Kuźnia Bochumska – die Bochumer (Kader-)Schmiede

Bochum als Zentrum der Polenbewegung (1871-1914)

 

Wulf Schade

 

Bochum als Ruhrgebietsstadt hat einen Großteil seiner Bevölkerung der polnischen Arbeitsmigration Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zu verdanken. Die Feststellung ist sicherlich nicht von großem Neuigkeitswert, aber diese Tatsache spiegelt sich in der Darstellung der Bochumer Sozialgeschichte nur in wenigen Fällen wider. Obwohl Polen und Polinnen zwischen 1870 und 1939 in erheblichem Maß zum Aufstieg Bochums zu einer führenden Industriestadt beigetragen haben, sind sie wie auch ihre Institutionen in Bildbänden und Ausarbeitungen über das historische Leben der Stadt bzw. ihrer Stadtteile kaum existent.1Ein bedeutender Teil der Bochumer Sozialgeschichte ist damit nicht sichtbar. Schaut man sich beispielsweise die auch im Internet zur Verfügung stehenden Veröffent-lichungen der Kortum-Gesellschaft seit ihrer Gründung als Bochumer Heimatgesellschaft im Jahre 1921 an, so findet man ganze sechs Erwähnungen der polnischen Migration in Bochum, einen Beitrag, der sich diesem Thema widmet, gibt es dort gar nicht.2Für andere Ruhrgebietsstädte gilt übrigens Ähnliches.

Ein lebendiger Teil der Bochumer Sozialgeschichte droht so in endgültiger Vergessenheit zu versinken: Der Chor „Lutnia“ von 1903 in Langendreer, der Turnverein „Sokol“ von 1905 in Altenbochum, die Fotos vom Ausflug des polnischen Jugendverbandes Günnigfeld nach Haltern 1929, der „Ostpreußische Evangelische Gebetsverein“ von 1890, der polnische katholische „Verein der Heiligen Barbara“ von 1885, der Mitgliedsausweis des polnischen Chores „Halka“, das Schachturnier des „Polnisch-Katholischen Jugendver-bandes“ von Rheinland und Westfalen mit Bochumer Beteiligung ebenso wie die Druckerei des „Wiarus Polski“, einer in Bochum herausgegebenen polnisch-sprachigen Tageszeitung usw. usw. Die Vernachlässi-gung dieses Teils der Bochumer Sozial- und Kulturgeschichte ist umso bedauerlicher, als auch in Vergessenheit zu gehen droht, dass Bochum nicht nur eine „Polenstadt“ unter vielen war, sondern ein Zentrum der Polenbewegung in Preußen überhaupt, vor allem aber das der ruhrpolnischen Bewegung. Selbst heute ist Bochum noch der Hauptsitz des ältesten bestehenden überregionalen polnischen Vereins in Deutschland, des 1922 gegründeten Bundes der Polen (Związek Polaków w Niemczech) in der Straße Am Kortländer 6.

Die allgemeine Entwicklung der Einwanderung von Polinnen und Polen „za chlebem“, d. h. wörtlich übersetzt „nach Brot“, im übertragenen Sinne „zur Erwerbsarbeit“, in das Ruhrgebiet seit 1871 und ihre teilweise Niederlassung hier ist bereits des öfteren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen.3 Das konkrete Leben und die Menschen aber vor Ort wurden dadurch kaum sichtbar. Ebenso wenig wurden bedeutende Persönlichkeiten aus der polnischen Migrationsgruppe dieser Zeit vor der Vergessenheit bewahrt, die in Deutschland und/oder im Ausland einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben. So könnte man beispielsweise den am 18. Juli 1901 in Holsterhausen (heute ein Stadtteil der Stadt Herne) geborenen Stanisław Mikołajczyk nennen, der nach dem Zweiten Weltkrieg stellvertretender Premierminister in Polen gewesen war, oder den 1895 in Bochum als Sohn eines zugewanderten Bergmanns geborenen Jan

Kaczmarek, der später als einer der ersten Polen in Bochum ein Gymnasium besuchte, nach dem Studium promovierte und einer der bekanntesten polnischen Persönlichkeiten im Deutschland der Zwischenkriegszeit wurde. Zusammengefasst kann man sagen: Die polnische Migration ins Ruhrgebiet ist so bekannt wie sie unbekannt ist, sie hat keine Gesichter und keine Namen.

 

 

Die Formierung der ruhrpolnischen Bewegung

Die Zuwanderung der Polen als Erwerbsmigranten ab 1871 und in der Folge ihrer Familien nahm innerhalb von vier Jahrzehnten einen großen Umfang an. Man kann von gut 500.000 zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Ruhrgebiet lebenden Polen einschließlich ihrer Familien ausgehen.4 Die ruhrpolnische Bewegung entwickelte sich in drei Schritten. Zuerst begann sie sich ohne eigene Systematik meist aufgrund der Initiative des deutschen Klerus,5 polnisch-katholische Vereine zu gründen, zu formieren. Diese Vereine blieben örtlich auf die entsprechenden Kirchengemeinden beschränkt und waren ab 1891 informell durch den Wiarus Polski verbunden. In einem zweiten Schritt begannen polnische Aktivisten um den Wiarus Polski von kirchlichen Kreisen unabhängige politische Organisationen zu gründen, um Wünsche der Polnisch sprechenden Menschen besser artikulieren und diesen mehr Nachdruck verschaffen zu können. Diese Organisationen überschritten den lokalen Rahmen und bildeten durch die Gründung von Unterorganisationen ein zusammenhängendes Netz unter der ruhrpolnischen Bevölkerung. In einem dritten Schritt, verstärkt durch politische Maßnahmen der preußischen Regierung gegen die polnische Bevölkerung – hier sei nur das 1904 erlassene faktische Verbot des Landkaufs durch Polen in den preußischen Ostprovinzen genannt – baute man im Zuge verstärkter Niederlassungstendenzen eine polnische Infrastruktur im Wirtschaftsleben auf. Man gründete Genossenschaften, Konsumläden, Banken.

Diese drei Stufen verliefen nicht immer von einander getrennt und nachfolgend, sondern teilweise parallel. Bei allen drei Stufen spielten in der Stadt Bochum wohnende Polen eine bedeutende Rolle.

 

 

Bochum als Residenzplatz polnischer Priester

Bochum entwickelte sich mehr oder weniger zufällig zum Zentrum der organisierten Ruhrpolen-bewe­gung. Als Beginn kann man die Berufung eines Priesters für die seelsorgerische Betreuung der polnischen Erwerbsmigrantinnen und -migranten im Jahre 1884 betrachten. Die aus den preußischen Ostprovinzen nach Westfalen und ins Rheinland gekommenen Menschen fühlten sich in der neuen Umgebung fremd. Sie hatten das Bedürfnis, ihre Religion in ihrer eigenen Sprache praktizieren zu können. Deshalb sorgte nach einiger Zeit der auch für den sich immer mehr industriell entwickelnden Teil des westfälischen Ruhrgebiets zuständige Bischof von Paderborn, Kaspar Drobe (1882-1891), dafür, dass dort ein polnischer Priester für die Seelsorge dieser Gläubigen zur Verfügung stand. Am 23. Dezember 1884 wurde deshalb der Priester Józef Szotowski aus der Diözese Kulm (Chełm) in die Paderborner Diözese versetzt. Bis dahin wurden die polnischsprachigen Gläubigen durch polnische Wanderprediger sporadisch seelsorgerisch versorgt.6 Szotowski nahm die Stelle eines Kaplans der Pfarrei St. Peter in Bochum ein, die ausschließlich für die Polenseelsorge bestimmt war.7 Er wohnte in dem zu dieser Zeit verwaisten Redemptoristenkloster am Kaiser Friedrich Platz in Bochum, dem heutigen Imbuschplatz, das sich dadurch in der folgenden Zeit zum Zentrum der Polenseelsorge für das Ruhrgebiet entwickelte.8

Von Bochum aus versorgte nun Szotowski in den folgenden Jahren die aus den damaligen preußischen Ostprovinzen in das Ruhrgebiet und darüber hinaus zugewanderten katholischen Polinnen und Polen seelsorgerisch. Einmal im Monat hielt er eine Sonntagsmesse in polnischer Sprache jeweils in Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen und am vierten Sonntag in einer weiteren Stadt des Ruhrgebiets. So meldete die Zeitung Tremonia 1895: „Der ordentliche Polenseelsorger Szotowski nimmt seinen ständigen Wohnsitz im Kloster an der Redemptoristenkirche in Bochum.“9 Sporadisch versorgte er auch die Polen und Polinnen in den Diözesen Köln und Münster. Aus diesem Grunde erwarb er sich den Ruf „als Seelsorger für die Polen der gesamten Migrations-Gebiete im Westen“10.

Unter einer aktiven Seelsorge verstand Szotowski aber nicht nur das Abhalten von Gottesdiensten, die Abnahme der Beichte, die Durchführung von kirchlichen Bestattungen und ähnliche religiöse Handlungen. Seelsorge bedeutete auch, die Menschen darüber hinaus zu betreuen. Er half in Zusammenarbeit mit den örtlichen deutschen Priestern den in der neuen Umgebung sich nicht so leicht zurechtfindenden polnischsprachigen Menschen bei der Gründung polnisch-katholischer Vereine. So entstanden 1884 in Wattenscheid der St. Josefs-Verein und 1885 der katholisch-polnische Verein St. Barbara in Bochum.11 Politische Diskussionen wurden in diesen Vereinen von vornherein ausgeschlossen. Die Vereine sollten helfen, durch regelmäßige Bildungsarbeit den Boden „für Brüderlichkeit und gute Sitten“12 zu verbreiten.

Sicherlich durch seine rege Tätigkeit überlastet, wandte sich Szotowski mehrfach an den Bischof der Diözese Paderborn und drang „auf Vermehrung der geistlichen Kräfte für die Seelsorge der polnischen Katholiken in den westfälischen Diözesen“13. Nicht zuletzt deswegen wurde er dann im Laufe des Jahres 1889 abberufen und nach Thorn (Toruń) versetzt. Vor Beginn seiner Seelsorgearbeit gab es im Ruhrgebiet fünf polnisch-katholische Vereine, als Ergebnis seiner Arbeit hinterließ Szotowski 20 mit seiner Hilfe oder auf seine Initiative hin gegründete Vereine.14

Ebenfalls aus der Diözese Kulm stammte der Nachfolger Szotowskis, der Priester Dr. Franciszek Liss. Er wurde am 1. April 1890 zur Seelsorge unter der polnischen Erwerbsmigra-tion im westlichen Teil der Diözese Paderborn berufen.15 Auch sein Wohnort war im Redemptoristenkloster in Bochum, wodurch sich dieser Standort als Zentrum der Polenseelsorge festigte. War Bochum in der Zeit Szotowskis mehr oder weniger ideelles Zentrum kraft des Wohnsitzes des polnischen Priesters, so wurde es während der Zeit von Liss mehr und mehr auch zum organisatorischen Zentrum des Ruhrpolentums. Die bereits damals vorhandene große Bedeutung Bochums für die ruhrpolnische Bewegung wird auch dadurch deutlich, dass in dieser Stadt am 3. Juni 1894 der erste polnische Katholikentag stattfand.16

Als Priester war Liss ständig zu den verschiedenen Orten des Ruhrgebiets unterwegs, hielt dort die Beichte ab, organisierte religiöse Treffen und Unterweisungen. Wie bereits sein Vorgänger unterstützte und initiierte er auch die Gründung von polnisch-katholischen Vereinen, deren geistliche Patenschaft er übernahm. So hielt er die heilige Messe anlässlich der Kongresse polnisch-katholischer Vereinigungen, weihte Fahnen polnischer Vereine usw. In der Anfangsphase seiner Arbeit erfüllte er so einen wichtigen Auftrag der deutschen katholischen Kirche,17 der nicht zuletzt darin bestand, durch die Organisation der Polen in katholischen Vereinen diese vor den Einflüssen der Sozialdemokratie zu schützen. Allerdings trat in dieser Zeit die nationale Komponente in der Arbeit der Vereine immer stärker in den Vordergrund. Ein Merkmal für diese Entwicklung bestand darin, dass neue Vereinsfahnen oftmals Aufschriften in polnischer Sprache bekamen, die häufig die Mutter Gottes von Tschenstochau anriefen. Bereits 1893 war die Zahl der polnisch-katholischen Vereine im gesamten Ruhrgebiet auf mehr als 100 angewachsen.18

 

 

Die polnisch-katholischen Vereine

Für die in einer fremden Umgebung lebenden Menschen hatten diese Vereine eine hohe Bedeutung. Dort konnten sie andere, die sich in ähnlicher Situation befanden, kennenlernen, Gemeinsamkeiten pflegen, die Heimaterinnerung aufrechterhalten und Unterstützung bei alltäglichen Problemen erhalten. Berufliche wie auch politische Fragen fanden, wenn überhaupt, nur am Rande Beachtung. „Die Polen vor Ort hatten die Idee einer beruflichen Organisation noch nicht im Kopf. Sie verbanden sich auf Grund religiöser-, später nationaler Bedürfnisse, in dem sie Gesangsvereine, die Sokol-Turnvereine usw. gründeten, aber beruflich verbanden sie sich entweder mit der sozialistischen Gewerkschaft, dem sogenannten ‚Verband’ oder dem christlichen ‚Gewerkverein’.“19 Diese Charakteristik trifft auf die allermeisten Vereinsgründungen in den ersten zwei bis drei Jahrzehnten, d. h. von 1871 bis zur Jahrhundertwende, zu.

