weichen Hut und mit Vereinsabzeichen versehen um 11 Uhr im großen Saale des Schützenhofes. Der Zug bewegt sich vom Schützenhof aus durch die Kastroperstraße, Gr. Beckstraße, Brückstraße, Kortumstraße, Hochstraße, um den Wilhelmsplatz zum Moltkeplatz, wo ein Vertreter der Stadt die Turner begrüßen wird. Diejenigen Mitglieder, welche noch nicht im Besitz der Festkarte sind, können dieselbe bis heute im Restaurant Kortum in Empfang nehmen. Die Bürger werden gebeten, schon heute recht reichlich zu beflaggen.

Nun ist lang und breit deutlich gemacht worden, welchen Rang die 50-Jahrfeier 1899 in Bochum und für Bochum einnahm. Kehren wir also zurück zur Hauptversammlung vom 6. Januar 1904. Was um alles in der Welt mag nur die Turner dazu bewogen haben, nur fünf Jahre nach dem Jubiläum ein völlig anderes Datum (Jahr) der Gründung anzugeben?

Warum schaut man nicht einfach in den Akten des Turnvereins nach? Schön wär’s, aber von irgendeinem nicht näher bekannten Zeitpunkt an scheinen die Turner, der TuS Bochum, der VfL die Aktenbewahrung nicht mehr so wichtig genommen zu haben. Es gibt da nichts mehr! Angeblich soll der 2. Weltkrieg zur Aktenvernichtung beigetragen haben. Honi soit qui mal y pense!6

Die Akten aus der Gründungszeit sind nämlich in ziemlicher Vollständigkeit erhalten geblieben. Und da wird auch ganz deutlich, dass man sich 1899 nicht einfach mit dem Datum vertan hatte!

In nahezu allen Schriften wird ein Artikel im Märkischen Sprecher. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Bochum vom 26. Juli 1848 mit dem Titel „Allgemeine Einführung des Turnens“ als Gründungsinitiative der Bochumer angesehen. Dies ist völlig verfehlt. Der Artikel ist ein Plädoyer für die Einführung des Turnens in allen Schulen und nicht für die Gründung von Turnvereinen.

Faktisch begann es wirklich mit einem Artikel im Märkischen Sprecher am Sonnabend den 17. Februar 1849, in dem zur Gründung eines Turnvereins auf den 18. Februar c., Nachmittags 4 Uhr bei dem Restaurateur Wm. Bertelt hierselbst aufgerufen wurde.7 Bochum huldige auch dem Fortschritt, stehe aber in Sachen Turnverein vor manchen anderen, nicht belebteren und kleineren Orten Westphalens zurück. Der Aufruf datiert vom 13. Februar 1849 und ist unterzeichnet mit Mehrere Turnfreunde. In der Sitzung am 18. Februar 1849 wurde die Bildung eines Turnvereins beschlossen, mit Theodor Cramer, Wilhelm Mummenhoff und Julius Crone ein provisorisches Comité gebildet, die Gründungsversammlung auf den 4. März festgelegt und von den folgenden Gründungswilligen unterschrieben: J. Crone, Wm. MummenhoffSohn, W. Stumpf, Aug. Schepmann, L. Crone, Ernst Cramer, Schmitz II, Th. Cramer, E. Molls, v. der Nahmer, Julius Heidtrath, Brinckmann, Haumann, Wilh. Bertelt, Koch, H. Vehl, Ch. Ostermann, Schelhaus [auch: Schelhaas], Roeken, E. O’Connell, J. Plücker, Vennemann, W. Berger.

Dies sind die irrtümlich immer angegebenen 23 Gründungsmitglieder, gäbe es da nicht in den Akten noch eine weitere Seite, auf der ebenfalls unterschrieben hatten: Hermann Löwenstein, E. Endemann, J. Heess (oder auch: Hess), A. Laarmann, Ph. Anschel, W. Bock. Damit hatte der Verein 29 Gründungsmitglieder, und zwar vom 4. März 1849 an!

Es gibt übrigens in den früheren Veröffentlichungen, z. B. Festschriften und Examensarbeiten, eine Menge größerer und kleinerer Fehler, die offensichtlich durch mangelhafte Transkription der handschriftlichen Akten hervorgerufen waren. Diese sind inzwischen durch die Festschrift des VfL Bochum 1848 e. V. zum 150-jährigen Jubiläum von 19988 und eine Veröffentlichung der Akten, die im Stadtarchiv deponiert ist, ausgemerzt worden.

Was noch alles an turbulenten Ereignissen rund um die gegründete Turngemeinde zu Bochum in den Jahren 1848 bis 1852 – da wurde der Turnverein nämlich wieder aufgelöst – geschah, lässt sich in der genannten Festschrift nachlesen. Nachgehen muss man aber doch der Frage, warum den Bochumern völlig klar war, dass man den Verein 1849 gegründet hatte, das Gründungsdatum aber offiziell 1904 auf das Jahr 1848 festlegte. Vielleicht hilft folgender Aspekt ein wenig weiter.

Der Turnverein feierte sein erstes Stiftungsfest und legte das Datum auf den 6. April 1850 fest.

