„Wir Bochumer wollen leben und wir werden leben.
Glückauf zur Tat!“

Demokratischer Neubeginn im zertrümmerten Bochum

 

Clemens Kreuzer

 

Der 30. Oktober dieses Jahres war für Bochum der 60. Jahrestag der Wiedererstehung kommunaler Demokratie und Selbstverwaltung. An diesem Tag des Jahres 1946 ist nach Diktatur und Zusammenbruch erstmals wieder ein demokratisch legitimiertes Stadtparlament zusammen getreten. Seine Konstituierung hat einen 1½-jährigen mühseligen Wiederaufbau parlamentarischer Strukturen in unserer Stadt abgeschlossen, der voller Schwierigkeiten und voller Dramatik war.

Als der NS-Staat im Frühjahr1945 zusammenbrach, war die Stadt Bochum nicht nur in ihrer materiellen Substanz, ihren Häusern, Betrieben, Straßen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Versorgungseinrichtungen und Informationssystemen zerstört; auch kommunale Demokratie und Selbstverwaltung existierten nicht mehr.

Dies war nicht erst seit dem Ende des Dritten Reiches, sondern schon seit seinem Beginn der Fall. Bereits 1933/34 hatten die Nationalsozialisten die demokratisch-parlamentarische Willensbildung in den Gemeinden aufgehoben und Städte wie Landkreise in ihr gesamtstaatliches System einbezogen. Dieses System war organisiert nach den Prinzipien

1. eines rigorosen Zentralismus: Oberbürgermeister und selbst Beigeordnete der Städte wurden schließlich nicht mehr durch deren Parlamente gewählt, sondern vom Innenministerium in Berlin ernannt;

2. des absoluten Führerprinzips: der Oberbürgermeister neuen Typs war allein entscheidender, jedenfalls keiner kommunalen Bürgerschaftsvertretung verantwortlicher Führer der kommunalen Geschicke;

3. der konsequenten Einparteienherrschaft: Oberbürgermeister, Beigeordneter, Mitglied der Gemeindevertretung wurde in der Regel nur noch, wer der NSDAP angehörte.

Nach der Ende 1933 verabschiedeten, im Frühjahr 1934 umgesetzten Deutschen Gemeinde-Ordnung (DGO) gab es zwar noch einen Gemeinderat, doch war dieser – in seiner Größe gegenüber der vormaligen Stadtverordnetenversammlung mehr als halbiert – nicht mehr vom Volk gewählt, sondern vom Kreisleiter der NSDAP ernannt, in der Regel aus den Reihen der Partei. Dieser Gemeinderat hatte keinerlei beschließende, sondern nur beratende Funktion, und auch die war praktisch auf Haushaltsvorlagen und Grundstücksgeschäfte beschränkt. Man tagte etwa halbjährlich, grundsätzlich nichtöffentlich und war zum Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit verpflichtet. Ohne jede politische Entscheidungs- und Gestaltungskompetenz, waren die Gemeinderäte der NS-Zeit „blinde und verantwortungslose Werkzeuge der Parteiführung [...], die willenlos den Weisungen und Auffassungen der Ortsgruppen-, Kreis- und Gauleiter folgten“.[1] Von kommunaler Selbstverwaltung und demokratischer Willensbildung konnte keine Rede mehr sein.

 

So waren nach dem Zusammenbruch 1945 auch De-mokratie und Selbstverwaltung wieder aufzubauen, ein angesichts der chaotischen Verhältnisse schwieri-ger Prozess, der sich in Bochum aus nachträglicher Rückschau in vier Schritten vollzog:

1. Die Bestellung politisch unbelasteter Führungspersönlichkeiten zur Leitung von Gesamtstadt und Stadtteilen in Gestalt eines politisch unbelasteten Oberbürgermeisters und mehrerer Stadtteilbürgermeister gleich nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen;

2. wenig später die Bildung eines Stadtausschusses und schließlich auch von Ortsausschüssen; das waren kleine Gremien von Bürgern, die von der Militärregierung berufen wurden und dem Oberbürgermeister beratend zur Seite stehen sollten;

3. die Schaffung einer quasi-parlamentarischen Stadtvertretung, die den Stadtausschuss und die Orts-ausschüsse ablöste, aber noch nicht von den Bürgern gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt war, bevor es schließlich

4. zur Wahl eines echten Stadtparlaments 13½ Jahre nach der letzten demokratischen Wahl in Deutschland und 1½ Jahre nach dem Ende von Diktatur und Krieg kam.

Dieser vierstufige Prozess begann gleich nach der Besetzung der Stadt am 10. April 1945 und endete mit der Konstituierung des Mitte Oktober gewählten Stadtparlaments am 30. Oktober 1946.

 

Bestellung politisch unbelasteter

Führungspersönlichkeiten

 

Dr. Franz Geyer:

Neuer Bochumer Oberbürgermeister

 

Als der nationalsozialistische Oberbürgermeister Friedrich Hesseldieck am Vormittag des 10. April 1945 mit anderen Nazi-Größen vor den die nördliche Stadtgrenze überschreitenden amerikanischen Truppen Richtung Sauerland floh, übernahm sein Stellvertreter Dr. Franz Geyer, Bürgermeister und Stadtkämmerer, die Leitung der Stadtverwaltung. Geyer war nie Nationalsozialist gewesen, die Nazis hatten ihn seiner überragenden Fachkompetenz wegen auch ohne die sonst obligatorische Parteimitgliedschaft als Kämmerer der Stadt toleriert.[2]

Am Nachmittag des 10. April erreichten die Amerikaner den Stadtkern, am Ende des Tages hatten sie auch alle Bochumer Stadtteile im Wesentlichen unter Kontrolle.

„Gegen 17.30 Uhr erschienen auf dem Rathausvorplatz 3 Kübelwagen mit bewaffneten Amerikanern“, hielt Bürgermeister Dr. Geyer in einem Vermerk über die Geschehnisse dieses ereignisreichen Tages fest. „Ein Major und ein Dolmetscher baten den Unterzeichneten um eine Unterredung, die im Rathaus in den Räumen des Pol.Rev. [Polizei-Revier] I stattfand. Es wurde bekannt gegeben, dass das Leben seinen ungehinderten Fortgang nehmen solle, die Lebensmittelkarten weiter in Geltung bleiben würden und die Verwaltung in allen ihren Abteilungen arbeiten könne. [...] Ferner wurden 3 Maueranschläge übergeben mit dem Auftrag, sie sofort am Rathaus anzubringen.“ Eine ausführliche Besprechung wurde für den folgenden Morgen verabredet.[3]

Die Amerikaner schienen Geyer als Chef der Verwaltung zu akzeptieren. Doch das galt nicht für die Briten, die bald darauf die Verwaltungshoheit übernahmen. Die Alliierten hatten sich schon im Herbst 1944 auf eine Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen verständigt; danach gehörte das Ruhrgebiet ungeachtet seiner Eroberung durch amerikanische Truppen zur britischen Zone. So zogen zwei Tage nach der amerikanischen Besetzung Offiziere und Soldaten einer englischen Militärverwaltung im Bochumer Rathaus ein, obwohl die amerikanischen Truppen zunächst noch als Besatzungsmacht blieben. Drei Tage, nachdem die Briten die Militärregierung für Bochum übernommen hatten, wurde Bürgermeister Dr. Geyer von ihnen zu einer Vernehmung in das Polizeipräsidium bestellt, dort aber keineswegs vernommen, sondern sogleich ohne Angabe von Gründen verhaftet und in ein Internierungslager nach Rheinberg gebracht. In einem wenige Tage später in der Stadtverwaltung angefertigten Vermerk heißt es: „Am Sonntag, dem 15.4.1945, ist Herr Bürgermeister Dr. Geyer von der Besatzungsbehörde zur Vernehmung ins Polizeipräsidium bestellt worden. Von dieser Vernehmung ist er bis heute nicht zurückgekehrt. Nach Mitteilung des Majors Elliot ist Herr Bürgermeister Dr. Geyer auf höhere überörtliche Anweisung in Haft genommen worden.“[4] Auch Geyer selbst ist der Grund seiner Verhaftung nicht bekannt geworden.[5] Dass es stichhaltige Gründe gar nicht gab, haben die Engländer später durch ihr Verhalten eingeräumt. Nicht nur, dass sie ihn nach rund sechs Wochen, am 6. Juni 1945, wieder aus der Haft entließen, sie ernannten ihn zehn Tage später zum Bochumer Oberbürgermeister.[6]