Diese Vereine gründeten sich in der Regel kirchennah und mit Unterstützung der örtlichen ‚deutschen’ Kirchengemeinden. Viele von ihnen bauten mit der Zeit auch eine Bibliothek mit polnischsprachigen Büchern auf. Ihre Vorsitzenden waren meist Polen, die deutschen Priester der Gemeinden übernahmen häufig eine Art Ehrenvorsitz als Patron des jeweiligen Vereins. So war beispielsweise der Vorsitzende des St. Josef-Verein zu Altenbochum der Pole Wojciech Grzegorski und der Ehrenpräses der Geistliche der Gemeinde, Pfarrer Vogel.20 An den Treffen der Vereine, ihren Umzügen und Stiftungsfeiern nahmen diese Priester oftmals teil. Politische Diskussionen und Erörterung öffentlicher Angelegenheiten waren nach den Statuten ausgeschlossen, die religiöse Bildung und moralische Hebung der Mitglieder, die meist Arbeiter waren, erklärtes Ziel. So hieß es im Statut des Jünglingsvereins unter dem Schutze des „Hl. Stanislaus Kostka“ in Langendreer:21

„§ 1. Zweck des Vereins ist die moralische und materielle Hebung der Mitglieder im Einvernehmen mit der katholischen Kirche und auf dem Boden der Lehre derselben. Einwirkung auf öffentliche und politische Angelegenheiten ist ausgeschlossen. […]

§ 6. An der Spitze des Vereins stehen: a) der Patron, b.) der Vorstand. […]

§ 7. Patron des Vereins ist der Ortspfarrer oder dessen Stellvertreter. […]

§ 8. Der Vorstand leitet den Verein […]. Der Vorstand besteht aus dem Präses, Schriftführer, Kassierer, Bibliothekar und aus den Stellvertretern derselben […].“

Auch wenn politische Diskussionen ausgeschlossen waren, wurden doch durch die enge Bindung der deutschen katholischen Kirchenhierarchie mit der konservativen Zentrums-Partei viele Polinnen und Polen zu Wählern dieser Partei.

Trotz ihrer Bindung an die ‚deutsche’ katholische Kirche und der deutlichen antisozialdemokratischen Ausrichtung wurden diese Vereine vom preußischen Staat wie auch von großen Teilen der katholischen Kirche mit Misstrauen und Ablehnung beobachtet. Man wähnte, dass unter dem Deckmantel kirchlicher Vereine nationalpolnische Ideen verfolgt würden. Diese aber kollidierten mit der preußischen Staatsräson, denn große Gebiete des östlichen Preußen waren bis zu den Teilungen Polens durch Österreich, Preußen und Russland in den Jahren 1772-95 Gebiete des bis 1795 noch existierenden Polen gewesen. In der politischen Praxis nach 1871, d. h. nach der Gründung des Deutschen Reiches, war die preußische Politik verstärkt bestrebt, die östlichen Bewohnerinnen und Bewohner zu germanisieren. Deshalb verbot man ab 1873 den Gebrauch der polnischen Sprache im Schulunterricht im gesamten Deutschen Reich.22 Dasselbe versuchte man folgerichtig dann auch mit den innerhalb des Reiches umgezogenen Bürgern, also mit den Polnisch bzw. Masurisch sprechenden Menschen.

Die katholische Kirche im sich herausbildenden Ruhrgebiet steckte in einem Dilemma. Auf der einen Seite sprach eine wachsende Anzahl ihrer aus dem Osten des Reiches stammenden Gläubigen nur oder hauptsächlich Polnisch und man musste deren Bedürfnisse, in der eigenen Sprache geistlichen Beistand zu bekommen, berücksichtigen. Andererseits hatte man Anfang der 1880er-Jahre gerade die Auseinandersetzung mit dem preußischen Staat um die Rechte der Kirche beigelegt, die Zeit des Kulturkampfes war vorüber. Diese Ruhe wollte man nicht gefährden. Dazu waren große Teile der Hierarchie – sowohl der Bischöfe wie auch der Priester – selbst von einer Politik der Germanisierung überzeugt. So wurde der polnische Liss 1894 durch den Paderborner Bischof Hubertus Simar (1891-1899) auf Drängen des Oberpräsidenten Heinrich Konrad von Studt aus Westfalen abberufen und zurück in die Diözese Kulm versetzt, weil er nach Ansicht der Behörden das Nationalbewusstsein der Polinnen und Polen stärkte.23 Neue polnische Priester wurden nunmehr nicht in die Ruhrregion berufen. Stattdessen bildete man deutsche Priester speziell für die Polenseelsorge aus, die die polnische Sprache zu lernen hatten. Dafür wurden seit 1894 an den Priesterseminaren zuerst in Paderborn und später auch in Münster Polnischkurse eingerichtet. Franciszek Liss war der letzte hauptamtliche polnische Priester im Ruhrgebiet bis zum Jahr 1945.24

 

 

Verstärkte Forderung nach polnischen Priestern

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wuchs die Zahl der zur Arbeit in das Ruhrgebiet wandernden polnischen bzw. masurischen Arbeiter und Bauern sprunghaft an. Einige brachten ihre Familien mit, viele holten sie im Laufe der Zeit nach bzw. heirateten während des Urlaubs in der alten Heimat und brachten ihre Ehefrauen mit. Mit der zunehmenden Zahl, die sich auch in der wachsenden Zahl polnisch-katholischer Vereine ausdrückte, entwickelte sich ein Bewusstsein der Stärke. Die Forderung durch polnische Gläubige nach regelmäßigen polnischsprachigen Gottesdiensten durch polnische Priester, die ihre Mentalität verstanden, wurde immer selbstbewusster geäußert. Man lehnte die deutschen polnischsprachigen Seelsorger zum größten Teil ab, weil man meinte, dass nur wenige dieser Priester die Vorstellungen der polnischen Gläubigen erfüllten, stattdessen aber ihren Germanisierungsauftrag zu verwirklichen suchten. Einer der zentralen Orte öffentlicher Protestveranstaltungen war Bochum.

Eine erste große Demonstration des aufkommenden Selbstbewusstseins polnisch-katholischer Vereine fand am 12. Juli 1891 statt. An diesem Tage hatte der Bochumer St. Barbara-Verein eine Versammlung von Delegierten aus 38 polnisch-katholischen Vereinen in Bochum organisiert. Ziel war es, einen Überblick über die polnischen Organisationen im Ruhrgebiet zu erhalten. „Außer den Delegierten waren so zahlreiche Gäste gekommen, daß die Menschenmenge weder im Saal des Stadttheaters noch in der Redemptoristen-Kirche Platz fand, in der eine polnische Predigt gehalten wurde. Anschließend bewegte sich ein farbenprächtiger Trachtenzug durch die ganze Stadt. Die Bochumer Bevölkerung nahm an diesem festlichen Umzug regen Anteil. Zum Schluß des Kongresses spielte ein Amateur-Ensemble das Stück ‚Die Krakauer Bauern und die Góralen’“.25

Drei Jahre später, am 3. Juni 1894, wurde auf dem in Bochum stattfindenden ersten polnischen Katholikentag26 eine Acht-Punkte-Resolution verabschiedet, in der man zwar grundsätzlich für die geistliche Betreuung durch die deutsche katholische Kirche dankte, aber bereits darauf drang, polnische katholische Geistliche für die Betreuung zu bekommen. „Wir sind von polnischen Eltern geboren und können nicht soviel deutsch, um deutsch beichten und deutsche Predigten zu verstehen. Daher brauchen wir polnische Seelsorger.“27

Ziemlich bald aber wurde der Ton schärfer. So unterstützte am 10. Februar 1895 in Bochum der wenige Monate vorher gegründete Bund der Polen in Deutschland (Związek Polaków w Niemczech, ZPwN) auf einer seiner ersten großen öffentlichen Kundgebungen vor 1.500 Polen die Forderung nach polnischen Priestern.28 Wiederholt wurde diese Forderung auf einer ebenfalls in Bochum stattfindenden großen Kundgebung am 27. September 1895.29

Da die katholische Amtskirche wie auch die Zentrum-Partei den Forderungen der Polen nicht entgegenkamen, kam es in dieser Zeit fast zu einem unversöhnlichen Gegenüber. Bereits deutlicher im Ton schrieb der Wiarus Polski am 19. Oktober 1899 über eine Versammlung: „Die Versammlung in Linden fand am vergangenen Sonntag in der Angelegenheit der polnischen Seelsorge statt. [… Alle] waren der Ansicht, daß für die Polen der Parochie Linden unbedingt eine bessere Seelsorge nötig sei, denn es wohnen in der Parochie ca. 800 Polen, und die letzte Predigt wurde am 28. Februar d. J. gehalten. Es wird gewiß niemand behaupten wollen, daß für so viele Polen eine Predigt im Jahr ausreichend sei. […] Was die Bemühungen betrifft, welche die Polen in Sachen der Seelsorge anstellen, so können wir nur raten, mit den Petitionen nicht aufzuhören, aber außerdem sich an die Pröbste zu halten, deren Pflicht es ist, sich um die Seelen ihrer polnischen Parochianen zu kümmern. […]. Wenn hier und dort ein polnischer Gottesdienst abgehalten wird, so geschieht das in der Regel aus Anlaß der eifrigen Bemühungen und Bitten der Polen. Daher sind die Forderungen der Polen gerecht, daß man ihnen ständige Kapläne gebe, die die Parochien, in denen Polen wohnen, alle ein oder zwei Monat regelmäßig besuchen müßten.“30 Noch schärfer hieß es in einer am 4. August 1901 auf einer Versammlung polnischer Arbeiter in der Tonhalle in Bochum verabschiedeten Resolution: „Damit wir umso erfolgreicher uns den belästigenden Verführern entgegenstellen und unseren Kindern den Glauben an die Kirche erhalten können, werden wir immer nach Geistlichen verlangen, nicht nur nach solchen, die die polnische Sprache gut verstehen, sondern die auch unsere nationalen Bedürfnisse erkennen und wirklich zu erfüllen vermögen.“31

Das Ziel, polnische Priester als Seelsorger zu bekommen, versuchte man auch dadurch zu erreichen, dass man einen Hilfsfonds gründete, der es einigen Söhnen der polnischen Arbeiter ermöglichen sollte, eine Priesterausbildung zu machen. So wurde 1894, noch zur Zeit des Priesters Liss, in Bochum der „Verein für wissenschaftliche Unterstützung unter dem Patronat des Heiligen Josaphatus“ (Towarzystwo Pomocy Naukowej pod Wezwaniem św. Józafata) gegründet. Zuerst wurden mit Hilfe dieses Vereins nur Jungen, die Priesterseminare besuchten, unterstützt, dann auch andere, die beispielsweise ein Studium aufnahmen32. Aus einer Auflistung von 1912 geht hervor, dass von den in diesem Jahr geförderten 25 Schülern und Studenten elf einen Vater als Bergarbeiter, fünf als Fabrikarbeiter, je zwei als Schmied, Schreiner und Gewerkschaftsangestellten sowie je einer als Schneider und Schumacher hatten, die Herkunft eines Vaters war unbekannt.33 Dieser Josafats-Verein war die erste überlokale polnische Organisation kirchlichen Ursprungs.