Durch viele Einladungen zu Fahnenweihen anderer Vereine und auch durch die Forderung Krefelds (27. Juli 1849) bedingt, zu einem Turnfest die eigene Fahne mitzubringen, wurden die Bochumer aktiv, um eine eigene Vereinsfahne zu haben. In der damaligen Zeit war es üblich, sich die Fahnen von den Jungfrauen der Stadt ‚schenken‘ und überreichen zu lassen. Die Verhandlungsaktivitäten lagen aber ganz auf Seiten des Turnvereins, der durch Friedrich Schmitz Verbindung mit dem Duisburger Tuchmacher Peter Risse aufnahm. Jener legte ein Empfehlungsschreiben des Duisburger Turnvereins vor, das den Wert der Fahne mit 46 Talern veranschlagte und sandte am 16. März 1850 den Bochumern einen Rohentwurf in Form von zwei Skizzen:

Das Blatt worauf das Wappen mit dem Gut Heil in den Turner-Farben mit der Löwenhaut des Hercules umfangen, welches das Simbol der Kraft und Tugend ist, mit Eichen und Lorbeerzweig umgeben, [...] die andere Seite stellt das Bochumer Wappen dar, nämlich: ein Buch. Dasselbe wird gestützt durch unsern Vaterländischen Adler – das Wappen ist mit Blumen Gewinden umfangen und soll darauf hindeuten daß den Bochumer Turnern viele schönre Tage in ihrem Verein blühen mögen, verherrlicht durch die lieblichen Damenblumen, die das streben der Turner nach geistiger und körperlicher Kraft zu ringen, so schön anerkennen. Sollte das Bochumer Wappen mit dem Buche aber in bestimmten Farben und Formen vorhanden sein so bitte mir dasselbe in einer Zeichnung mit Angabe der Farben anzugeben. Sollte ein Ueberzug über die Fahne sein so bitte mir deßhalb Auskunft ebenso ob an die Fahne Trödeln sein sollen. beides wird besonders berechnet und kostet erstens nämlich der Ueberzug circa 2 rt 10 Sg9 und die Trodeln in Seide in den Turnerfarben 4 rt 20 Sg. Sie können selbigens aber auch dort anfertigen lassen, indem das der Fahne eigentlich nichts angeht. [...] ich konnte die Scitzen nicht mehr wegen mangel an Zeit besser ausführen [...] baldiger Antwort entgegensehend gruß mit Gut Heil Ihr P. Risse

Die Bochumer erwarben diese Fahne dann. Auf der Seite mit dem Buch ist unterhalb desselben die Jahreszahl „1848“ eingestickt. Hier wird auf jeden Fall deutlich, dass die Bochumer Turner ihre geistigen Wurzeln in dem Jahr des revolutionären Beginns (gemeint ist die Deutsche Revolution von 1848/49) sahen, dass sie 1850, als die politische Bewegung längst verebbt war, sich nicht scheuten, sich zu diesen Wurzeln zu bekennen.

Diese Fahne, wenn auch logischerweise in keinem besonderen Zustand mehr, existiert noch heute im Stadtarchiv!

Ein weiterer Aspekt! Aus eigener Erfahrung weiß ich – und wissen alle, die sich mit einer solch schwierigen Materie beschäftigen –, dass die Erstellung einer Satzung eine äußerst langwierige und sprachlich schwierige Angelegenheit ist. In der Gründungsversammlung vom 4. März 1849 lag aber bereits ein kompletter Satzungsentwurf vor. Auf die von einem Mitglied angebotene Satzung der Turngemeinde zu Duisburg, die dieser mit sich führte, konnte von den Bochumern verzichtet werden. Die vereinspolitischen Aktivitäten müssen sich logischerweise auch bis in das Jahr 1848 zurückführen lassen.

Vielleicht – und der Leser möge diese subjektive Erklärung verzeihen – ist der Zusammenhang auch ganz einfach. Warum sollten die Bochumer Turner bei der Bedeutung, die eine Vereinsfahne nicht nur zu jener Zeit hatte, hinter einem Banner z. B. bei großen Veranstaltungen hergehen, welches das Jahr 1848 anzeigte und sich selbst ‚gegründet 1849‘ nennen. Hier hätte doch wohl ständig ein Erklärungsnotstand bestanden. Und ein Bezug zu jedem der beiden Jahre wäre gleichermaßen gefährlich – je nach Sicht – wie ungefährlich gewesen.

1 Märkischer Sprecher vom, 24. Juni 1899, Beilage, S. 1.

2 Ebd., 26. Juni 1899, S. 1f.

3 Ebd., 23. Juni 1899, S. 2.

4 Ebd.

5 Ebd., 24. Juni 1899, S. 2.

6 = Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

7 Ebd., 17. Februar 1849, S. 2.

8 Heinz Formann; Günther Pohl, Tief im Westen. Das Phänomen VfL Bochum, Essen 1998.

9 Reichstaler, Silbergroschen.

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 15, Oktober 2004

 

Herausgeber:

Dr. Dietmar Bleidick

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Redaktion:

Dr. Dietmar Bleidick, Peter Kracht

 

Redaktionsschluss:

jeweils 15. April und 15. Oktober

 

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