Der so vom Häftling zum Oberbürgermeister beförderte Dr. Franz Geyer, der wenige Tage nach seiner Haftentlassung 60 Jahre alt wurde und sein Amt offiziell am 1. Juli antrat, übernahm eine ungemein schwere Aufgabe. Wie er sie vor sich sah, hat er in den „Amtlichen Nachrichten der Stadtverwaltung Bochum“, der einzigen seit Anfang Juli über das lokale Bochum berichtenden Informationsquelle, in seinem Aufruf „An meine Bochumer Mitbürger“ angesprochen: „[...] Unsere liebe Stadt Bochum blutet aus tausend Wunden. Nie vorher hat ein Oberbürgermeister die Leitung dieser Stadt in so schwieriger Lage übernommen wie heute. In dem Trümmerfeld der Häuser liegt das Verkehrs-, Wirtschafts- und Geistesleben danieder [...] Die Milderung der Nahrungssorgen und der Wohnungsnot, die Sicherung von Ruhe und Ordnung, die Wiederherstellung der Verkehrswege, die Ingangsetzung der gewerblichen und industriellen Betriebe und nicht zuletzt eine zeitgemäße Kulturpflege stellen Aufgaben, die [...] fast über menschliche Kraft hinausgehen.“ Der neue Oberbürgermeister schloss seinen Aufruf mit den Worten: „Wir Bochumer wollen leben und wir werden leben! Glückauf zur Tat!“[7]

 

Ernennung von Stadtteilbürgermeistern

 

Die Amerikaner hatten nach der Einnahme der Städte des Ruhrgebiets nicht nur politisch unbelastete Verwaltungschefs in den großen Kommunaladministrationen eingesetzt, sondern in einer Reihe von Vororten der Städte auch Ortsbürgermeister.[8]

So wurde Max Ibing, Amtmann und Bürgermeister der Landgemeinde Gerthe vor ihrer Eingemeindung nach Bochum,[9] von den Amerikanern aufgefordert, als Bürgermeister von Gerthe tätig zu werden.[10] Ibing wies den Offizier darauf hin, dass Gerthe zu Bochum gehöre und die örtliche Verwaltungsstelle dem dortigen Verwaltungschef unterstellt sei, doch der US-Offizier ließ sich nicht beirren. Ibing wurde beauftragt, für „Ruhe und Ordnung zu sorgen und der Bevölkerung zu helfen“.[11]

Bei der Suche nach geeigneten Persönlichkeiten für das Bürgermeisteramt wandten sich die Amerikaner häufig an die örtliche Geistlichkeit. Für Riemke – die Soldaten hatten den Stadtteil am Morgen des 10. April besetzt – hält die Chronik der katholischen Pfarrgemeinde fest: „Gegen ein Uhr mittags wurde der Pfarrer zur alliierten Militärregierung gerufen. Man machte ihm den Vorschlag, den Posten eines Bürgermeisters von Hofstede-Riemke zu übernehmen. Der Pfarrer lehnte diesen Vorschlag ab. Daraufhin wurde der Metzgermeister Franz Lanfermann zum Bürgermeister ernannt.“[12]

In Oberdahlhausen hat Pfarrer Wilhelm Klüppel von der Pfarrgemeinde St. Engelbert Ähnliches niedergeschrieben: „Am Dienstag, den 10. April 1945 erschienen die ersten Panzer der Amerikaner. [...] Am folgenden Tage, dem 11.4.45, wurde der Pfarrer mittels Auto zum Kommandanten geholt. Er sollte ihm eine vertrauenswürdige Person in Oberdahlhausen angeben, die die Stelle eines Ortsbürgermeisters einnehmen sollte. Wir sind dann zu verschiedenen Männern in Oberdahlhausen gefahren. Aber keiner von ihnen hat den Posten angenommen. [...] Dann habe ich das Amt dem Herrn Karl Sch. angetragen. Dieser war bereit dazu. Er ist heute zum Kommandanten [...] gewesen. Dieser hat ihn als Ortsbürgermeister von Oberdahlhausen angenommen und ihm schon eine Anzahl Anweisungen gegeben.“[13] Der Pfarrer berichtet weiter, dass sich um den neuen Ortsbürgermeister ein Stab von Mitarbeitern gebildet habe, die er namentlich aufführt, unter ihnen ein Wilhelm Berghoff, der wenige Tage später – nach einem offenbar stattgefundenen Amtswechsel – in den Bochumer Rathausakten als Bürgermeister von Dahlhausen auftaucht.[14]

 

In Langendreer haben die Amerikaner Brauereidirektor Sode von der Müser-Brauerei zum Bürgermeister ernannt.[15] Die Ernennung muss rasch nach der Einnahme des Stadtteils, die am Nachmittag des 10. und Morgen des 11. April stattfand,[16] erfolgt sein, denn sie führte zwei Tage später im Bochumer Rathaus zu Irritationen, dort gab es einen städtischen Mitarbeiter desselben Namens. Bürgermeister Dr. Geyer schrieb dazu dem Chef der Militärregierung: „Es wird berichtet, dass angeblich der technische Stadtinspektor Sode von der Militärregierung zum Bürgermeister von Bochum-Langendreer bestimmt ist [...] Die Aufrechterhaltung der Maßnahme würde leicht Verwirrung in der Bevölkerung hervorrufen können. Bochum-Langendreer ist ein Teil der Stadt Bochum.“[17]

Die Antwort des Kommandanten auf dieses Schreiben ist nicht erhalten, wohl aber die Antwort auf eine vermutlich ähnliche Eingabe, bei der es um den bereits erwähnten Bürgermeister Berghoff von Dahlhausen ging: „Es ist die Politik der Alliierten Militärregierung, Bürgermeister zu ernennen, wo erachtet wird, dass die örtliche Verwaltung davon Nutzen zieht. Solche Ernennungen sind nur einstweilig. Es versteht sich, dass Stadtteile innerhalb des Stadtkreises Bochum unter Ihre Obrigkeit als Oberbürgermeister von Bochum kommen und durch Ihre zentrale Verwaltung zu leiten sind.“[18]

Worin der in dem Brief des Military Government behauptete Nutzen der ernannten Ortsbürgermeister konkret bestand, die es außer in Dahlhausen, Gerthe, Riemke und Langendreer auch in Stiepel und Höntrop[19], möglicherweise in noch weiteren Bochumer Stadtteilen gab, lässt sich nur allgemein umschreiben, denn schriftliche Hinterlassenschaften ihres Wirkens gibt es, bedingt durch die damaligen Zeitumstände, nicht. Aufgabe der Ortsbürgermeister sollte es sein, in ihren Stadtteilen Hilfsdienste wie Straßenräumung und andere bürgerschaftliche Selbsthilfe sowie Ordnungsdienste zu organisieren. Sie hatten als bürgernahe Mittler zwischen der deutschen Bevölkerung und den alliierten Besatzungssoldaten, entsprechend der Anweisung an Max Ibing in Gerthe, für „Ruhe und Ordnung zu sorgen und der Bevölkerung zu helfen“.[20] Tatsächlich haben sie „sehr flexibel Not- und Polizeimaßnahmen organisiert und dadurch zur Ausfüllung des beim Einmarsch herrschenden Machtvakuums beigetragen“.[21]

Die Notwendigkeit von Ortsbürgermeistern in den Stadtteilen ging nach den ersten Monaten ihrer Tätigkeit in dem Maße zurück, in dem sich die Verhältnisse konsolidierten und die auswärtigen Stadtteile wieder besser zu erreichen und in die kommunalen Kommunikations- und Handlungsstrukturen einzubinden waren. Zum Langendreerer Ortsbürgermeister heißt es: „Herr Sode hat diesen undankbaren Posten bis Juli bekleidet.“[22] In den anderen Stadtteilen dürften die ernannten Bürgermeister ähnlich lange amtiert haben; nach der Ernennung von Dr. Franz Geyer zum Oberbürgermeister kommen sie in den Rathausakten nicht mehr vor.

 

Erster bürgerschaftliche

Mitwirkungsgremien

 

Während es den Besatzungsmächten im ersten Schritt darum ging, mit Hilfe ortsbekannter Bürgermeister Ruhe und Ordnung herzustellen und intakte, aber politisch unbelastete Verwaltungsspitzen zu installieren, versuchten sie schon bald danach in einem zweiten Schritt, den Verwaltungsspitzen Gremien einer bürgerschaftlichen Mitwirkung zur Seite zu stellen: für die Stadtebene einen Stadtausschuss, später auch für eine Reihe von Stadtteilen einen Ortsausschuss. In diese noch kleinen Gremien wurden Vertreter der Bevölkerung aus „den alten, vor 1933 bestehenden, politisch unbelasteten Parteien, den Konfessionen und den verschiedenen, das Wirtschaftsgepräge der Gemeinde bestimmenden Berufen“ auf Vorschlag des Verwaltungschefs von der Militärregierung berufen.[23]

 

Die zweimalige Gründung eines

Stadtausschusses

 