 

 

Gründung einer Vereinigung gegenseitiger Hilfe

Die mangelnde Unterstützung der Wünsche nach polnischen Priestern war ein wesentlicher Punkt, der schließlich zu einer wachsenden Distanz zwischen den polnisch-katholischen Vereinen mit den deutschen Gemeinden führte und sich in der zweiten Hälfte der 1890er-Jahre zu entwickeln begann. Aus vielen Vereinen wurden die deutschen Priester nach und nach zuerst aus den Vorständen und dann den Vereinen selbst gedrängt, wenn sie sich nicht selbst zurückzogen. Umgekehrt weigerten sich viele deutsche Priester, die Fahnen der polnischen Vereine zu weihen und polnische Vereinsfahnen auf Prozessionen zuzulassen. In dieser Situation bekamen Bewerbungen polnischer Kandidaten für Kirchengremien eine besondere Bedeutung, da in vielen Gemeinden polnischsprachige Katholiken einen beachtlichen Teil der Gläubigen stellten und auch in finanzieller Hinsicht großes Gewicht besaßen. Diese Kandidaturen errangen in einigen Gemeinden einen deutlichen Anteil in den Kirchengremien, teilweise sogar wie 1905 in Gerthe die Mehrheit.34 Letztlich führte diese Auseinandersetzung dazu, dass sich viele polnisch-katholischen Vereine nach und nach politisierten und einen immer stärkeren national-polnischen Charakter bekamen. Wenn sie auch die Bindungen zur deutschen katholischen Kirche nicht vollständig abreißen ließen, so löste sich doch durch diese Auseinandersetzungen bei vielen polnischen Arbeitern die politische Bindung zur Zentrum-Partei, denn auch sie unterstützte grundsätzlich die Germanisierungspolitik des preußischen Reiches.

Die Gründungswelle polnischer Vereine mit bewusst katholischer Ausrichtung wurde dadurch aber nicht gebremst. Existierten 1896 im sich herausbildenden Ruhrgebiet 77 Vereine dieser Art, so waren 1904 bereits fast 200 registriert und 368 im Jahre 1911, gemäß der offiziellen Statistik des Polizeipräsidenten Bochum vom 1. April 1911.35 Da aber die meisten der hier aus dem preußischen Osten stammenden Arbeitenden wenn überhaupt nur eine elementare Schulausbildung besaßen36, hatten sie große Schwierigkeiten bei Vereinsgründungen, Anmeldungen von Veranstaltungen oder Kundgebungen und ähnlichen Vorhaben gegenüber den Behörden. Deshalb gründete sich 1904 auf Initiative des Wiarus Polski der „Bund polnisch-katholischer Vereine für gegenseitige Hilfe in Westfalen, im Rheinland und in den benachbarten Provinzen mit Sitz in Bochum“ („Związek Wzajemnej Pomocy Poslkich Towarzystw Katolickich dla Westfalii, Nadrenii i Prowincji Sąsiedzkich z Siedzibą w Bochum”).37 Erster Vorsitzender wurde der in Bochum wohnende Redakteur des Wiarus Polski Stanisław Kuńca.38 Direkt bei Gründung schlossen sich ihm 27 Vereine an39, 1912 waren 139 Mitglied und 1914 war mit 174 polnisch-katholischen Vereinen, die ca. 18.500 Mitglieder hatten, die Mehrheit der Ruhrgebietsvereine in diesem Verband organisiert.40

Aufgabe des Bundes polnisch-katholischer Vereine sollte die

- gegenseitige Unterstützung bei der Gründung von Vereinen und der Erstellung seiner Statuten entsprechend den staatlichen Vorgaben,

- Organisation von Vorträgen und Diskussionstreffen durch die Bereitstellung von Referenten,

- Vervielfältigung von Informationen, Vorträgen und deren Verbreitung,

- Unterstützung bei der Organisation von Kundgebungen und Versammlungen,

- allgemeine Beratung von Vereinen und ihren Mitgliedern

- sowie die Schlichtung von Streitereien zwischen Vereinen und einzelnen Mitgliedern

sein.41

 

 

Identitätsstiftend: Gesang und Sport

Eng verbunden mit der Entwicklung der polnisch-katholischen Vereine war die Chorbewegung. Die ersten Chöre entstanden innerhalb der polnisch-katholischen Vereine, begannen dann aber, sich in eigenständigen Vereinen zu organisieren. Die Chöre hatten für die Entwicklung eines nationalen Bewusstseins der Ruhrpolinnen und Ruhrpolen eine enorme Bedeutung. Sie sangen auf den Vereins-, Stiftungs-, Weihnachts-, Oster- und Erntedankfesten kirchliche Lieder wie auch Heimatlieder und Volkslieder in polnischer Sprache. Oftmals waren hier auch kleine Laienspielgruppen angeschlossen. Diese Chöre übten eine große Anziehungskraft aus und organisierten viele Polinnen und Polen. So existierten in Bochum 1906 sieben „Gesangvereine“.42Der wohl größte unter ihnen, der drei Jahre zuvor gegründete Chor Lutnia aus Langendreer, hatte über 200 Mitglieder.43Im Ruhrgebiet gab es vor dem 1. Weltkrieg über 200 Chöre, einschließlich polnischer Kirchenchöre.44Viele der Chöre schlossen sich 1906 im Verband der Gesangsvereine in Westfalen und Rheinland (Związek Kół śpiewawczych Westfalii i Nadrenii) zusammen, der seinen Sitz in direkter Nachbarschaft zu Bochum in Gelsenkirchen hatte.45

Etwas später als die Chöre entstanden im Ruhrgebiet die ersten polnischen Turnvereine, die Sokolvereine. Sie wurden von Beginn an besonders intensiv von der preußischen Polizei beobachtet, da in diesen Vereinen nicht nur Sport getrieben wurde, sondern auf den Versammlungen auch Vorlesungen zur polnischen Geschichte, Sprache und Literatur gehalten wurden. Die Zentrale der Sokolbewegung befand sich in Posen. Die Vereine wurden, als ihre Anzahl immer größer wurde, in den folgenden Jahren in Bezirksverbänden, Gau genannt, zusammengefasst. Die Gauleitung für das Ruhrgebiet befand sich zuerst in Oberhausen, 1902 siedelte sie nach Herne um.46In Bochum gab es 1913 vier Sokolvereine mit fast 220 Mitgliedern.47

 

 

Der Wiarus Polski – eine polnisch(sprachig)e Tageszeitung

Kurze Zeit nach der Aufnahme seiner seelsorgerischen Arbeit gründete Liss Ende 1890 in Bochum die polnischsprachige Zeitung Wiarus Polski. Dieser Name bedeutet soviel wie „Alter Polnischer Schutzpatron“ oder auch „Polnischer Knappe“. „Die politische Richtung dieses Blattes kann in dieser Zeit als ultramontan und dem Zentrum verpflichtet bezeichnet werden. Gleichzeitig aber verfolgte der ‚Wiarus’ konsequent das ihm gesetzte Ziel, das sich allerdings bald als ein von den Absichten der Auftraggeber abweichendes erweisen sollte: Die Schaffung eines einheitlichen polnischen Emigranten-Zentrums im Ruhrgebiet mit der Schaltstelle Bochum und einem eigenen Presse-Organ.“48

Mit der Zeitung schuf Liss ein Instrument, das den Zusammenhalt und die Herausbildung eines nationalpolnischen Bewusstseins unter den im Ruhrgebiet lebenden Polinnen und Polen förderte. So hieß es 1904 im Kopf der Zeitung: „WIARUS POLSKI. Täglich erscheinende Zeitung für die Polen in der Fremde zu deren Bildung sowie für nationale, politische und die Lohnarbeit betreffende Angelegenheiten“49. Es war keine religiöse Zeitung, obwohl sie eindeutig katholisch ausgerichtet war. Der katholisch-religiöse Aspekt wurde dadurch unterstrichen, dass einmal wöchentlich, donnerstags, der Wiarus Polski die religiöse achtseitige Zeitung „Nauka Katolicka“ (Katholische Lehre) im DIN A 5-Format als Beilage herausgab. Im Kopf dieser Wochenbeilage hieß es unmissverständlich: „Der ‚Wiarus Polski’ ist eine politische Zeitung“.50

Der Wiarus Polski diente aber nicht nur als Interessenvertretung sowie Bildungs- und Informationsblatt für die „Polen in der Fremde“ sondern war auch von Beginn an als Kampfinstrument gegen sozialdemokratische Ideen unter den Polen gedacht.51 Die zunächst dreimal, seit dem 1. Juli 1902 sechsmal pro Woche erscheinende Tageszeitung52 fungierte darüber hinaus als Nachrichten- und Ankündigungsblatt für die aktiven Polinnen und Polen in dieser Region. Hier konnte man beispielsweise lesen, wann sich welcher Verein gründete, wo er seine Feste feierte und wann die Vereins- und andere Versammlungen stattfanden. Sitz der Redaktion wie auch Druckort war Bochum, in der Nähe des Redemptoristenklosters, zuerst im Kloster selbst, dann in der Maltheserstraße 17,53 und später in der Klosterstraße 8-10 (die heutige Straße Am Kortländer).

Der Redaktion gehörte seit Anfang 1893 der im westpreußischen Preußisch-Stargard geborene Jan Brejski an.54 Dieser übernahm die Zeitung 1893 als Eigentümer, nachdem Liss sich geweigert hatte, den Forderungen seiner kirchlichen Vorgesetzten nachzukommen und die Zeitung einzustellen.55 Der in Bochum wohnende Bruder von Jan Brejski, Anton Brejski, übernahm später dann die Leitung der Redaktion.56 Nicht zuletzt die Weigerung von Liss, den Wiarus Polski einzustellen, führte einige Monate später dazu, dass er im Sommer 1894 zurück in die Diözese Kulm versetzt wurde. Der Wiarus Polski war zu mindestens bis zum I. Weltkrieg die bedeutendste polnische Zeitung im Ruhrgebiet, auch wenn sich später zwei andere Tageszeitungen, zuerst der Narodowiec (Der Nationalist im Sinne von Der Nationalbewusste Pole) in Oberhausen, dann der Naród (Das Volk)in Herne gründeten. Im Gegensatz zum Wiarus Polski waren diese beiden Zeitungen nicht unter dem Schild der katholischen Kirche gegründet worden. Trotzdem aber waren aber sie wie der Wiarus streng national ausgerichtet.57

In der Redaktion des Wiarus Polski liefen viele Fäden aus den verschiedenen Städten des Ruhrgebiets zusammen, waren doch die Redakteure meist auch über die Zeitungsarbeit hinaus aktiv an der Organisation der Polen in Vereinen und der Verbreitung der nationalpolnischen Ideen beteiligt oder hatten engen Kontakt zu den örtlichen Aktivisten. So stellte der Amtmann von Baukau in einem Bericht vom 27. November 1899 fest: „In den Versammlungen wird nur polnisch gesprochen, bei Vereinsfestlichkeiten werden polnische Theaterstücke aufgeführt und polnische Lieder gesungen; auch besitzen die Vereine polnische Bibliotheken. Als Regisseur erscheint fast immer der Redakteur des Wiarus Polski auf der Bildfläche. [… Er] erscheint möglichst bei allen größeren Festlichkeiten und hält Ansprachen. Kann er nicht selbst kommen, so schickt er andere Personen, die in seinem Sinne handeln. Dabei macht er selbst aber durch seine Leute eifrigst Propaganda für seine Zeitung.“58

In den Bochumer Redaktionsräumen wurde häufig mit polnischen Aktivisten diskutiert und beraten. Ergebnis dessen waren dann beispielsweise die mehr oder weniger an den aktuellen Bedürfnissen der Polenbewegung orientierten Organisationsgründungen wie die des Polenbun-des 1894, einer polnischen Gewerkschaft 1902 oder auch die Gründung des „Bundes der polnischen-katholischen Vereine“, der oben beschriebenen Hilfsorganisation für die polnisch-katholischen Vereine. So entstand zuerst um die Redaktion der Zeitung herum, dann aber auch um die anderen regionalen Organisationen nach und nach ein Stamm an polnischen Aktivisten.