In Bochum fanden erste Schritte zur Bildung eines Stadtausschusses schon Anfang Mai 1945 statt. Bürgermeister Dr. Geyer befand sich noch in Internierungshaft, und die Engländer hatten einen der höheren Beamten des Rathauses, den städtischen Rechtsrat Ferdinand Bahlmann, zum Bürgermeister und damit zum Spitzenmann im Rathaus ernannt. Dieser nahm, sicher auf Anregung der Militärregierung, denn sonst hätte er dies kaum gewagt, Kontakt zu Exponenten der Parteien und Gewerkschaften aus der Weimarer Zeit auf und traf sich mit Persönlichkeiten aus der früheren Zentrumspartei, aus SPD, KPD und den Gewerkschaften am 6. Mai – also noch vor dem offiziellen Kriegsende – zu einer Besprechung im Bochumer Rathaus, um die Gründung eines „kommunalpolitischen Ausschusses“ zu beraten.[24] Bereits am 8. Mai, dem Tag, an dem die deutsche Kapitulation in Kraft trat, traf sich dieser kommunalpolitische Ausschuss zu seiner konstituierenden Sitzung; jede der genannten vier Richtungen hatte zwei Vertreter entsandt.[25] Als das Gremium am 30. Mai erneut zusammen trat, diesmal ergänzt um Vertreter der evangelischen Kirche,[26] wurden seine Mitglieder im Anschluss an die Sitzung dem englischen Stadtkommandanten vorgestellt, der die Zusammensetzung des Gremiums offenbar akzeptierte, aber mit Nachdruck darauf hinwies, dass parteipolitische Tätigkeit auf keinen Fall geduldet werde.[27]

Dieser Kommunalpolitische Ausschuss, gelegentlich auch schon „Stadtausschuss“ genannt, sollte die nächsten drei Wochen nicht überleben. Am 20. Juni 1945 ließ der Kommandant Bürgermeister Bahlmann und alle Mitglieder des Ausschusses zu sich kommen und hielt ihnen eine „Standpauke“, die mit der Auflösung des Gremiums endete. Der Grund: Ein Mitglied der Gruppe, der Gewerkschafter Friedrich Schürmann, hatte unter dem Briefkopf „Kommunalpolitischer Ausschuss der Stadt Bochum“ direkt an den Regierungspräsidenten in Arnsberg geschrieben, also unter Umgehung des Bürgermeisters und des Stadtkommandanten, obwohl der englische Offizier bei der Vorstellung des Ausschusses am 30. Mai die strikte Einhaltung des formalen Dienstweges ausdrücklich vorgeschrieben hatte. In dem beanstandeten Brief war von der angeblich einstimmigen Forderung des Gremiums die Rede, den Dr. Franz Geyer mit dem Amt des Oberbürgermeisters und den Sozialdemokraten Paul Witthüser, Mitglied des Kommunalpolitischen Ausschusses, zum Bürgermeister zu berufen. Das scharfe Verhör jedes einzelnen Ausschussmitgliedes durch den Stadtkommandanten ergab, dass dem Inhalt des Briefes kein Beschluss des Gremiums, sondern ein persönlicher Vorschlag von drei seiner Mitglieder zugrunde lag.[28] Der Stadtkommandant „verdonnerte“ diese drei, sich täglich um 9 Uhr beim zuständigen Polizeirevier zu melden und löste den ganzen Ausschuss auf. Das Skurrile des Vorgangs: Bevor der Offizier die entlassenen Stadtvertreter nach Hause schickte, teilte er der Runde noch mit, dass er der so hart geahndeten Intervention der Briefschreiber in der Hauptsache so gar entsprochen hatte: Er habe den inzwischen aus der Haft entlassenen Dr. Franz Geyer mit Wirkung ab 1. Juli zum Oberbürgermeister der Stadt Bochum ernannt und zu dessen Stellvertreter den bereits nach Geyers Verhaftung zum Bürgermeister ernannten Ferdinand Bahlmann.[29]

Das Vorgehen des Stadtkommandanten war nicht politisch, sondern disziplinarisch motiviert. Die Engländer wollten Stadtausschüsse als ersten Schritt der Demokratisierung in ihrer Besatzungszone. Sie hatten das Bürgermeister Bahlmann wohl wissen lassen, denn dieser schickte seinen Vermerk über den Entlassungsvorgang dem designierten Oberbürgermeister Dr. Geyer mit der Anmerkung zu, es ihm überlassen zu wollen, einen neuen Stadtausschuss zu berufen.[30] Ein bürgerschaftliches Gremium an der Seite des leitenden Gemeindebeamten forderte auch ein Rundschreiben des von den Engländern ernannten Regierungspräsidenten in Arnsberg, das dieser am 6. Juli 1945 zur Überleitung von der nationalsozialistischen auf eine demokratische Gemeindeverwaltung an die Kommunen seines Regierungsbezirks richtete: Es sollten „Ausschüsse gebildet werden, die dem Leiter der Gemeinde beratend und anregend zur Seite stehen, ihn in ständiger und enger Verbindung über die Stimmung, die Wünsche und Bedürfnisse der Gemeindebürger unterrichten, von seiner eigenen Arbeit und seinen Sorgen fortlaufend Kenntnis erhalten und dafür sorgen, dass die Bürgerschaft seinen Entschließungen und Anordnungen Verständnis und seinem Gesamtwirken Vertrauen entgegen bringt“.[31]

Schon bald nach Eingang des Rundschreibens aus Arnsberg stimmte sich Oberbürgermeister Dr. Geyer mit den Exponenten der früheren Weimarer Parteien und Gewerkschaften sowie mit kirchlichen Repräsentanten über die Besetzung eines neuen Ausschusses ab, und am 28. Juli übermittelte er dem englischen Stadtkommandanten seinen Vorschlag für ein nunmehr elfköpfiges Gremium. Zum Teil waren es Mitglieder des aufgelösten Kommunalpolitischen Ausschusses, die er wieder vorschlug, natürlich nicht die drei in Ungnade gefallenen Briefschreiber, teilweise auch neue Köpfe.[32] Am 24. August bestätigte die Militärregierung das neue Gremium[33], in dem sich im Laufe des Jahres noch einige personelle Veränderungen ergaben. Es hieß nun grundsätzlich „Stadtausschuss“. Am Jahresende bestand dieser aus zwölf Mitgliedern: vier Sozialdemokraten, zwei Kommunisten, zwei Vertretern des Zentrums, die nun aber der neu gegründeten Christlich-Demokratischen Partei (CDP) angehörten, zwei Exponenten der evangelischen Kirche und zwei Vertretern der örtlichen Wirtschaft.

Der Stadtausschuss hatte nach eigenem Selbstverständnis, das er zu Anfang seiner Tätigkeit in einer vorläufigen Geschäftsordnung formulierte, das Recht, „die grundlegenden Richtlinien der Verwaltung und Entwicklung zu bestimmen, über Verwaltungshandlungen vom Oberbürgermeister Auskunft zu fordern und Beschwerden zu verfolgen“.

Er wollte in wichtigen Fragen wie die Festsetzung des Haushalts- und Stellenplans, die Festsetzung von Abgaben und Tarifen oder die Verfügung über Gemeindevermögen gehört werden.[34] Doch vieles davon war zunächst Theorie. Seine tatsächliche Arbeit dürfte den schweren Problemen der in Schutt und Asche gesunkenen Stadt gegolten haben. Sitzungsprotokolle gibt es nicht, denn daran dachte niemand angesichts der dramatischen Lage, die ein paar Jahre später im Verwaltungsbericht so geschildert wurde: „Die Lage, in der sich die Stadt [...] nach dem Zusammenbruch befand, kann man sich nicht dunkel genug vorstellen. Das Stadtgebiet war mit Trümmern übersät. Der Verkehr stockte, weil die Straßenbahn lahm gelegt war und es den wenigen noch vorhandenen Kraftwagen an Treibstoff und Reifen mangelte. Die Nachrichtenübermittlung war infolge der Bombeneinwirkung und der Sprengung der Hauptkabelstränge, die die nationalsozialistische Führung noch kurz vor ihrem Abtreten befohlen hatte, schwer gestört. Die Ladengeschäfte waren leer; was in ihnen an Waren noch vorhanden gewesen war, war vielfach geplündert worden. Die Betriebe ruhten. [...] Zentralbehörden, die allgemeine Richtlinien für die Beseitigung des Chaos hätten aufstellen können, gab es nicht mehr.“ Allein auf den kommunalen Schultern hätte demzufolge „die schwere Last der Erfüllung der von der Besatzungsmacht gestellten Anforderungen, der Versorgung der Bevölkerung mit den Gütern des dringendsten täglichen Bedarfs, der gesundheitlichen und fürsorgerischen Betreuung, der Beschaffung der nötigen Gelder, der Wiederherstellung lebenswichtiger zerstörter Straßen und Anlagen (Wasserleitung, Kanalisation, Kabel, Gasleitung)“ gelegen.[35]

Der mit solchen Problemen befasste zwölfköpfige Stadtausschuss bestand bis Anfang 1946; seine letzte aktenkundige Sitzung fand am 8. Januar im Rathaus statt. [36] Ende Januar wurde er durch ein 42-köpfiges, quasi-parlamentarisches Gremium ersetzt, das anfangs zum Teil als „erweiterter Stadtausschuss“ bezeichnet,[37] schließlich aber übereinstimmend „Stadtvertretung“ genannt wurde. Bei der Konstituierung dieser neuen Stadtvertretung würdigte Oberbürgermeister Dr. Geyer noch einmal den abgetretenen Stadtausschuss: Von der Militärregierung gebildet, um „die Verbindung zwischen Verwaltung und Bevölkerung herzustellen und dem Volkswillen Gelegenheit zur Äußerung zu geben“, habe er „wertvolle Aufbauarbeit für die Wiedererrichtung des kommunalen Lebens geleistet. [...] Dass er nur eine beratende Funktion hatte“ sei „niemals in Erscheinung getreten, da sämtliche Beschlüsse und Ausführungen in einhelliger Einmütigkeit erfolgt sind.“ [38]

 

Ergänzende Ortsausschüsse

 

Vergleichsweise spät kam es zu den auf Stadtteilebene gewollten bürgerschaftlichen Mitwirkungsgremien. Im September 1945 bat der Stadtkommandant den Oberbürgermeister um Prüfung, ob nicht zusätzlich zu dem Stadtausschuss in einigen Stadtteilen auch Ortsausschüsse gebildet werden sollten,[39] aber erst Ende des Jahres kam es dazu. Zu dieser Zeit war bereits der Ersatz des Stadtausschusses durch jene Stadtvertretung in die Wege geleitet, die bald auch die Ortsausschüsse überflüssig machen sollte. Dennoch sind die Ortsausschüsse, die gewissermaßen Vorläufer der heutigen Bezirksvertretungen waren, ein wichtiger Akzent der damaligen Bemühungen, bürgerschaftliche Mitwirkung auf breiter Basis zu organisieren.

Ende 1945 war in den Amtlichen Bekanntmachungen des Rathauses zu lesen: „Im Zuge des Aufbaues einer demokratischen Selbstverwaltung wurden am 5. Dezember für die Stadtteile Gerthe, Harpen, Hiltrop, Bergen und am 11. Dezember für die Stadtteile Langendreer-Werne je ein Ortsausschuss für die Beratung örtlicher kommunaler Angelegenheiten eingeführt. Jeder Ortsausschuss besteht aus 12 Mitgliedern, die politischen Parteien und Gewerkschaften sowie der Industrie, dem Handel und Gewerbe angehörten. Die Mitglieder der Ortsausschüsse wurden in Anwesenheit des Kommandanten der Militärregierung, Herrn Oberstleutnant Newton, durch Oberbürgermeister Dr. Geyer in ihr Amt eingeführt und durch Handschlag zu gewissenhafter und unparteiischer Amtsführung verpflichtet.“[40] Darüber hinaus wurden am 15. Dezember für Linden-Dahlhausen und am 17. Dezember für Stiepel-Querenburg-Laer Ortsausschüsse gebildet.[41]

Dem Oberbürgermeister waren ab Mitte Oktober Vorschläge von Parteien, Kirchen, Industrie, Handel und Gewerbe zur Besetzung der Ortsausschüsse
übermittelt worden.[42] Oberbürgermeister Dr. Geyer hat daraus wohl die Zusammenstellung einer Vorschlagsliste für die Militärregierung vorgenommen, denn in seinem den späteren Mitgliedern im November übersandten, vervielfältigten Schreiben heißt es: „Für den dortigen Ortsausschuss zur Beratung kommunaler Angelegenheiten habe ich Sie als Mitglied vorgeschlagen. Auf Wunsch der Militärregierung bitte ich, den anliegenden Fragebogen auszufüllen und mir baldmöglichst wieder zuzuleiten.“[43] Der Fragebogen hinterfragte vor allem die politische Vergangenheit der Vorgeschlagenen, denn jede frühere Nähe zu NS-Organisationen schloss ein Amt in der „neuen“ Demokratie ausdrücklich aus.

Die Funktion der Ortsausschüsse ergibt sich beispielhaft aus der Präambel einer vorläufigen Geschäftsordnung, die sich der Ortsausschuss Langendreer-Werne gab und auf einem Textmuster beruhte, das vermutlich auch den übrigen Gremien an die Hand gegeben war: „Die Ortsausschüsse sind Vertrauensorgane der Bürgerschaft, die dem Leiter der Gemeinde zur Seite stehen und ihn über die Stimmung, Wünsche und Nöte der Bevölkerung unterrichten. An der kommunalen Arbeit sollen sie besonders hohen Anteil nehmen und dafür sorgen, dass die Bürger den Entschließungen und Anordnungen der Verwaltung Verständnis und Vertrauen entgegenbringen.“[44] In ihrem jeweiligen regionalen Zuständigkeitsbereich sollten sie „insbesondere auf dem Gebiete des Wohlfahrts- und Wohnungswesens, der Ernährungswirtschaft und der Schulverwaltung“ tätig werden.[45]

Nach der Bildung der Ortsausschüsse im Dezember 1945 begann deren praktische Arbeit im Januar 1946. Beispielhaft soll hier die Arbeit des Ortsausschusses Langendreer-Werne skizziert werden, da von ihm das umfangreichste Quellenmaterial erhalten ist.[46]

Zu seiner konstituierenden Sitzung trat der Langendreer-Werner Ortsausschuss am 14. Januar 1946 im Amtshaus Langendreer, der heutigen Bezirksverwaltungsstelle, zusammen. Nach der Wahl eines Vorsitzenden des Ortsausschusses – der CDU-Kandidat Hubert Diermann[47] wurde es – bildete der Ortsausschuss fünf Kommissionen: eine „Kommission für Kulturwesen“ (die sich mit Schulfragen befassen sollte), eine „Ernährungs- und Wirtschaftskommission“, eine „Kommission für Bauangelegenheiten“ und je eine „Kommission für Wohnungsfragen“ für den Stadtteil Langendreer und den Stadtteil Werne.

Gleich nach Festlegung dieser Regularien packten die Langendreerer die ersten praktischen Aufgaben an. Die Mitglieder der Kommission für Bauangelegenheiten und der Kommission für das Kulturwesen wurden beauftragt, sich schnellstens um die Langendreer-Werner Schulprobleme zu kümmern. Schon am nächsten Tag sollten sie mit einem Vertreter der Stadtverwaltung die Schulen des Langendreer-Werner Stadtgebietes besichtigen. Weiter regte der Ortsausschuss an, einen Baufachmann in Langendreer zu stationieren und ein Pflegehaus zur Aufnahme von Flüchtlingen bereitzustellen. Zur Abhilfe der Wohnungsnot sollten alle noch vorhandenen Wohnungen daraufhin überprüft werden, wo sich Ausgebombte zuweisen ließen.

Schon 10 Tage später, am 24. Januar 1946, traf sich der Ortsausschuss erneut und nahm den Bericht des „Kulturausschusses“ entgegen: Dessen Mitglieder berichteten von der erfolgten Besichtigung der Schulen und kritisierten die unzureichende Unterrichtung von Schulamt und Hochbauamt im Rathaus über den Zustand der Schulen des Bochumer Ostens. Im Übrigen wurde Kritik an der Beschäftigung von Personen im Bochumer Rathaus geübt, die wegen ihrer früheren Zugehörigkeit zur NSDAP untragbar seien.

Am 4. Februar 1946 befasste sich der Ortsausschuss mit der „beabsichtigten Einführung der Schulspeisung“ und machte dem Ernährungsamt im Rathaus Vorschläge zu ihrer Durchführung, „insbesondere über geeignete Räume, Beschaffung der Kochkessel u. a.“. Dann wurde der Bericht des Unterausschusses Bauwesen entgegen genommen, der sich in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Bezirksarchitekten für die „Einrichtung einer besonderen Dienststelle der Bauverwaltung für den Bezirk Langendreer-Werne mit dem Sitze im Amtsgebäude Langendreer“ eingesetzt hatte.

Als sich der Langendreer-Werner Ortsausschuss am 11. März 1946 erneut zusammenfand, brachte Ortsvorsteher Hubert Diermann – die Vorsitzenden der Ortsausschüsse wurden inzwischen Vorsteher genannt – die Zusage der Stadtverwaltung mit, dass ab 1. April 1946 in weiteren drei Langendreerer Schulen der Schulunterricht wieder aufgenommen werde.

Intensiv diskutiert wurde die Ernährungslage. Der Ortsausschuss beschloss ein Treffen mit den örtlichen Milchhändlern, damit diese die Milch wieder in die Häuser lieferten. Hintergrund dieses Wunsches waren Probleme der Verteilungsgerechtigkeit, die offener beim Fischhandel angesprochen wurden. Der Fischverkauf solle nicht mehr an Ständen ambulanter Händler, sondern durch örtliche Geschäfte erfolgen, damit „alle Anwohner gleiche Chancen haben, Fisch zu erwerben“. Überhaupt sollten in den Geschäften „Kundenlisten eingeführt werden, damit alle Familien in den Genuss der Waren kommen“.