 

 

Der Bund der Polen

Bereits seit den frühen 1890er-Jahren gab es Bestrebungen, auch außerhalb der katholischen Vereine polnische Organisationen mit mehr politischer Zielrichtung zu gründen. Sicherlich hat das reglementierende Verhalten der katholischen Kirche, des Katholischen Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter und des preußischen Staates gegenüber den Polen und Polinnen diese Entwicklung beschleunigt. Waren die kirchlich orientierten Vereine nahezu alle – eine Ausnahme bildete der oben genannte Josafats-Verein – eindeutig lokal ausgerichtet, richteten die politisch orientierten Vereine ihre Struktur von Beginn an überörtlich aus.

In den 1890er Jahren versuchten nun die Brüder Jan und Anton Brejski um den Wiarus Polski eine eigenständige politische Organisation aufzubauen, die als Dachorganisation für alle in deutschen Provinzen lebenden Polinnen und Polen fungieren sollte. Deshalb gründeten sie zusammen mit anderen im August 1894 in Bochum den Bund der Polen in Deutschland (Związek Polaków w Niemczech), kurz Polenbund genannt. Faktisches Organ des Polenbundes war der Wiarus Polski, der Sitz Bochum.59 Seine Wirkung blieb allerdings weitgehend auf das Ruhrgebiet beschränkt.60 Es gelang dem Polenbund zwar in vielen Orten und Stadtkreisen Untergruppen zu bilden und in ihnen eine große Anzahl Vorsitzender polnischer Vereine sowie Einzelpersonen zu organisieren, breitere Bevölkerungsschichten der Ruhrpolen, d. h. die polnischen Arbeiter, jedoch nicht. Trotzdem spielte er in den ersten Jahren seiner Existenz eine bedeutende Rolle, weil er den Forderungen und Bedürfnissen vieler Polin-nen und Polen öffentlich Ausdruck verlieh. So stellte er Redner auf Versammlungen polnischer Vereine, auf denen die Belange der Ruhrpolen diskutiert und formuliert wurden, organisierte öffentliche Protestversammlungen dazu und verbreitete Stellungnahmen zu wichtigen, die Polen betreffenden Problemen.61 Diese Aktivitäten wie auch die Berichterstattung darüber führten nicht selten zu strafrechtlichen Verfolgungen durch die Behörden. So wurde beispielsweise Anton Brejski am 31. Januar 1903 wegen der Art der Berichterstattung über die Auflösung einer Versammlung des Polenbundes durch die preußische Polizei u. a. zu „200 M evtl. 20 Tagen Haft“ verurteilt.62

Neben der Forderung nach polnischen Priestern spielte in der Arbeit des Polenbundes die Forderung nach Berücksichtigung der polnischen Sprache überhaupt in den Bereichen, wo Polen in großer Anzahl arbeiteten und lebten, eine wichtige Rolle. Ausdruck dessen war eine große Protestveranstaltung zur Berücksichtigung der polnischen Sprache im öffentlichen Leben in der Tonhalle in Bochum am 5. März 1899. Hier forderten die Anwesenden,

- alle staatlichen Verordnungen in die polnische Sprache zu übersetzen,

- die polnische Sprache in den Zechen zuzulassen und

- in der Bergbauschule in Bochum eine polnische Abteilung einzurichten.63

Die grundsätzliche Ausrichtung des Polenbundes war nationalpolnisch, man forderte die Polen auf, deutsche Vereine wie auch Organisationen zu meiden und sich nur in eigenen Vereinen zu organisieren. Ganz in diesem Sinne veröffentlichte der Wiarus Polski am 19. Oktober 1899 einen Leserbrief unter der Überschrift „Bleiben wir unter uns!“. Darin lehnte der wahrscheinlich aus Langendreer stammende Schreiber64 ein Angebot eines deutschen katholischen Vereins aus Langendreer an einen polnisch-katholischen Verein ab, dessen Jahresfest zusammen zu feiern.65 Die Redaktion der Zeitung unterstützte ausdrücklich die Haltung des Leserbriefschreibers: „Wir erwarten, dass weder der Vorstand noch die Mitglieder darauf eingehen. Leben wir mit den Deutschen in Eintracht, aber verweilen wir unter uns! Red.“66

Der Polenbund verlor seit der 1902 erfolgten Gründung der polnischen Gewerkschaft Zjednoczenie Zawodowe Polskie (Polnische gewerkschaftliche Vereinigung, ZZP) schrittweise seine Bedeutung. Der Gewerkschaft ZZP gelang es im Gegensatz zu ihm, sich eine deutlich breitere Basis unter den polnischen Arbeitern zu verschaffen. Mit wachsender Stärke führte sie wichtige, bisher vom Polenbund wahrgenommene Aufgaben durch: öffentliche Kundgebungen zu Problemen der polnischen Bevölkerung und Formulierung von Forderungen an die deutsche Öffentlichkeit. 1910 schloss sich dann der Polenbund mit der 1905 in Posen gegründeten, ähnlich ausgerichteten Organisation „Straż“ (Die Wacht) faktisch zusammen, 1912 löste er sich dann auch offiziell auf.67

 

 

Organisierte Teilnahme an den Wahlen

Die sich immer mehr organisierende ruhrpolnische Bewegung beließ es aber nicht dabei, die ‚eigenen’ Leute zu organisieren und ihren Interessen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, sondern versuchte auch durch die Teilnahme am gesamtgesellschaftspolitischen Leben ihren Einfluss zu vergrößern. Einerseits geschah das durch die Aufstellung eigener, polnischer Kandidatinnen und Kandidaten in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – wie bei den Wahlen zu den Kirchenvorständen, den Knappschaftsältesten oder auch den Berggewerbegerichten, andererseits organisierte sie ihren Einfluss bei den Kommunal-, Landtags- und Reichstagswahlen.

Das erste Mal war es 1893 durch die Existenz des Wiarus Polski möglich, als polnische Gruppe seine Stimme anlässlich der Reichstagswahlen hören zu lassen. Die Orientierung auf die Zentrums-Partei war hier noch eindeutig. Der Wiarus Polski rief zu ihrer Wahl auf.68 Anders war es bereits fünf Jahre später. Die mangelnde Unterstützung der Zentrums-Partei wie auch der katholischen Kirchenhierarchie für die Forderungen nach Förderung der polnischen Sprache und polnischen Priestern führte dazu, dass man vor der Reichstagswahl 1898 Bedingungen an die Partei bzw. an deren Kandidaten stellte.69 Um das wirksamer tun zu können, hatte man einige Monate vorher, am 12. Dezember 1897, die Gründung eines „Wahlkomitees für Westfalen, Rheinland und die benachbarten Provinzen“ (Komitet Wyborczy dla Westfalii, Nadrenii i Sąsiednich Prowincji – kurz auch Hauptwahlkomitee genannt) mit dem Sitz in Bochum beschlossen.70

Die offizielle Gründung fand dann ein Jahr später, am 12. Dezember 1898 statt.71

Das Hauptwahlkomitee organisierte entsprechend seinen im Jahre 1903 geänderten Statuten seine Arbeit von Oben nach Unten.72 Es entsandte Delegierte in die Kreise, die dort die Kreiswahlkomitees gründeten. Diese wiederum entsandten Vertreter in das Hauptwahlkomitee. In den Kreiswahlkomitees mussten – so § 2 der Statuten – jeweils zwei Vertreter des Wiarus Polski Mitglied sein; der Schriftführer sollte ein Redaktionsmitglied des Wiarus Polski sein. Erst nach Veröffentlichung im Wiarus Polski wurden die Beschlüsse verbindlich. Damit wurde quasi ein Exekutivorgan der ruhrpolnischen Bewegung geschaffen. Dieses hatte seinen Sitz in Bochum, womit die Stadt auch in dieser Hinsicht mehr und mehr zum Ausgangspunkt der Organisation der Ruhrpolen und in Folge dessen zu seinem Zentrum wurde.

Mit wachsendem Organisationsgrad stieg auch das politische Selbstbewusstsein der Ruhrpolen und die Bedeutung des Bochumer Zentrums gegenüber den anderen polnischen Zentren des Deutschen Reiches in Berlin und Posen. Eigene Meinungen wurden entwickelt und auch umgesetzt. So kam es zu starken Auseinandersetzungen mit dem Polenzentrum in Posen. Hier hatte sich 1903 ein Zentralkomitee für die Koordinierung der Wahlen im gesamten Deutschen Reich gegründet, dem auch das Bochumer Hauptwahlkomitee angehörte.73 Dieses Zentralkomitee empfahl bei den Reichstagswahlen 1903 die Wahl der Kandidaten der Zentrums-Partei. Das Hauptwahlkomitee in Bochum befolgte diese Empfehlung jedoch nicht, sondern stellte im Ruhrgebiet mit dem Schriftsteller Józef Chociszewski aus Gnesen einen eigenen Kandidaten für den ersten Wahldurchgang auf. Für die notwendige Stichwahl empfahl es Stimmenthaltung, sodass der Zentrums-Partei drei sicher geglaubte Wahlkreise verloren gingen.74

Am 29. September 1907 gab sich dann das Hauptwahlkomitee ein neues Wahlreglement, dessen § 8 nach Einschätzung des damaligen Regierungspräsidenten von Arnsberg die politische Eigenständigkeit des Hauptwahlkomitees in Bochum unterstrich. So stellt der Regierungspräsident fest: Der „§ 8 [enthält] die Bestimmung, daß die Polen bei den Hauptwahlen ausnahmslos nur für den polnischen Kandidaten stimmen. Diese Bestimmung wendet sich gegen die im Osten, besonders in Schlesien, offenbar geplanten Wahlkompromisse zwischen Zentrum und Polen, für die die Stimmen der Polen im Westen als Kompensation dienen sollten. Sie wendet sich zugleich auch gegen das ‚polnische Zentralwahlkomitee für das Deutsche Reich’ in Posen, dessen bei der diesjährigen Reichstagswahl für die Stichwahlen in Bochum, Dortmund und Duisburg ausgegebene Parole: Stimmenabgabe für die sozialdemokratischen Kandidaten! zwar befolgt, hinterher aber als den ‚nationalen’ Interessen zuwiderlaufend bezeichnet worden ist.“75 1912 dann entschied das Hauptwahlkomitee in Bochum – gegen den Beschluss des zentralen Wahlkomitees in Posen – zur Wahl des Zentrumskandidaten aufzurufen.76

Die Kreiswahlkomitees bekamen für die Entwicklung der ruhrpolnischen Bewegung dann durch ein neues Gesetz der preußischen Regierung noch in anderer Hinsicht eine große Bedeutung. Das 1908 erlassene Vereinsgesetz verbot den Gebrauch der polnischen Sprache bei öffentlichen politischen Veranstaltungen. Ausgenommen von dem Sprachverbot waren aber Wahlversammlungen. „In Westfalen kam es in Folge dessen zu einem großen Aufschwung von Wahlorganisationen“.77 Das war auch im Landkreis Bochum zu beobachten. Gab es 1909 nur den Wahlverein in Altenbochum mit 100 Mitgliedern,78 waren es 1912 bereits drei – in Altenbochum mit 100, in Langendreer mit 230 sowie in Werne mit 19 Mitgliedern79 – und 1913 vier durch die Gründung eines Wahlvereins in Somborn.80 Während der Wahlperioden wurden von den Wahlvereinen eine große Anzahl Wahlversammlungen einberufen, die aber oftmals nur am Rande etwas mit den Wahlen zu tun hatten. Diese sicherlich vom Bochumer Hauptwahlkomitee mit entwickelte und umgesetzte Taktik blieb auch der preußischen Polizei nicht verborgen. „Am 22. April 1912 berichtete der Polizeipräsident in Bochum dem Regierungspräsidenten in Arnsberg; dass die Polen nunmehr in fast jedem Ort im Industriebezirk, wo ihre Zahl nennenswert ist, in einem Wahlverein politisch organisiert sind und bei einer anderen Gelegenheit warnte er die übergeordnete Behörde: die Wahlkampagne wurde zur Förderung der nationalen Aufklärung und zur Stärkung polnischer Vereine und Organisationen ausgenützt.“81

 

 

Die Gründung einer eigenen Gewerkschaft

Die polnisch-katholischen Vereine erfüllten so lange die Bedürfnisse der zugewanderten Polinnen und Polen, so lange der Aufenthalt im Ruhrgebiet nur vorläufig, d. h. auf wenige Jahre begrenzt sein sollte. Für wenige Jahre konnte man eine gewisse Rechtlosigkeit, Diskriminierung und ein Leben im Provisorium ertragen. Zwar ging tatsächlich ein Teil der polnischen Erwerbsmigranten nach einigen Jahren wieder zurück, aber die anderen blieben eine immer längere Zeit. So wuchs das Bedürfnis, auch im Arbeitsleben eine wirksame Interessenvertretung zu haben. Forderungen nach stärkerer Berücksichtigung der polnischen Sprache am Arbeitsplatz auf den Schachtanlagen wurden laut.82 Diese Forderungen erschienen insoweit berechtigt, war doch ein hoher Anteil der Belegschaften auf den Schachtanlagen polnischsprachig. Auf etlichen Zechen bildeten sie sogar die Mehrheit der Belegschaften. Diese Schachtanlagen hießen im Volksmund „Polenzechen“.83 Auch innerhalb der deutschen Gewerkschaften – des sozialdemokratischen „Alten Verbandes“ ebenso wie des christlichen „Gewerkvereins“ – fühlten sich die polnischen Mitglieder zu wenig berücksichtigt.84 So forderten sie, die Organisationsstatuten wie auch die Organisationszeitungen in polnischer Sprache herauszugeben. Statt dem aber entgegenzukommen, ignorierten die deutschen Gewerkschaften weitgehend diese und ähnliche Forderungen. So wurde die Herausgabe der polnischsprachigen Zeitung „Górnik“ (Der Bergmann) durch den Alten Verband bereits 1899, knapp zwei Jahre nach seinem ersten Erscheinen,wieder eingestellt und erst nach Gründung des polnischen Gewerkschaftsverbandes neu herausgegeben.85

Mit dem Gesetz vom 25. Januar 1899, das Einstellung wie Beförderung von Bergleuten von der Beherrschung der deutschen Sprache abhängig machte,86 verschärfte der preußische Staat, unterstützt durch die Zechenbesitzer und die christliche Gewerkschaft, die Situation. Namentlich „die christliche Gewerkschaft, an vorderster Stelle deren Vorsitzender Brust, war 1901 darum bemüht, dass gegenüber polnischen Arbeitern Ausnahmerechte angewendet wurden, auf deren Grundlage Polen geprüft wurden, ob sie ausreichend sowohl schriftlich wie auch mündlich die deutsche Sprache beherrschten. Mit Hilfe dieses Rechts gelang es, viele Polen zu entlassen und man konnte den hiesigen Arbeitsmarkt zu Gunsten der deutschen Arbeiter bereinigen“, so die polnische Ansicht in einem 1969 erschienenen Aufsatz.87 Das Gesetz war für die Polen diskriminierend: „Da die deutschen Verbände mit ihrer Forderung nach polnischer Übersetzung der wichtigsten Vorschriften im Bergbau nicht durchgedrungen waren, begrüßten sie diese Verordnung schließlich aus Sicherheitsgründen trotz ihres für die Polen diskriminierenden Charakters.“88

Mit der Zeit wuchs das Gefühl unter vielen polnischen Bergleuten und Hüttenarbeitern, ohne Unterstützung seitens der deutschen Arbeiterorganisationen zu sein. „Man kam nach sachlicher Überlegung zu dem Ergebnis, dass durch die berufliche Organisierung in deutschen Gewerkschaften die Polen nicht nur den Verlust ihrer Tugenden und Gebräuche riskierten, die sie in zahlreichen polnischen Vereinen pflegten, sondern dass die Organisierung den Polen auch nicht den geringsten Nutzen bringt, denn die deutschen Gewerkschaften nutzten die Polen nur als Reserve und Beitragszahler. Weiter wurde festgestellt, dass der berufliche Lebensbereich von hoher Bedeutung ist. Um die polnischen Arbeiter bezüglich der sozial-politischen Probleme weiterzubringen, muss man sie ausbilden und schulen und zwar in der Sprache, die sie besser verstehen, d. h. in der Muttersprache.“89

Auf Grund dieser Überlegungen und Erfahrungen organisierten 1902 einige Aktivisten der ruhrpolnischen Bewegung die Gründung einer eigenen Gewerkschaft. Auch hier war der Gründungsort Bochum. Am Gründungstag traf sich zuerst inoffiziell ein kleiner Kreis von etwa 25 Personen in der Redaktion des Wiarus Polski, der die offizielle Gründungsversammlung mit etwa 200 Personen vorbereitete.90 Initiatoren dieser am 2. November 1902 gegründeten Gewerkschaft unter dem Namen „Polnische gewerkschaftliche Vereinigung, […] dessen Sitz die Stadt Bochum ist“91 (Zjednoczenie Zawodowe Polskie – ZZP), waren die Brüder Jan und Anton Brejski vom Wiarus Polski sowie die Bergarbeiter Jan Wilkowski und Franziszek Mańkowski. In den ersten Vorstand wurden u. a. Stefan Rejer aus Gelsenkirchen-Ückendorf als Vorsitzender sowie die beiden Bochumer Jan Jankowiak als Schatzmeister und Hipolit Sibilski als Schriftführer gewählt. Die ZZP gab eine Zeitung unter dem Namen „Zjednoczenie“ (Vereinigung) heraus, die bereits 1906 eine Auflage von 36.000 Stück erreichte.92 Ihre Redaktion befand sich in den ersten Jahren in der Blücherstraße 1 (heute Stühmeyerstraße), gedruckt wurde sie in der Druckerei des Wiarus Polski, Maltheserstraße 17.93

Zu den Grundlagen der Arbeit und den Zielen hieß es in der Satzung:94

§ 2. Aufgabe der „Vereinigung“ ist die moralische und materielle Hebung seiner Mitglieder, die Sicherung ausreichenden und ständigen Verdienstes wie auch der gebührenden Achtung und Stellung in der Gesellschaft.

§ 3. Zur Erreichung dieser Zwecke kann die ‚Vereinigung’ sich aller Mittel bedienen, die durch die
christliche Lehre erlaubt und durch Gesetz nicht verboten sind.

Besonders soll die ‚Vereinigung’

a. sich für die Mitglieder bei Arbeitgebern, Behörden und parlamentarischen Körperschaften verwenden;

b. öffentliche Versammlungen veranstalten zwecks Besprechung der Angelegenheiten und der allgemeinen Rechte der Mitglieder wie auch zur Belehrung der letzteren über die Bestimmungen betreffend die Versicherung und den Schutz der Arbeiter;

c. Flugblätter und Broschüren herausgeben und verbreiten, die über die Arbeiterverhältnisse im Allgemeinen und die ‚Vereinigung’ im Besonderen belehren;

d. Fonds bilden für Todesfälle und für Selbsthilfe für den Fall der Arbeitslosigkeit;

e. ein Rechtsschutzbureau für Arbeiterangelegenheiten und einen Arbeitsnachweis unterhalten.“

Der § 4 legte darüber hinaus fest, dass „religiöse und politische Streitfragen und jede sozialdemokratische Agitation […] bedingungslos ausgeschlossen“ sind.95

Die ZZP „war eine Organisation, die nicht nur den Schutz der Arbeiter als ihre Aufgabe ansah, sondern auch die Heranbildung entsprechender gesellschaftlicher Aktivisten unter den Emigranten, die wenige Jahre zuvor den polnischen Heimatboden verlassen hatten, wobei viele von ihnen nicht einmal Polnisch lesen und schreiben konnten und eine polnische Zeitung erst in der Emigration kennenlernten.“96 Deshalb hatte für die Zukunft der ruhrpolnischen Bewegung die im Statut ausdrücklich festgeschriebene Aufgabe, seinen Mitgliedern die gebührende Achtung und Stellung in der Gesellschaft zu sichern, eine große Bedeutung, denn dadurch „vergaß sie [die ZZP] nicht, den Bildungshorizont ihrer Mitglieder zu erweitern. Von Beginn an erachteten die Leiter […] die Bildungsarbeit als vorrangigstes Ziel“.97 Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Mitglieder sowohl sprachlich, aber vor allem hinsichtlich der Gesetze und Verordnungen in der Arbeitswelt geschult. So bildete die ZZP nach und nach einen gewissen Kader heran, der in der Lage war, sich für die beruflichen Vertretungseinrichtungen zur Wahl zu stellen und nach der Erringung eines Mandates die Rolle auch erfüllen zu können. Sichtbarer Erfolg dieser Bemühungen zeigte sich z. B. darin, dass es 1913 aus den Reihen der ZZP 32 Knappschaftsälteste und 29 Beisitzer der Berufsgerichte gab.98

Die rasante Mitgliederentwicklung der ZZP zeigte, dass ihre Gründung den Bedürfnissen vieler polnischer Arbeiter entsprach. Sie wurde schnell zur stärksten Organisation der ruhrpolnischen Bewegung. Gab es 1903 bereits 9.600 Mitglieder, so waren es 1905/06 schon 25.000, 1910 über 38.00099 und 1913 fast 80.000100. Die Stärke der ZZP nahmen sehr schnell auch die deutschen Gewerkschaften zur Kenntnis, zumal sie sich an den Streiks sehr aktiv beteiligte. Während des großen Bergarbeiterstreiks von 1905, der in Langendreer auf der Zeche Bruchstraße begann und schnell auf die umliegenden Orte übergriff, wurde ein zentrales Streikkomitee gebildet, die Siebenerkommission, von denen zeitweise zwei Mitglieder, Józef Regulski aus Elberfeld und Jan Brzeskot aus Bochum, der polnischen Gewerkschaft ZZP angehörten.101

Die ZZP bekam aber nicht nur im Ruhrgebiet Zulauf. Auch in den preußischen Ostprovinzen traten Polen in diese Gewerkschaft ein. So wurde sie schnell die stärkste polnische Gewerkschaft im deutschen Kaiserreich. 1909 vereinigte sich die ZZP mit dem in Posen ansässigen „Polnischen Berufverband“ (Polski Związek Zawodowy   PZZ) und dem „Oberschlesischen Verein Christlicher Arbeiter zur Gegenseitigen Hilfe“ (Związek Wzajemnej Pomocy Chrześcijańskich Robotników Górnośląskich – ZWP). Diese neue Gewerkschaft, die ebenfalls den Namen ZZP führte, bildete drei Abteilungen, von denen die stärkste, die Bergarbeiterabteilung wie auch der Zentralvorstand ihren Sitz in Bochum hatten. Letzterer verlegte dann 1911 seinen Sitz nach Kattowitz.

Innerhalb des neuen ZZP spielte die Bergarbeiterabteilung mit ihrer Zentrale in Bochum weiterhin eine selbständige Rolle.102 So nahm sie sehr aktiv am Bergarbeiterstreik 1912 teil, was von der Zentrale des ZZP in Kattowitz gar nicht gerne gesehen wurde. Dem Vorstand der Bergarbeiterabteilung in Bochum wurden sozialistische Tendenzen unterstellt. Aber diese hatte wie auch ihr Vorsitzender, Franciszek Mankowski, eine so starke Stellung unter den polnischen Arbeitern des Ruhrgebiets, dass an Maßnahmen gegen sie von Seiten der Zentrale der ZZP nicht zu denken war.

 

 

Der polnische Querschlag

Die Lokalisierung dieser zentralen bzw. regionalen ruhrpolnischen Organisationen in Bochum führte in der Folge zu einem großen Raumbedarf. Deshalb wurde 1905 das „Baukomitee für das Polnische Haus in Bochum“ (Komitet Budowy Domu Polskiego w Bochum)103 gegründet, das in den folgenden Jahren in der Lage war, den Kauf von sieben Häusern in der Klosterstraße, heute Am Kortländer, zu organisieren. Sie standen direkt nebeneinander und hatten die Hausnummern 2-14.

 

Diese Häuser wurden zum Sitz fast aller sich in Bochum befindender polnischer regionaler bzw. überregionaler Organisationen. Sie bildeten damit auch das organisatorische Zentrum des organisierten Ruhrpolentums. Ebenso befanden sich hier die gewerkschaftlichen Rechtsberatung und Sozialbüros. Folgende Einrichtungen fanden in den Jahren bis 1939 hier ihren Sitz:104

 

Nr.