Der Verkauf von Milch und von Fisch wurde nicht nur im Bochumer Osten problematisiert. Auch die Ortsausschüsse für Gerthe/Harpen/Hiltrop/Bergen und für Linden/Dahlhausen befassten sich mit diesen Themen, kritisierten das lange „Schlangestehen“ vor den Verkaufsständen der ambulanten Fischhändler und die Probleme der Milchverteilung. In Linden wurde die „mangelnde Milchablieferung von Bauern“ angeprangert, die ihre Produkte lieber in den Schwarzhandel gäben. In Gerthe ging es auch um die Beschaffung von Särgen, um fehlendes Beschlagmaterial für die Schuster, um die Suche nach Saatgut und Pflanzkartoffeln.[48]

Die Ortsausschüsse wirkten nur ein gutes Vierteljahr. Nachdem die neue Stadtvertretung mit zahlreichen Fachausschüssen gebildet war und in dem 42-köpfigen Gremium Vertreter aus den meisten Stadtteilen mitwirkten, sollten auch die örtlichen Interessen im Stadtausschuss wahrgenommen werden. Am 13. April 1946 teilte das Bochumer Amtsblatt unter Hinweis auf die vorgenannten Gründe mit, die vier Ortsausschüsse seien „mit Genehmigung der Militärregierung und im Einvernehmen mit den politischen Parteien“ aufgelöst worden.[49]

 

Schritte zu qualifizierter

parlamentarischer Arbeit

 

In dem von der Siegermacht betriebenen Demokratisierungsprozess waren Stadtausschuss und Ortsausschüsse Vorstufen der Einführung eines kommunalen parlamentarischen Systems. Als nächste Stufe sollte noch vor der Wahl eines Stadtparlaments, die eine längere Vorbereitung benötigte, eine quasi-parlamen-tarische Einrichtung entstehen, – in Gestalt, Zusammensetzung, Arbeitsweise und Befugnissen einem Stadtparlament ähnlich, aber noch von der Militärregierung ernannt und von deren Zustimmung zu den gefassten Beschlüssen abhängig.

 

Die Bildung der Stadtvertretung

 

Nachdem der englische Stadtkommandant Oberbürgermeister Dr. Geyer schon am 18. September 1945 mitgeteilt hatte, Kommunalparlamente könnten noch nicht gewählt, doch sollten „örtliche Komitees auf breiter Basis“ gebildet werden,[50] berichtete am 22. September 1945 die von den Engländern für die britische Besatzungszone herausgegebene „Ruhrzeitung“ in einem Artikel über „Demokratisierung und Dezentralisierung der Orts- und Bezirksverwaltungen“ von der Absicht der Militärregierung, so genannte „repräsentative Ratsausschüsse“ zu bilden und mit – aus damaliger Sicht – weitgehenden Freiheiten auszustatten. Die Zeitung schrieb: „Den Mitgliedern der Ratsausschüsse wird es freistehen, nach ihrem Gewissen zu reden und abzustimmen. Einzige Bedingung ist, dass die Sicherheit der Besatzungstruppen und der Grundsatz der Ausmerzung des Nationalsozialismus und des Militarismus gewahrt bleiben. Die Versammlungen der Ratsausschüsse werden öffentlich sein. Ihre Entscheidungen und ihre Berichte sind ebenfalls öffentlich. Das Publikum sollte diesen Sitzungen beiwohnen und sich genau mit dem vertraut machen, was dort geschieht.“

Diese „Ratsausschüsse“ waren nach den Vorstellungen der Besatzungsmacht nicht nur für die lokale Ebene gedacht, sondern als durchgängig neues Verwaltungskonzept, das zunächst in Gemeinden, Stadt- und Landkreisen, später aber auch für Regierungsbezirke, Provinzen und Länder eingeführt werden sollte. Auf diese Weise sollten die Verwaltungen „in Bahnen einer Dezentralisierung der politischen Struktur und der Förderung örtlicher Verantwortung gelenkt werden“.[51] Zu dem neuen Konzept gehörte das Prinzip der strikten personellen Trennung politischer Beschlussverfahren von ihrer administrativen Ausführung, wie sie dann in der kommunalen Doppelspitze Oberbürgermeister/Oberstadtdirektor verwirklicht werden sollte.

In Bochum trete, so berichtete am 6. Oktober 1945 das inzwischen in „Amtliche Bekanntmachungen“ umbenannte Mitteilungsblatt der Stadt[52] in einem Beitrag über die „neue deutsche Kommunalpolitik“, der von der Militärregierung ernannte Ratsausschuss an die Stelle des bisherigen Stadtausschusses. Die Bezeichnungen für das neue Gremium waren, vielleicht infolge unterschiedlicher Übersetzungen aus dem Englischen, anfangs nicht einheitlich. Die Ruhrzeitung und die Amtlichen Bekanntmachungen der Stadt schrieben zunächst vom „Ratsausschuss“, während Oberbürgermeister Dr. Geyer noch bis in den Januar hinein vom „erweiterten Stadtausschuss“ sprach,[53] in der Verwaltung aber auch die Bezeichnung „Stadtrat“ verwendet wurde.[54] Doch nachdem die Amtlichen Bekanntmachungen nach der Konstituierung des neuen Gremiums nur noch von der „Stadtvertretung“ berichteten,[55] setzte sich diese Bezeichnung durch.

In Bochum hatte sich nach den Ankündigungen des neuen Gremiums Mitte September/Anfang Oktober längere Zeit nichts in Richtung Verwirklichung getan. Offenbar hing dies auch von der jeweiligen örtlichen Kommandantur ab. Während die Wattenscheider Stadtvertretung bereits am 18. Dezember 1945 einberufen wurde,[56] schrieb Bochums Stadtkommandant dem Oberbürgermeister erst an diesem Tag, das Gremium bilden zu wollen.[57] Einen Tag vorher hatte er dies in einer Besprechung angekündigt und um Vorschläge der politischen Parteien sowie aus Handel, Gewerbe und Industrie, aus der Handwerkerschaft und Bauernschaft, evtl. auch aus den freien Berufen, gebeten.[58] Oberbürgermeister Dr. Geyer schrieb nun an die politischen Parteien CDP, SPD, KPD sowie an die IHK, die Kreishandwerkerschaft, Kreisbauernschaft und die Vorsitzenden des Anwälte- und des Ärztevereins und erbat Kandidatenvorschläge.[59]

Hier wurden erstmals ganz offiziell die wieder oder neu gegründeten Parteien beteiligt,[60] während in die im Mai und Juli 1945 gebildeten Stadtausschüsse noch Repräsentanten der alten Weimarer Parteien berufen worden waren. Dennoch handelte es sich teilweise um dieselben Personen, denn diese Politiker aus der Zeit vor 1933 waren durchweg führend an der Wieder- und Neugründung der Parteien beteiligt, nachdem die Militärregierung dies im Spätsommer 1945 zuließ. Sie hatten mit der organisatorischen Vorbereitung der Gründungen bereits im Mai/Juni trotz des strikten Verbots parteipolitischer Betätigung begonnen;[61] die wiederholten Hinweise des Stadtkommandanten auf dieses Verbot gegenüber den Mitgliedern des ersten, dann aufgelösten Stadtausschusses lassen vermuten, dass ihm die entsprechenden Aktivitäten nicht völlig verborgen geblieben waren. Nachdem ab 15. September 1945 Parteiorganisationen auf Kreisebene gestattet waren, wählte die SPD am 16. September einen vorläufigen Vorstand ihres Stadtverbands Bochum,[62] und am 18. September wurde der Kreisverband Bochum der CDP gegründet, der seinen Namen am 30. Dezember in Anlehnung an Gründungen in anderen Teilen Deutschlands in CDU änderte.[63] Die FDP wie die schließlich auch wieder gegründete, langfristig aber nicht erfolgreiche Zentrumspartei kamen in Bochum erst Mitte 1946 ins politische Geschäft.[64]

Gleich nach dem Jahreswechsel 1945/46 lagen die Kandidatenvorschläge der Parteien, Standes- und Berufsorganisationen dem Oberbürgermeister vor, der sie dem Stadtkommandanten am 3. Januar 1946 weiterleitete. Dessen Auswahl erfolgte diesmal rasch; unter dem 15. Januar konnte Geyer in seinem Auftrag je zehn Vertreter der CDU, SPD und KPD sowie zwölf Vertreter der genannten beruflichen Standesorganisationen zur konstituierenden Sitzung der neuen Stadtvertretung einladen. Insgesamt umfasste die neue Stadtvertretung also 42 Mitglieder; sie ist im Sommer 1946 aufgrund der inzwischen erfolgten Zulassung der FDP, der früheren Zentrumspartei und des DGB durch je zwei Vertreter der beiden Parteien und drei DGB-Vertreter auf 49 erhöht worden.[65]

Die Konstituierung der Stadtvertretung fand am Montag, dem 28. Januar 1946 um 11 Uhr vormittags in der so genannten Glasveranda des Parkhauses in Form eines Festaktes statt. Offenbar sollte die Einführung der Demokratie der Bevölkerung besonders eindrucksvoll vor Augen geführt werden.[66] In Gegenwart des britischen Bezirkskommandanten und des Regierungspräsidenten aus Arnsberg sowie des Bochumer Stadtkommandanten, die alle in ihren Reden den Aufbau einer neuen, demokratischen Ordnung vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Diktatur thematisierten, wurden die 42 Stadtvertreter von Oberbürgermeister Dr. Geyer einzeln per Handschlag verpflichtet.[67] Geyer hatte in seiner Begrüßungsrede die schwierige Situation der Stadt mutig mit deutlichen Worten geschildert: „Das furchtbare Erbe der letzten zwölf Jahre machte den Anfang des Wiederaufbaus unsagbar hart und schwer [...]. Es galt, die erste Ordnung in der Bestürzung und Verwirrung des Zusammenbruchs zu schaffen und den Lebenswillen der Bevölkerung wieder aufzurichten. [...] Durch die Lahmlegung des gesamten Verkehrs war die Ernährungslage nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen äußerst kritisch. Plünderungen störten die ordnungsmäßige Verteilung. [...] Da infolge der Kohlenknappheit ein großer Teil der Bevölkerung außerstande ist, sich selbst eine warme Mahlzeit zu bereiten, wurde unter Mitarbeit der Wohlfahrtsverbände eine Großküche eingerichtet, die täglich ein warmes Essen für mehrere tausend Personen herstellen kann. [...] Die Versorgung der Bevölkerung mit Bekleidungsstücken und Hausrat ist schlecht [...]. Trotz aller Anstrengungen war es nicht möglich, auch nur der dringendsten Not zu begegnen.  So  liegen  zurzeit  etwa 30000 Anträge auf Bezugsscheine für Schuhe vor, während in den letzten Wochen nur 2500 Schuhe verteilt werden konnten. [...] Durch die Kriegsereignisse wurden mindestens 40000 Wohnung-einrichtungen   zerstört.  [...]

Demgegenüber konnte das Wirtschaftsamt im letzten Vierteljahr 1945 nur über 78 Herde, 11 Heizöfen, 56 Betten, 9 Kleiderschränke und 39 Küchenschränke verfügen.“

Geyer schilderte aber auch erste Erfolgsansätze: Gewaltige Trümmermassen seien bereits beseitigt worden, „von Hand und mittels Bagger und Feldbahn“, etwa 109.000 m³ Schutt schon Ende 1945. An 42 Volks- und Berufsschulen sei im Herbst der Unterricht wieder aufgenommen worden, sodass 11.600 Kinder wieder zur Schule gingen, aber ebenso viele Kinder warteten wegen der zerstörten Schulgebäude noch auf ihre Einschulung.

Schließlich kam der Oberbürgermeister auf den neuen Stand der demokratischen Selbstverwaltung zu sprechen: „Die neue Stadtvertretung unterscheidet sich von dem früheren Stadtausschuss nicht nur durch die Erhöhung der Zahl ihrer Mitglieder von 12 auf 42. Sie hat in ihrem Aufgabenbereich außer der beratenden jetzt auch eine beschließende Funktion. Als Organ, das vor der Öffentlichkeit seine Entschlüsse fasst, sind die Mitglieder die verantwortlichen Träger des Volkswillens. Die Vertreter der Bürgerschaft treten damit wieder in den Vordergrund der kommunalen Arbeit. Sie haben die grundlegenden Beschlüsse zu fassen, die die Planung der Verwaltungsarbeit festlegen.“

 

Der Weg zu einer neuen Kommunalverwaltung

 

Die strikte Trennung zwischen politischer Entscheidung und administrativer Verwirklichung des Entschiedenen kulminierte im Prinzip der kommunalen Doppelspitze. Schon bald werde in Anlehnung an die englische Kommunalverfassung, hatte Geyer schon in der Eröffnungsveranstaltung der Stadtvertretung mitgeteilt, auch in Bochum getrennt zwischen einem ehrenamtlichen Oberbürgermeister als Vorsitzendem des Stadtparlaments und einem hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Chef der Verwaltung.

Die Wahl eines solchen Oberbürgermeisters stand auf der Tagesordnung der zweiten Sitzung der neuen Stadtvertretung, die am 1. März 1946 stattfand.[68] Für die SPD kandidierte Wilhelm Geldmacher, Dreher und später Arbeitsdirektor beim Bochumer Verein, für die CDU der Straßenbahndirektor Tilmann Beckers, der schon vor dem „Dritten Reich“ für den Christlich-Sozialen Volksdienst dem Stadtparlament und dem Magistrat der Stadt angehört hatte. Ein Wahlvorschlag der KPD wurde noch vor der Wahlhandlung zugunsten des SPD-Kandidaten zurückgezogen. Tilmann Beckers, für den auch die Vertreter der Berufsgruppen votierten, erhielt die Mehrheit der Stimmen und war damit zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Nach kurzer Dankesrede übernahm er die Leitung der Sitzung, die sich sogleich mit der Wahl von Ausschüssen und dem Haushaltsplan 1946 beschäftigte, den Dr. Geyer – als Leiter der Verwaltung nunmehr Oberstadtdirektor – erläuterte.

Doch die Wahl des Oberbürgermeisters bedurfte noch der Bestätigung der Militärregierung. Die schien sicher, denn das Votum der Versammlung war eindeutig gewesen und der Stadtkommandant hatte den neuen Oberbürgermeister schon am nächsten Tag zur Besprechung aktueller kommunaler Aufgaben zu sich gebeten. Doch eine Woche später wurde die Stadtvertretung  vom  Stadtkommandanten  zu  einer dringenden Sitzung am 8. März gerufen, bei der Oberstleutnant Newton ebenso kurz wie bündig erklärte: „Meine Damen und Herren! Ich habe heute drei Bekanntmachungen zu übermitteln: 1. Auf Anordnung der Militärregierung ist die Ernennung des Herrn Beckers zum Oberbürgermeister nicht genehmigt worden. 2. Auf Anordnung der Militärregierung ist Herr Geldmacher zum Oberbürgermeister ernannt worden. 3. Auf Anordnung der Militärregierung ist Herr Dr. Geyer nicht mehr Oberstadtdirektor.“[69] Nach diesen Worten war nicht nur seine Bekanntmachung, sondern die ganze Sitzung beendet.

Die Gründe dafür, dass die Militärregierung dem Mehrheitsvotum der Stadtvertretung nicht folgte, sind weder dort noch später mitgeteilt worden. Völlig unverständlich war die Entlassung des bisherigen Oberbürgermeisters und neuen Oberstadtdirektors Dr. Geyer, der als hoch qualifiziert und völlig untadelig galt und von dem in der nächsten Sitzung der Stadtvertretung gesagt wurde, er habe sich unermüdlich mit überlegenem Können um das Wohl der Stadt bemüht, die Verwaltung nach dem Zusammenbruch mit außerordentlicher Tatkraft und Umsicht geführt und neuen Lebensmut in allen Schichten der Bevölkerung zu wecken gewusst.[70]

Dr. Geyer erfuhr von seiner Absetzung kurz vor der öffentlichen Bekanntgabe. Der englische Stadtkommandant hatte ihn zu sich gebeten und mitgeteilt, dass der ihm übergeordnete Kommandant beim Military Government Regierungsbezirk Arnsberg die Entlassung mit der Maßgabe verfügt habe, der bisherige Oberbürgermeister könne entweder eine nachgeordnete Funktion in der Verwaltung übernehmen oder seine Pensionierung beantragen. Franz Geyer entschied sich noch am 8. März für die Pensionierung.[71] Jahre später wählte ihn das Bochumer Stadtparlament zum Ehrenbürger der Stadt.[72]

Die Ursache der Entlassung durch die britische Militärregierung ist ebenso undurchsichtig wie ein Jahr zuvor der Grund seiner Verhaftung. Ein Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl ist nicht zu erkennen, denn der englische Bezirkskommandant in Arnsberg hat in einem einheitlichen Schreiben an vier lokale Kommandanten neben der Entlassung von Dr. Geyer in Bochum auch die Entlassung des Oberstadtdirektors von Dortmund, des Oberkreisdirektors des Ennepe-Ruhr-Kreises und des Landrats von Meschede mit der pauschalen Begründung verfügt, sie seien „von der politischen Abteilung der Kontrollkommission für Deutschland angeordnet worden“, die der Ansicht sei, dass diese Beamten nicht „den Standard erreichen“, den sie für „leitende Stellungen in der Verwaltung“ haben sollten und die „frei von jeder Spur von Nazismus sein müssen“.[73] Die Parallele zu dem Kölner Geschehen wenige Monate zuvor drängt sich auf: Dort hatte der englische Militärgouverneur der Nordrhein-Provinz bereits im Oktober 1945 den Anfang Mai von den Amerikanern eingesetzten Kölner Oberbürgermeister wegen Unzufriedenheit mit dessen Leistungen Knall auf Fall entlassen und aus Köln ausgewiesen. Der entlassene Kölner Oberbürgermeister hieß Konrad Adenauer.[74]

Nach der kurzen Sondersitzung, in der Oberstleutnant Newton die Korrektur der von der Stadtvertretung gewählten Stadtspitze durch die Militärregierung bekannt gegeben hatte, trat die Stadtvertretung am 22. März 1946 zusammen, um u. a. einen Stellvertreter des ernannten Oberbürgermeisters und einen neuen Oberstadtdirektor zu wählen.[75] Vorweg erklärte der Fraktionsvorsitzende der CDU, diese werde sich wegen der Verweigerung der Bestätigung ihres demokratisch gewählten Kandidaten Tilmann Beckers nicht an der Bürgermeisterwahl beteiligen, und der Sprecher der Berufsvertreter schloss sich dieser Erklärung an. Die sich aus der damit erfolgten Halbierung des Wahlgremiums ergebende Chance nutzte die KPD, sodass der Kommunist Theodor Köppe Bürgermeister und Stellvertreter des Oberbürgermeisters wurde. Zum neuen Oberstadtdirektor wählte die Stadtvertretung den seit dem 1. Januar 1946 als Kämmerer tätigen Dr. Franz Schmidt. Außerdem wurden die Beigeordneten, unter ihnen der verdienstvolle Stadtbaurat Clemens Massenberg, in ihren Ämtern bestätigt.