Einrichtung

2

die Arbeiterbank – Bank Robotników

4

die Polnische Gewerkschaftsvereinigung – Zjednoczenie Zawodowe Polskie

6

eine Filiale der Handelsbank – Kasa deposytowa Bank Handlowy eGmbH

6

das Ausführendes Komitee – Komitet Wykonawczy

6

der Bund der Polen in Deutschland – Związek Polaków w Niemczech

6

die Nationale Arbeiterpartei – Narodowa Partia Robotnicza

6

die Zentrale der Volksbüchereien – Centrala bibliotek ludowych

6

das Sekretariat der Schulvereine – Sekretariat Towarzystw Szkolnych

8+10

die Redaktion und die Druckerei des Wiarus Polski sowie das Soziale Büro der Reichstagsfraktion

12

die Abteilung Bergbau der polnischen Gewerkschaft ZZP

14

wohnten Privatpersonen

 

1912 hatten in einem der Häuser darüber hinaus drei polnische Ärzte ihre Praxen wie auch der polnische Rechtsanwalt Anton Banaszek seine Rechtanwaltskanzlei.105

Mit dem Kauf der Häuser fand die Entwicklung Bochums zum organisatorischen und politischen Zentrum des organisierten Ruhrpolentums ihren ersten Abschluss. Auch bei vielen Deutschen, vor allem den in diesem Stadtteil wohnenden, wurde die Existenz dieser Zentrale wahrgenommen und mit der Zeit prägte sich ein bestimmter Namen ein: Die Klosterstraße bekam im Volksmund den Zweitnamen „Polnischer Querschlag“ oder auch „Klein Warschau“106. Heute ist bei der dort wohnenden Bevölkerung nichts mehr von dieser einstmaligen Bedeutung bekannt, nur die Hausinschrift an der Seitenwand des Hauses Nr. 6 zeugt noch davon: Bank Robotników – Arbeiterbank.

 

 

Ein polnischer Mittelstand bildet sich heraus

Die polnische Erwerbsmigration ins Ruhrgebiet bestand nahezu ausschließlich aus Arbeitern und ehemaligen Bauern. Teilweise hatten diese noch nicht einmal ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse.107 Die polnischen Vereine, die Gewerkschaft ZZP wie auch die in Berlin gegründete Bildungsorganisation „Oświata“ (Bildung)108 halfen ihnen, sich die notwendigen Fähigkeiten anzueignen. Einige Arbeiter versuchten dann mit der Zeit, sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Teilweise geschah dies aus dem Willen, der harten Arbeit unter Tage oder in der Fabrik zu entkommen, teilweise war es ein Versuch, mit der Arbeitslosigkeit fertig zu werden.109 Meist sah es so aus, dass die Männer weiter arbeiten gingen, während die Frauen die Geschäfte führten. Man versuchte durch Aufrufe wie „Kauft bei euren Landsleuten“ die polnischen Arbeiter und ihre Familien an sich zu binden. Das half nur wenig. Die Zahl der Bankrott gehenden Geschäfte war groß, da viele Besitzer keine ausreichenden Kenntnisse für die Führung eines Gewerbes besaßen. 110 Trotzdem bildete sich nach und nach eine sichtbare polnische Mittelschicht heraus.

Förderlich dafür war sicherlich, dass nach der Novelle zum Niederlassungsgesetz am 10. August 1904 durch den preußischen Reichstag der Landkauf für Polen in den preußischen Ostprovinzen nahezu unmöglich wurde. Die daraufhin verstärkte Orientierung der Erwerbsmigranten auf ihre Wohnorte im Ruhrgebiet führte in der Folge dazu, dass polnische Geschäftsleute und Handwerker aus den preußischen Ostprovinzen ins Ruhrgebiet zogen, um hier eine Existenz zu gründen.111 Klassische Betriebe waren Bäckereien, Schustereien, Friseurgeschäfte und kleine Buch- und Devotionalienläden.112 So bildete sich mit der Zeit ein fester Stamm an Geschäften und Handwerksbetrieben heraus. Eine Übersicht der Geschäfts- und Handwerksbereiche polnischer Betriebe für das Ruhrgebiet aus dem Jahre 1913 weist aus:113

 

600

Kolonialwarenhändler

 

100

Schuster

 

70

Schlachter

 

70

Buchhandlungen

 

60

Bäcker

 

50

Frisöre

 

35

Läden für Herrenbekleidung

 

20

Hersteller alkoholfreier Getränke

 

20

Möbelhändler

 

16

Tischler

 

12

Tabakwarenläden

 

10

Restaurants

 

10

Geschäfte für Herrenbedarf

 

6

Selbständige Maler und Tapezierer

 

8

Sattler

 

8

Seidenwarenhändler

 

8

Haushaltswarenhändler

 

8

Fahrradgeschäfte

 

5

Alkohlfreie Restaurants

 

3

Verlage

 

3

Geschäfte für Damenhüte

 

2

Banken

 

2

Großhändler für Devotionalien

 

2

Cafes

 

1

Marmorplattenfabrik

 

1

Fabrik für Damen- und Herrenkonfektion

 

Aufgrund der Neuorientierung vieler im Ruhrgebiet lebender Polen und Polinnen nach 1904 begannen einige polnische Banken im Ruhrgebiet Filialen zu gründen oder es wurden neue polnische Banken gegründet. Bis 1904 überwiesen die Polen und Polinnen das ersparte Geld größtenteils in die Heimat und legten es dort bei polnischen Banken an. Das änderte sich nun mehr und mehr. Deshalb gründete sich 1905 in Bochum die Bank Ludowy (Volksbank).114 Sie „hat bisher besondere Erfolge nicht zu verzeichnen gehabt, was im wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass die an der Spitze des Unternehmens stehenden Personen kein besonderes Vertrauen bei der Masse der polnischen Arbeiter genießen“.115 1911 musste sie Konkurs anmelden. Ähnlich erging es der 1912 in Bochum eingerichteten Zweigstelle der „Bank Handlowy“ (Handelsbank) aus Preußisch-Stargard sowie der „Bank Spółek Zarobkowych” (Bank des Verbandes polnischer Erwerbsgenossenschaften), die 1913 ihre Arbeit in Bochum aufnahm. Von den in Bochum stationierten Banken bzw. Bankfilialen war die in dieser Stadt 1917 auf Initiative der ZZP gegründete „Bank Robotników” (Arbeiterbank) am erfolgreichsten,116 die bis zur Zerschlagung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1939 existierte.

Einen ersten gelungenen Versuch, den wirtschaftlichen Mittelstand zu organisieren, gab es 1904. In diesem Jahr gründete sich ein „Verein Polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender“.117 Auch der Sitz dieser Organisation war Bochum. In den Jahren danach gründete die Organisation in den einzelnen Städten bzw. Landkreisen des Ruhrgebiets Ortsgruppen. 1912 waren ungefähr ein Drittel der polnischen Handwerker und Kaufleute Mitglied in dieser Organisation.118

Der ruhrpolnische Mittelstand versuchte selbstbewusst, seine Stärke auch in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Deshalb organisierte er in Bochum für die Woche vom 19. bis 27. Juli 1913 eine Industrieausstellung.119 Dafür mietete man die in Bochum zu der Zeit größte Lokalität, den Schützenhof an der Castroper Straße. Das Ausstellungsbüro befand sich in Bochum in den Räumen der ZZP, d. h. in der Klosterstraße. 130 polnische Firmen, hauptsächlich aus dem Ruhrgebiet stammend, beteiligten sich an der Ausstellung, 25.000 Besucherinnen und Besucher sahen sie. Diese Ausstellung war trotz ihrer geringen Beachtung in der deutschen Öffentlichkeit wie auch der in der polnischsprachigen Presse kritisierten geringen Beteiligung polnischer Gewerbetreibender außerhalb des Ruhrgebiets Ausdruck für das gewachsene Selbstbewusstsein des organisierten Ruhrpolentums.120

 

 

Die ruhrpolnische Bewegung verbreitert ihre Basis

Spät erst entwickelte sich eine von kirchlichen Vereinen unabhängige Organisierung der polnischen Frauen. Erste Frauenvereine wurden ab 1907 gegründet121. Ein Grund lag sicherlich darin, dass die polnische Erwerbsmigration hauptsächlich männlich geprägt war. Dazu kam, dass Frauen bis 1908 auf Grund der preußischen Gesetzgebung nicht Mitglied politischer Organisationen sein durften und viele der polnischen Vereine, auch der kirchlichen polnisch-katholischen Vereine von der preußischen Polizei zu politischen Vereinen erklärt wurden.122 Die Frauenvereine sollten den polnischen Müttern bewusst machen, dass in erster Linie sie für die Entwicklung einer polnischen Identität der Kinder verantwortlich waren und das dafür notwendige Erlernen der polnischen Sprache und Kultur. So hieß es im Statut des 1914 gegründeten Polinnenverein „Königin der Krone Polens“ in Langendreer:123

㤠1. Zweck des Polinnen-Vereins ist:

1. Gemeinsame Belehrung auf katholischer und nationaler Grundlage;

2. die Pflege der Muttersprache und der heimischen Sitten;

3. gegenseitige Hilfe bei Krankheits- und Todesfällen;

4. gegenseitige Hilfe bei der Erziehung der Kinder.“

Nach 1907 gründeten sich relativ viele Frauenvereine. 1914 gab es schon 110 Frauenvereine mit ca. 8.000 Mitgliedern.124 Im Mai 1914 wurde dann ein „Verband polnischer Frauenvereine im Westen Deutschlands“ gegründet, aber seine Entwicklung wurde durch den Beginn des 1. Weltkrieges stark behindert. Der Sitz dieses Frauenverbandes war Wanne.125

Um die polnischen Kinder und Jugendlichen vor der Germanisierung zu bewahren, wurden die Frauenvereine von bereits bestehenden Organisationen unterstützt. Von Bedeutung waren hier sowohl der Polenbund, der beispielsweise „1903 15.000 polnische Elementarbücher [anschaffte], von denen über 8.000 auf 45 Versammlungen kostenlos verteilt wurden126, wie auch der in Berlin stationierte Verein „Bildung“ (Towarzystwo „Oświata”), der in vielen Städten des Ruhrgebiets Ortsgruppen gegründet hatte.127 Durch Ferienverschickung nach Polen, für die man bereits 1903 den „Verein für Ferienkolonien“ in Bochum gegründet hatte,128 versucht man die Bindung an die polnische Heimat sowohl sprachlich wie auch gefühlsmäßig zu entwickeln. Da das aber eine sehr kostspielige Sache war und wegen der Entfernungen sehr zeitintensiv, nahmen an diesen Maßnahmen nur wenige Kinder teil. Während die Organisation von Frauen noch relativ gut gelang, traf das auf die der polnischen Jugend nicht zu. Bestrebungen waren nur vereinzelt von Erfolg gekrönt. Auch hier gab es hohe juristische Hürden durch das preußische Vereinsgesetz, dessen § 17 es Jugendlichen untersagte, in politischen Vereinen Mitglied zu sein. Erst am 20. Juni 1909 gab es in Bochum ein erstes größeres Treffen von Vertretern aus Jugendorganisationen, um die Angleichung der Statuten zu besprechen und den Verband Polnischer Jugendorganisationen (Związek Polskich Organizacji Młodzieży) zu gründen.129 Drei Jahre später waren dem Verband 19 Jugendorganisationen mit insgesamt 1.345 Mitgliedern beigetreten.130 Die weitere Entwicklung der Arbeit unter Jugendlichen wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges und der damit verbundenen Einziehung der polnischen jungen Männer in die preußische Armee jäh unterbrochen.

Ähnlich erging es auch dem „Ausführenden Komitee“ (Komitet Wykonawczy), einer 1913 auf einem Treffen im niederländischen Winterswijk gegründeten Organisation, die alle polnischen Vereine und Institutionen im Ruhrgebiet unter einem Dachverband vereinigen sollte.131 Die Arbeit des Ausführenden Komitees begann auch sehr erfolgreich, wurde aber dann durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges stark behindert. Seine Existenz aber war der Ausgangspunkt der sich nach dem Kriege neu organisierenden ruhrpolnischen Bewegung.