Mit Wirkung ab 1. April trat dann die bereits im Dezember angekündigte neue Gemeindeverfassung in Kraft, mit der die noch von den Nationalsozialisten 1935 eingeführte Deutsche Gemeindeordnung (DGO) auch formal abgelöst wurde. Das „Führer­prinzip“, so die Präambel der von den Engländern verfügten Gemeindeordnung, solle durch das Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung ersetzt werden. Wesentliche Befugnisse der Verwaltung, die in der Person des NS-Oberbürgermeisters kulminierten, gingen auf das Parlament als Volksvertretung über. Die Stadtverwaltung sollte auch nicht – wie im „Dritten Reich“ – Vollzugsorgan der Regierung, sondern den Weisungen des Stadtparlaments unterworfen sein.

Die Einführung solcher Grundsätze zur prinzipiellen Korrektur des nationalsozialistischen Systems war gewiss richtig und notwendig, doch manche über die deutsche Selbstverwaltungstradition hinausgehende Variante des britischen Systems wurde später auch wieder zurückgenommen, zuletzt 1994 die 1946 eingeführte Doppelspitze.

Auf der Basis des neuen Gemeindeverfassungsrechts hat die Stadtvertretung dann im Mai 46 eine – nach heutigen Begriffen – Hauptsatzung für die Stadt Bochum verabschiedet und sich eine Geschäftsordnung gegeben, – ordnungspolitische Grundlagen einer demokratischen Selbstverwaltung, die heute selbstverständlich sind, damals nach den Erfahrungen zwölfjähriger, auch kommunaler NS-Diktatur aber einen gewaltigen Schritt nach vorn bedeuteten.

 

Die inhaltliche Arbeit der Stadtvertretung

 

Die Arbeit der neuen Stadtvertretung und ihrer zahlreichen Ausschüsse war geprägt von dem Versuch, die elementaren Lebensbedingungen für eine hungernde und frierende Bevölkerung in zertrümmerten Häusern zu schaffen. Das Bochumer Amtsblatt[76] berichtete damals sehr ausführlich über diese Arbeit; die hier nur stichwortartig dargestellt werden kann.

Ende April 1946 beschäftigte sich der Schulausschuss mit der Wiederaufnahme des Unterrichts an den Bochumer Schulen und mit der Schulraumnot insbesondere der Innenstadt, wo sämtliche Schulgebäude zerstört waren.[77] Im Mai informierte Stadtbaurat Massenberg über die weitere Trümmerbeseitigung.[78] Anfang Juni tagte das Plenum der Stadtvertretung sechs Stunden; das Bochumer Amtsblatt berichtete fast 1½ Zeitungsseiten lang über die Beratungsthemen:[79] Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung; Schulspeisung für die Kinder; Abtransport der Trümmer und deren Säuberung oder Aufbereitung zu neuen Baustoffen; Schaffung von Badeeinrichtungen für die Bevölkerung angesichts der Notwohnungen ohne hinreichende Sanitäranlagen und der infolge zerstörter Energieleitungen unbenutzbaren Wohnungsbäder; Bewirtschaftung des nicht oder geringer zerstörten Wohnraums angesichts der riesigen Wohnungsnot.

Bei der Diskussion über alle diese Probleme gab es keinen politischen Streit zwischen den Parteien, war man sich von links bis rechts einig. Parlamentarische Auseinandersetzungen fanden ohnehin selten statt. Dennoch soll der erste politisch kontroverse Disput der Bochumer Nachkriegsdemokratie nicht unerwähnt bleiben:[80] Die SPD brachte in der Juni-Sitzung 1946 den Antrag ein, den Wilhelmsplatz in Husemannplatz umzubenennen, doch nach CDU-Meinung sollte dieser Platz „nach dem Bergarbeiterführer Imbusch benannt werden.“ Der KPD-Sprecher unterstützte den SPD-Antrag, schlug aber vermittelnd vor, dass dann ein zweiter Platz nach Imbusch benannt werden sollte. Der Vertreter der berufsständischen Gruppe regte schließlich an, zunächst einmal die neue Struktur der Innenstadt zu planen und die Umbenennung von Plätzen bis dahin zu vertagen. Doch so lange wartete man nicht: Schon Anfang 1947 wurde der Wilhelmsplatz in Husemannplatz und Mitte 1947 der Friedrichplatz, der im „Dritten Reich“ „Platz der SA“ hieß, in „Imbuschplatz“ umbenannt.[81]

In der Sitzung vom 26. Juli 1946[82] verabschiedete die Stadtvertretung zunächst eine Entschließung zur katastrophalen Ernährungslage. Dann ging es um den Wohnungsbau, die Brennstoffversorgung im folgenden Winter, die Aufnahme von Flüchtlingen, den Mangel an Säuglingswäsche, Matratzen und Kinderbetten, die Wiedereinführung der von den Nationalsozialisten abgeschafften Konfessionsschule sowie um den einstimmig beschlossenen CDU-Antrag, die Streifendienste von Flurhütern und Polizei in den Kleingartenanlagen wegen der erschreckend zugenommenen Diebstähle zu verstärken.

 

Die erste Nachkriegswahl:

ein demokratisch legitimiertes

Stadtparlament

 

Ende Juli wurde im Bochumer Amtsblatt die Entscheidung der Militärregierung veröffentlicht, dass die bereits in der konstituierenden Sitzung der Stadtvertretung am 28. Januar 1946 angekündigten Kommunalwahlen nunmehr am 13. Oktober stattfinden sollten.[83]

Schon seit April liefen auf Anordnung der Militärregierung und nach deren Vorgaben die Vorbereitungen dieser ersten freien Wahl nach Diktatur, Krieg und Zusammenbruch. Anfang Juli war im Bochumer Amtsblatt zu lesen gewesen, dass die Wählerverzeichnisse im Rathaus und in den Verwaltungsstellen der Vororte zur Einsicht bereit lägen und die Bürger Ansprüche auf die eigene Eintragung sowie Einsprüche gegen die Eintragung anderer Personen geltend machen könnten.[84]

Beides war damals eminent wichtig: Den eigenen Anspruch auf Eintragung geltend zu machen, weil die Vollständigkeit der Wählerverzeichnisse nach den starken Bevölkerungsverschiebungen durch Evakuierung, Flucht, Kriegsgefangenschaft und angesichts der chaotischen Verhältnisse der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegszeit nicht sicher sein konnte. Die Einspruchsmöglichkeit gegen die Eintragung anderer Personen bezog sich auf die Aberkennung des Wahlrechts nationalsozialistischer Personengruppen durch die Militärregierung. Kein Wahlrecht hatten danach die politischen Leiter der vormaligen NSDAP vom Blockleiter an aufwärts, insbesondere die Mitglieder der Ortsgruppenleitungen, Kreisleitungen und Gauleitungen der NSDAP, ferner die Angehörigen des SD, der Gestapo, der SS (nicht der Waffen-SS) und alle, die schon vor dem 1. März 1933 Mitglieder der NSDAP, SA, HJ etc. gewesen waren. Wer solche Personen in den Wählerverzeichnissen entdeckte, sollte Einspruch einlegen, um damit ihre Streichung herbei zu führen.

Ab September wurde im Bochumer Amtsblatt immer wieder dargestellt, wie der Wähler sein Wahlrecht ganz praktisch wahrnimmt, also eine demokratische Wahl verfahrensmäßig abläuft: Demokratie-Unterricht unter plakativ werbenden Schlagzeilen wie „Wählen ist die erste Bürgerpflicht“, „Wählen heißt aufbauen“ oder „Wahlrecht ist Wahlpflicht“.[85]

Wenig hilfreich bei der Einführung der Demokratie war das komplizierte Wahlverfahren, das die Besatzungsmacht vorgeschrieben hatte. Die Wähler konnten bis zu drei Kandidaten ankreuzen, was die Parteien veranlasste, in jedem Wahlkreis auch drei Kandidaten aufzustellen. Auf den Stimmzetteln stand dann mehr als ein Dutzend Kandidaten, die jedoch nicht parteipolitisch strukturiert, sondern in alphabethischer Namensfolge aufgeführt waren.