 

 

Die Bochumer (Kader-)Schmiede

Die Konzentration zentraler bzw. regionaler Organisationszentren in Bochum schlug sich auch in personeller Hinsicht nieder. Eine Auflistung reichsweiter bzw. regionaler polnischer Organisationen in Rheinland und Westfalen aus dem Jahre 1906 durch den Regierungspräsidenten in Arnsberg zeigt deutlich den hohen Stellenwert Bochums bereits zu dieser Zeit:

B. Vereinswesen pp. […]

1. Polenbund (Sitz Bochum) […]

2. Der Hauptwahlverein und

3. das Hauptwahl-Komitee mit dem Sitz in Bochum […]

5. Die polnische Berufsvereinigung (Zjednoczenie Zawodowe Polskie) zu Bochum […]

8. Verein der polnischen Kaufleute und Gewerbetreibender zu Bochum (Sitz Bochum)

9. Josephat-Fond zur Unterstützung polnischer Gymnasiasten und Studenten […] (Sitz Bochum)

10. Ferien Kolonie-Verein (Sitz Bochum)

12. Verband der polnisch-katholischen Vereine (Sitz Bochum) [..]132

Für die Leitung, Stabilisierung und Entwicklung dieser Organisationen benötigte man Personal, das sich fast vollständig aus den in das Ruhrgebiet übergesiedelten Polen und Polinnen rekrutieren musste. Zuerst sammelten viele von ihnen Erfahrungen in den kirchlichen Vereinen ihrer Gemeinden. Dabei lernten sie Versammlungen einzuberufen, sie zu leiten, Gremienwahlen der Vereine und Festlichkeiten zu organisieren. Öffentliche Auftritte wie auch in zunehmenden Maße Vereinsversammlungen mussten bei den Behörden angemeldet werden. Es bildete sich so mit der Zeit ein Personenstamm heraus, der besonders fähig bei der Durchführung solcher Aktivitäten wurde. Diese Personen wurden in die sich überörtlich arbeitenden Organisationen einbezogen und bildeten sich so weiter. In den ersten Jahren war es hauptsächlich ein eigenes Lernen, mit der Zeit jedoch wurden von den sich dann herausgebildeten überörtlichen Organisationen mehr oder weniger systematisch Personen ausgebildet – am systematischsten in der Gewerkschaft ZZP.

Hier zeigte sich die vielleicht größte Leistung der organisierten ruhrpolnischen Bewegung. Es gelang ihr, aus einer größtenteils nur mit einer Elementarbildung ausgestatteten Personengruppe einen Personenstamm heranzubilden, der in der Lage war, die notwendigen Positionen zu besetzen. Über die für die Organisierung und Leitung der überörtlichen Strukturen notwendigen Personen mussten darüber hinaus weitere geschult werden, die öffentliche Funktionen fachlich ausfüllen konnten   noch dazu in fremdsprachiger Umgebung. Zu nennen wären hier in erster Linie Mitglieder in Kirchengremien, Knappschaftsälteste und Berggewerbegerichtsmitglieder sowie kommunale Ratsmitglieder aber auch Vertreter in gemeinsamen Ausschüssen von deutschen und polnischen Organisationen wie Arbeitsausschüssen oder Streikkomitees.

Da sich das Vereinswesen im Ruhrgebiet im Vergleich mit den anderen polnischen Zentren im Deutschen Reich deutlich zahlreicher und vielfältiger entwickelte,133 bildete sich ein recht großer Kaderstamm heraus, der dann nach dem Ersten Weltkrieg in der Lage war, in relativ kurzer Zeit eine verzweigte polnische Vereinsinfrastruktur wieder aufzubauen. Wahrscheinlich hat sich in dieser Zeit der Begriff „Kuźnia Bochumska“ – die „Bochumer (Kader-)Schmiede“ herausgebildet. Immer wieder trifft man in Erinnerungen polnischer Erwerbsmigranten der ersten wie der zweiten Generation auf die Floskel „Erzogener der Bochumer Kaderschmiede“.134

Durchaus als nicht untypisch kann man folgenden kurzen Lebenslauf eines polnischen Aktivisten anführen135: „Franciszek Kierczyński war lange Zeit ein Zögling der Bochumer Schmiede. Er war mit dem Ruhrgebiet verwachsen besonders mit der Stadt und dem Stadtkreis Gelsenkirchen.“ „In den ersten Jahren seiner gesellschaftlichen Tätigkeit – vor dem Ersten Weltkrieg – wurde er zum Vorsitzenden der Metallgewerkschaft gewählt. Seit 1922/23 war er viele Jahre Leiter des Bezirks III [Sitz war Bochum] des Bundes der Polen. Dazu bekleidete er das Amt des Vorsitzenden des [polnischen] Schulvereins im Regierungsbezirk Arnsberg. Als zuverlässiger Organisator wurde er kurz nach der Machtübernahme Hitlers als Leiter des Bezirks IV in Olsztyn eingesetzt.“

So ist es nicht überraschend, dass im Lexikon des Polentums in Deutschland (Lexikon Polactwa w Niemczech) aus dem Jahre 1939, erstellt im Auftrage des 1922 gegründeten Bundes der Polen in Deutschland, die herausragende Position Bochums für die ruhrpolnische Bewegung unterstrichen wurde: „Bochum, Kreisstadt im Regierungsbezirk Arnsberg, Westfalen. 314.000 Einwohner, eins der bedeutendsten Industrie- und Handelszentren Westfalens, liegt zwischen den Flüssen Emscher und Ruhr. Bergbau-, Hütten-, Metall-, Chemie-, Baumaschinen-Industrie, Brauereien, Tabakfabriken, Webereien und Nähereien. Große Konzentration an Polen, das Zentrum des polnischen Lebens in Westfalen und Rheinland. In Bochum erschien vor dem Krieg und kurz danach der ‚Wiarus Polski’, herausgegeben von Jan Brejski, dem Organisator des Emigrantenlebens, der in Bochum das polnische Zentrum schuf, das bis heute bekannt ist unter dem Namen ‚Bochumer-(Kader-)Schmiede’.“136

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Ausnahmen für Bochum sind die Darstellung von Annette Krus-Bonazza, „Wir kommen doch alle aus denselben Verhältnissen…“. Aus der Geschichte der Arbeitseinwanderung in Dahlhausen von 1860 bis heute, Stadteilladen „Regenbogen“, o. J. (Februar 1990), S. 20-41 für Linden-Dahlhausen; für Gerthe von Manfred Grieger/Claudia Schmidt, „Der Verein hat seit seinem Bestehen überhaupt noch kein Fest oder sonst gefeiert“, Zur Migrantenkultur der Polen in Bochum vor dem ersten Weltkrieg, in: Peter Friedemann, Gustav Seebold (Hrsg.), Struktureller Wandel und kulturelles Leben politischer Kultur in Bochum 1860-1990, Essen 1992, S. 189-214; sowie von Wolfgang Gruber, Über 100 Jahre Einwanderer in Gerthe, in: Bochumer Kulturrat e. V. (Hg.), Die drei großen Herren und die anderen, Aufstieg und Niedergang der Zeche Lothringen und die Geschichte der Einwanderung im Bochumer Norden, S. 163-167 und die Fotoseiten S. 177-179, 184-192, o. J. (ca. 1996/97); für Werne Valentina-Maria Stefanska, „… und bin sehr dankbar für die Gelegenheit an der Bekämpfung des Polenthums mitarbeiten zu können“. Polnische Arbeitsmigranten und die preußische Obrigkeit in: Dietmar Dahlmann u. a. (Hg.), Schimanski, Kuzorra und andere, Polnische Einwanderer im Ruhrgebiet zwischen der Reichsgründung und dem Zweiten Weltkrieg, Essen 2005, S. 37-49.

2 Alfred Kreuzer, Heimatkundliche Streifzüge durch Langendreer, in: Bochumer Heimatbuch 7, 1958, S. 81-85;Karl Brinkmann, Witz und Humor im Westfälischen Industriegebiet, Bochumer Heimatbuch 7, 1958, S. 100-108;Peter Kracht, Vom nicht alltäglichen Engagement eines unbedeutenden Pädagogen. Aus dem Leben des Lehrers Peter Schiefer, in: Bochumer Zeitpunkte Nr. 9, S. 14-32; Karl Freund, Heimatkundliches aus Grumme, in: Bochumer Heimatbuch 5, 1951, S. 134-142;Rüdiger Jordan, „... ein Prachtbau in so zierlichen gotischen Formen“, Die wechselvolle Geschichte der St. Marien Kirche in Bochum-Mitte, Bochumer Zeitpunkte online (St. Marien Kirche in Bochum); Helmut Croon, Die Stadt Bochum   ihr Weg zur modernen Groß- und Universitätsstadt. Heimatkundliche Streifzüge durch Langendreer, in: Bochumer Heimatbuch 8, 1985, S. 21-29.

3 Siehe u. a: Christoph Kleßmann, Polnische Bergarbeiter im Ruhrgebiet 1870-1945, Göttingen 1978; John J. Kulczycki, The Foreign Worker and the German Labor Movement: Xenophobia and Solidarity in the Coal Fields of the Ruhr, 1871-1914, Oxford 1994; Valentina-Maria Stefanski, Zum Prozeß der Emanzipation und Integration von Außenseitern: Polnische Arbeitsmigranten im Ruhrgebiet, Dortmund 1984; Krystyna Murzynowska, Die polnischen Einwanderer im Ruhrgebiet während der Jahre 1880-1914, Dortmund 1979; Dahlmann u. a. (Hg.), Schimanski (wie Anm. 1).

4 Hans Jürgen Brandt, Die Polen und die Kirche im Ruhrgebiet, Münster 1987, S. 5.

5 Jan Kocik, Organizacyjny ruch górników polskich we Westfalii i Nadrenii (Organisationsentwicklung der polnischen Bergleute in Westfalen und Rheinland), in: Konferencja popularno-naukowa na temat 100-lecia wychodźstwa polskiego w Westfalii-Nadrenii, Towarzystwo Łęczności z Polonią Zagranicznę „POLONIA”, Towarzystwo Rozwoju Ziem Zachodnich, Instytut Zachodni, Poznań, o.J. (wahrscheinlich Anfang 1970er-Jahre), S. 3.

6 Ebd.

7Anastazy Nadolny, Probleme der Seelsorge unter den Polen im Ruhrgebiet am Beispiel der Priester Josef Szotowski und Franz Liss, in: Dahlmann u. a. (Hg.), Schimanski (wie Anm. 1), S. 119-142, hier S. 126.

8„1873-1899, Im Kloster wohnen Zivilisten. Die Kirche wird für Gottesdienste genutzt, erst von der Gemeinde St. Marien, dann von der Gemeinde St. Joseph. Seit 1893 ist sie verwaist.“ Homepage der Redemptoristen: http://www.redemptoristen.de/koeln/site.php?kat= kloester/bochum&site=chronik#Anchor-63112. Überraschenderweise fehlt hier wie auch auf den anderen Seiten jeglicher Hinweis auf die polnischen Seelsorger, die zwar nicht dem Redemptoristenorden angehörten, aber in der Kirche des Ordens polnischsprachige Gottesdienst abhielten und heute noch abhalten.

9 Tremonia, Jg. 10 (1895), Nr. 49, zitiert nach: Brandt, Die Polen (wie Anm. 4), S. 63.

10Historia Duszpasterstwa polskiego w Niemczech, opracowana na 50-cio lecie PMK w Niemczech, http://www.pmk-bochum.org/ Historia_pmk_Rektorat.html (eigene Übersetzung); (20.9.2005);siehe auch Nadolny, Probleme der Seelsorge (wie Anm. 7), S. 126.

11 Maria Stefanski, Polen im Ruhrgebiet, o. O. und o. J., unveröffentlichtes Manuskript, S. 3.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 91.

15 Nadolny, Probleme der Seelsorge (wie Anm. 7), S. 133.

16 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 138.

17 Jan Kocik, Organisationsentwicklung (wie Anm. 5), S. 3.

18 Ebd., S. 4.

19 Związki zawodowe na emigracji roboczej (Gewerkschaften in der Arbeitsemigration), in: Polak w Niemczech (Der Pole in Deutschland), Organ des Bundes der Polen in Deutschland (Związek Polaków w Niemczech), Bochum 1969, S. 31 (eigene Übersetzung). Dieser Artikel wurde auf Grundlage eines Beitrags des Vorsitzenden der polnischen Gewerkschaft ZZP, Franciszek Mańkowski, aus dem Jahr 1913 geschrieben.

20 Die Namen der Mitglieder des Katholischen St. Josef Verein zu Altenbochum, 27. März 1900, Stadtarchiv Bochum LA 1310, Blatt 75.

21 Stadtarchiv Bochum, AL 357.

22 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 84.

23Stefanski, Polen (wie Anm. 11), S. 4.

24 Ebd.

25 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 103.

26 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 138.

27 Ebd.

28 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 127.

29 Ebd.

30 Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 27.

31 Zitiert nach Märkischer Sprecher, 13. August 1901.

32 Jan Szajbel, Geneza, zalążki organizacyjne oraz rozwój życia społeczno-kulturalnego emigracji polskiej w Niemczech ze szczególnym uwzględnieniem ośrodka westfalsko-nadreńskego w latach 1870-1914, aus: Konferencja popularno-naukowa na temat 100-lecia wychodźstwa polskiego w Westfalii-Nadrenii, Towarzystwo Łęczności z Polonią Zagranicznę „POLONIA”, Towarzystwo Rozwoju Ziem Zachodnich, Instytut Zachodni, Poznań, o.J. (wahrscheinlich Anfang 1970er-Jahre), S. 15.

33 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 98.

34 Bochumer Stadtarchiv, LA 1305, Blatt 525.

35 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 12.

36 Związki zawodowe na emigracji roboczej, (wie Anm. 19), S. 31.

37 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 12-13.

38 Kleßmann. Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 96.

39 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 12-13.

40 Susanne Peter-Schildgen, Das polnische Vereinswesen in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik, in: Dahlmann u. a. (Hg.): Schimanski (wie Anm. 1), S. 37-50, hier S. 61.

41 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 12-13.

42 Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 140: Bericht des Regierungspräsidenten Arnsberg an das preußische Innenministerium vom 10. Dezember 1906.

43 Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 45: Schreiben des Landrats Bochum an den Regierungspräsidenten Arnsberg vom 13. September 1906.

44 Władysław Narożyński, Kilka danych o sytuacji i stanie posiadania wychodźstwa przed wybuchem i po zakończeniu I wojny światowej, z czasów reorganizacji życia społecznego wychodźstwa westfalsko-nadreńskiego (Einige Daten über die Situation und den Besitzstand der Emigration vor Ausbruch und nach Ende des I. Weltkrieges sowie während der Reorganisierung des gesellschaftlichen Lebens der westfälisch-rheinländischen Emigration), in: Konferencja popularno-naukowa na temat 100-lecia wychodźstwa polskiego w Westfalii-Nadrenii, Towarzystwo Łęczności z Polonią Zagranicznę „POLONIA”, Towarzystwo Rozwoju Ziem Zachodnich, Instytut Zachodni, Poznań, o. J. (wahrscheinlich Anfang 1970er-Jahre), S. 2.

45 Peters-Schildgen, Vereinswesen (wie Anm. 40), S. 57.

46 Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 271-272: Schreiben des Regierungspräsidenten Arnsberg an den Landrat Bochum vom 17. Juli 1902.

47 Stadtarchiv Bochum, LA 1307, Blatt 227-228: Schreiben des Landrats Bochum an den Regierungspräsidenten Arnsberg vom 29. August 1913.

48 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 97.

49 Wiarus Polski, Nr. 289 vom 17. Dezember 1904 (eigene Übersetzung).

50 Nauka Katolicka, Nr. 34 vom 27. August 1903 (eigene Übersetzung).

51 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 106.

52 Stadtarchiv Bochum, LA 1305, Blatt 134: Jahresbericht des Regierungspräsidenten Arnsberg über den Stand der sozialdemokratischen und anarchistischen Bewegung vom 24. November 1902.

53 Adressbuch der Stadt Bochum und der angrenzenden Bezirke von Altenbochum, Weitmar und Wiemelhausen 1899, Bochum o. D., S. 452.

54 Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 376.

55 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 106.

56 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 106.

57 Ebd., S. 108.

58 Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 22: Schreiben des Amtmanns Baukau an den Landrat Bochum vom 27. November 1899.

59 Kocik, Organisationsentwicklung (wie Anm. 5), S. 5.

60 Ebd. S. 6; Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 102.

61 Z. B. Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 105: Stellungnahme des Polenbundes für die „Koalitionsfreiheit für ländliche Arbeiter“ vom 4. März 1906.

62 Stadtarchiv Bochum, LA 1310 Blatt 372: Schreiben des Regierungspräsidenten Arnsberg an den Landrat Bochum vom 20. April 1903; Stadtarchiv Bochum, LA 1310 Blatt 375-378: Urteil des Reichsgerichts gegen Anton Brejski vom 15. Juni 1903 wegen Beleidigung.

63 Ks. Prałat Juliusz Janusz, Polonia w Niemczech – jej stan i zadania na teraz i jutro, in: Polak w Niemczech, 1970, S. 10. (Die Polonia in Deutschland – ihre Situation und ihre Aufgaben jetzt und in Zukunft)

64 Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 34: Schreiben des Amt Langendreer an den Landrat Bochum vom 2. Januar 1900.

65 Übersetzungen aus dem Wiarus Polski, Nr. 125 vom 19. Oktober 1899, Bleiben wir unter uns!, Stadtarchiv Bochum, LA 1310, Blatt 26.

66 Ebd.

67 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 102.

68 Ebd. S. 125.

69 Ebd. S. 126.

70 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 334.

71 Ebd. S. 136.

72 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 136; Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 125.

73 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 126.

74 Ebd.

75 Stadtarchiv Bochum LA 1306, Teil 2, Blatt 325: Bericht des Regierungspräsidenten Arnsberg an das preußische Innenministerium vom 28. November 1907.

76 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 127.

77 Pożyteczna książka, [Rezension des Buches von: Zygmunt Hemerling, Posłowie polscy w parlamencie Rzeszy Niemieckiej i sejmie pruskim 1907-1914 – Polnische Abgeordnete im Parlament des Deutschen Reiches und im polnischen Sejm von 1907-1914, 1968, Zakład Historii Ruchu Ludowego,] Polak w Niemczech, 1969, S. 47.

78 Stadtarchiv Bochum LA 1306, Teil 3, Blatt 480: Schreiben des Landrat Bochum an den Regierungspräsidenten Arnsberg vom 31. August 1909.

79 Stadtarchiv Bochum LA 1307, Blatt 162-163: Schreiben des Landrat Bochum an den Regierungspräsidenten Arnsberg vom 27. August 1912.

80 Stadtarchiv Bochum LA 1307, Blatt 246: Bericht des Amtmanns von Langendreer an den Landrat Bochum vom 12. August 1913.

81 Pożyteczna książka, (wie Anm. 77), S. 46-47 (eigene Übersetzung).

82 Związki zawodowe na emigracji roboczej (wie Anm. 19), S. 30

83 Laut amtlichen Angaben von 1913 hatten 24 Schachtanlagen im Ruhrgebiet einen Anteil an polnischen Arbeitern von über 50%. Marian Orzechowski, Z dziejów polskiego ruchu robotniczego w Nadrenii-Westfalii w latach 1918-1933 [Angaben zur Geschichte der polnischen Arbeiterbewegung in Rheinland und Westfalen 1918-1933], aus: Konferencja popularno-naukowa na temat 100-lecia wychodźstwa polskiego w Westfalii-Nadrenii, Towarzystwo Łęczności z Polonią Zagranicznę „POLONIA”, Towarzystwo Rozwoju Ziem Zachodnich, Instytut Zachodni, Poznań, o.J. (wahrscheinlich Anfang 1970er-Jahre), S. 3-4.

84Związki zawodowe na emigracji roboczej, (wie Anm. 19), S. 32; Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 118/119, stimmt dem nur bedingt zu. Zwar vernachlässigte auch der sozialdemokratische Alte Verband die besonderen Belange der Polen, er versuchte aber zumindestens zeitweise, diese zu berücksichtigen.

85 Kulczycki, The Foreign Worker (wie Anm. 3), S. 82, 160.

86 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 118.

87Związki zawodowe na emigracji roboczej, (wie Anm. 19), S. 30 (eigene Übersetzung).

88Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 118.

89Związki zawodowe na emigracji roboczej, (wie Anm. 19), S. 19 (eigene Übersetzung).

90 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 111.

91 Bochumer Stadtarchiv, LA 1310, Blatt 496-499: Abgeänderte Satzung des Polnischen Gewerkvereins zu Bochum.

92 Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 141.

93 Adressbuch der Stadt Bochum 1910, Teil 1, S. 268.

94 Bochumer Stadtarchiv, LA 1310, Blatt 496-499: Abgeänderte Satzung des Polnischen Gewerkvereins zu Bochum.

95 Ebd.

96 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 22 (eigene Übersetzung).

97 Związki zawodowe na emigracji roboczej, (wie Anm. 19), S. 32 (eigene Übersetzung).

98 Ebd., S. 32-33.

99 Kocik, Organisationsentwicklung (wie Anm. 5), S. 7.

100 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 22.

101 Stadtarchiv Bochum, LA 1276, Blatt 132: Flugblatt „An die Ruhrbergleute!“. Hier wird Regulski als Mitglied der Siebener-Kommission, die das Flugblatt herausgegeben hat, genannt.

102 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 205.

103 Stadtarchiv Bochum, LA 1305, Blatt 493.

104 Stefanska, … und bin sehr dankbar (wie Anm. 1), S. 39.

105 Józef Łazińka, Stulecie Polonii Westfalskiej (Einhundert Jahre Westfälische Polonia) in: Polak w Niemczech, Bochum 1969, S. 25.

106 Stefanski, Polen (wie Anm. 11) S. 9.

107 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 92.

108 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 21.

109 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 206-207.

110 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 133-134.

111 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 206.

112 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 133.

113 Lazinka, Stulecie Polonii Westfalskiej (wie Anm. 104), S. 25; Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 210.

114 Łazińka, Stulecie Polonii Westfalskiej (wie Anm. 104), S. 25.

115 Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 139.

116 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 137.

117 Stadtarchiv Bochum, LA 1305, Blatt 448; Bericht des Regierungspräsidenten Arnsberg an das preußische Innenministerium vom 20. Dezember 1904 Inwieweit die von Łazinka vermerkte, am 27. Januar 1900 in Bochum gegründete Towarzystwo Przemysłowe dieselbe Organisation ist bzw. eine Vorgängerorganisation darstellt bleibt offen. Lazinka, Stulecie Polonii Westfalskiej (wie Anm. 104), S. 25.

118 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 135.

119 Łazińka, Stulecie Polonii Westfalskiej (wie Anm. 104), S. 25.

120 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 135-136; Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 215.

121 Peters-Schildgen, Das polnische Vereinswesen (wie Anm. 40), S. 62.

122 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 99.

123 Stadtarchiv Bochum, AL 357: Special-Acten betr. Polinnenverein „Königin der Krone Polens“ in Langendreer, Statut.

124 Peters-Schildgen, Das polnische Vereinswesen (wie Anm. 40), S. 62.

125 Stadtarchiv Bochum, AL 357: Special-Acten betr. Polinnenverein „Königin der Krone Polens“ in Langendreer.

126 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 102.

127 Szajbel, Geneza (wie Anm. 32), S. 23.

128 Stadtarchiv Bochum, LA 1306 Teil 2, Blatt 330.

129 Murzynowska, Einwanderer (wie Anm. 3), S. 235.

130 Ebd.

131 Kleßmann, Polnische Bergarbeiter (wie Anm. 3), S. 103-105.

132 Stadtarchiv Bochum, LA 1306, Teil 1, Blatt 137-140: Schreiben des Regierungspräsidenten Arnsberg an das preußische Innenministerium vom 10. Dezember 1906.

133 Susanne Peters Schildgen spricht davon, dass es unmittelbar „vor dem Ersten Weltkrieg im Ruhrgebiet mehr Polenvereine als im übrigen Deutschland [gab], mehr ‚Sokoł’-Vereine als in Posen, Westpreußen und Oberschlesien.“, Peters-Schildgen, Das polnische Vereinswesen (wie Anm. 40), S. 61.

134 Z. B. Edmund Jan Osmańcuk, Wisła i Kraków to rodło, Warszawa 1985, S. 33 (eigene Übersetzung).

135 Narożyński, Kilka danych (wie Anm. 44), S. 3-4 (eigene Übersetzung).

136 Lexikon Polactwa w Niemczech (Lexikon des Polentums in Deutschlands), Warszawa-Wrocław 1973, S. 63 (eigene Übersetzung). Die Herausgabe des Lexikons wurde durch die Nationalsozialisten im September 1939 verhindert, die die Manuskripte und die Druckplatten am 1. September durch die Gestapo beschlagnahmen ließen. Ein polnischer Drucker konnte jedoch einen Großteil – bis einschließlich „P“ – heimlich retten, der dann 1973 in der VR Polen gedruckt wurde. 

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 17, Dezember 2005

 

Herausgeber:

Dr. Dietmar Bleidick

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Redaktion:

Dr. Dietmar Bleidick, Peter Kracht

 

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ISSN 0940-5453