Noch komplizierter war die Auswertung der Stimmzettel, die vorwiegend nach den Grundsätzen des Mehrheitswahlrechts, in Teilen aber auch nach denen des Verhältniswahlrechts zu erfolgen hatte. Dementsprechend überraschend und für den Wähler kaum nachvollziehbar war das Wahlergebnis: In Bochum lagen SPD und CDU – bezogen auf die Gesamtstadt – in der auf sie entfallenden Stimmenzahl fast gleichauf; die SPD hatte gerade 521 Stimmen mehr als die CDU, das waren 0,2 % der Wählerstimmen. Doch sie zog mit 25, die CDU nur mit 18 Gewählten ins Rathaus ein, darüber hinaus die KPD mit zwei Mandatsträgern.[86]

Das galt nicht als fair. Zudem bestimmte das von den Engländern vorgegebene System, dass nur ein Drittel der Gewählten für die volle Amtszeit von drei Jahren, das zweite Drittel für zwei Jahre und das letzte Drittel nur für ein Jahr gewählt sein sollte, also jährlich ein Drittel des Parlaments durch dieses rollierende Wahlsystem zu ersetzen war. Dazu kam es jedoch nicht; Landtagsbeschlüsse des neu gebildeten Landes Nordrhein-Westfalen sorgten dafür, dass das komplizierte, im Ergebnis fragwürdige und höchst unpraktische Wahlrecht korrigiert wurde. Demzufolge blieb das 1946 gewählte Stadtparlament nur zwei Jahre im Amt, in dieser Zeit aber geschlossen, und kam es 1948 auf der Basis eines neuen Wahlgesetzes zu Neuwahlen nach den im Prinzip bis heute geltenden Regeln.

Immerhin gab es ab dem 13. Oktober 1946, also
13½ Jahre nach der letzten Kommunalwahl und der Zeit der auch kommunalen Diktatur im Bochumer Rathaus wieder eine demokratische Selbstverwaltung. Am 30. Oktober 1946 trat das neue Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen,[87] auch hier wieder unter den Augen der englischen Militärregierung und begleitet von den zur Demokratie mahnenden englischen Militärkommandanten. CDU-Sprecher Josef Schirpenbach beklagte zwar das wahlrechtsbedingt ungerechte Ergebnis seiner Partei, fügte aber an, seine Fraktion wolle „dem demokratischen Brauch folgen, wonach die stärkste Fraktion den politischen Repräsentanten stellt“, und so wurde der Anfang März von den Engländern zum Oberbürgermeister ernannte Wilhelm Geldmacher nunmehr einstimmig in dieses Amt gewählt. Dafür erhielt Schirpenbach selbst bei der Bürgermeisterwahl auch die Stimmen der SPD und wurde gegen den Kandidaten der KPD mit großer Mehrheit gewählt. So blieb ein Kommunist als Bochumer Bürgermeister eine halbjährige Episode.

Bochum hatte nun ein auch demokratisch legitimiertes Stadtparlament, dessen Beratungsthemen sich von denen der vorherigen Stadtvertretung allerdings kaum unterschieden. Noch in der konstituierenden Sitzung ging es um Ernährungslage und Hausbrandversorgung, um die gesundheitliche Situation der Bochumer Bevölkerung, um die Unterbringung vom heimgekehrten Kriegsgefangenen und von Flüchtlingen, um die alliierten Pläne einer Demontage des Bochumer Vereins – Themen, die das Parlament neben dem Wiederaufbau der Stadt noch jahrelang beschäftigen sollten. Doch der Aufbau einer neuen demokratischen Selbstverwaltung in Bochum war an jenem 30. Oktober 1946 abgeschlossen.

 

Abbildungsnachweis:

Archiv der Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. (Abb. 4); CDU-Archiv Bochum (Abb. 8); Kopien der städtischen Mitteilungsblätter der im Stadtarchiv Bochum archivierten Ausgaben (Abb. 3 und 9 sowie Umschlagrückseite); Stadt Bochum, Stadtarchiv/Presseamt (Abb. Titelseite sowie 1, 2, 5, 6, 7 und 10).



[1] Rundschreiben des Regierungspräsidenten von Arnsberg vom 6. Juli 1945, Stadtarchiv Bochum (StAB), Bo 10/200, Bl. 21.

[2] Dr. Franz Geyer, am 19. Juni 1885 in Dortmund geboren, wurde nach dem Studium der Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften und beruflichen Zwischenstationen in Dortmund und Herne im Juli 1923 1. Beigeordneter und Kämmerer in Bochum. Als 1935 seine 12-jährige Amtszeit auslief, setzte sich der nationalsozialistische Oberbürgermeister Piclum in Schreiben an den Regierungspräsidenten und an Gauleiter Wagner nachdrücklich für eine weitere 12-jährige Amtszeit in Bochum ein, rühmte Geyers Qualitäten als Kenner des städtischen Finanz- und Steuerwesens und urteilte: „Sein Verbleiben in seinem jetzigen Amt liegt unbedingt im städtischen Interesse.“ Die Schreiben enthalten aber nicht den geringsten Hinweis auf eine Nähe zum Nationalsozialismus oder politisches Wohlverhalten. StAB, Personal-Akte Geyer, Bo 11/777, Blatt 190). In Artikeln, die aus Anlass der Vollendung seines 50. Lebensjahres im Juni 1935 in der Bochumer Lokalpresse einschließlich des NS-Organs „Westfälische Landeszeitung Rote Erde“ erschienen, wurde er gleichfalls seiner fachlichen Fähigkeiten wegen breit gewürdigt, auch hier ohne jeden parteipolitischen Akzent. (Ausschnitte in der Personalakte wie vor.) Die ganze Akte enthält keinen Hinweis auf Nähe zum Nationalsozialismus.

[3] Johannes Volker Wagner (Hg.), Vom Trümmerfeld ins Wirtschaftswunderland. Bochum 1945-1955. Eine Dokumentation, Bochum 1989, Dokument Nr. 14, S. 98.

[4] StAB, Personalakte Geyer, Bo 11/778, Blatt 78.

[5] StAB, Personalakte Geyer, Bo 11/778, Blatt 78, Rückseite.

[6] Die Berufungsurkunde des Regierungspräsidenten datiert vom 16. Juni 1945. (StAB, Personalakte Geyer, Bo 11/778.).

[7] Amtliche Nachrichten der Stadt Bochum, Nr. 2 vom 7. Juli 1945.

[8] Hartmut Pietsch, Militärregierung, Bürokratie und Sozialisierung. Zur Entwicklung des politischen Systems in den Städten des Ruhrgebiets 1945-1948, Duisburg 1978, S. 50-54. Ortsbürgermeister wurden außer in mehreren Bochumer Stadtteilen u.a. auch in Vororten von Duisburg, Oberhausen, Essen und Gelsenkirchen eingesetzt.

[9] Max Ibing, geboren am 1. April 1882, war ab Juli 1902 bis zum 31. Juli 1929 im Amt der damals selbständigen Gemeinde Gerthe tätig. Ab 1920 leitete er die Amtsverwaltung als Amtmann, der später die Bezeichnung „Bürgermeister“ trug. Aufgrund der Eingemeindung Gerthes nach Bochum wurde Ibing ab 1. August 1929 in die Dienste der Stadt Bochum übernommen, ließ sich aber ab 31. Januar 1930 in den Ruhestand versetzen. Bei Kriegsbeginn wurde er im September 1939 aufgrund einer von der NS-Regierung erlassenen Notdienstverordnung für den zum Militär eingezogenen Verwaltungsstellenleiter dienstverpflichtet und mit der Leitung der Verwaltungsstelle Gerthe im dortigen Amtshaus betraut. StAB, Bo 11/790, S. 22.

[10] Ibings darüber am 12. April 1945 an Bürgermeister Dr. Geyer gerichteter Bericht ist im Faksimile wiedergegeben in Wagner, Trümmerfeld (wie Anm. 3), Dokument Nr. 12, S. 96.

[11] In der Gerther Ortsgeschichte ist überliefert, der Offizier habe seiner Landkarte nicht entnehmen können, dass Gerthe zu Bochum gehörte und Gerthe keine selbständige Stadt sei (Rainer Gans, Gerthe von der Bauernschaft zum Stadtteil, Bochum 1982, S. 37), doch diese Darstellung lässt sich aus den schriftlichen Quellen nicht ableiten.

[12] Chronik der kath. Pfarrgemeinde St. Franziskus Riemke, im Pfarramt Riemke, S. 161.

[13] Chronik der kath. Pfarrgemeinde St. Engelbert Oberdahlhausen, im dortigen Pfarramt. Der Name von Karl Sch. wurde abgekürzt, da er in der handschriftlichen Chronik nicht genau lesbar ist. Hinsichtlich des Bürgermeisteramtes für Oberdahlhausen irrte der auf sein Pfarrgebiet fixierte Pfarrer und Chronist: das Amt sollte sich auf ganz Dahlhausen beziehen. Jedenfalls existiert wenige Tage später ein „Bürgermeister of Bochum-Dahlhausen“. StAB, Bo 324/1, Blatt 35.

[14] StAB, Bo 324/1, enthält hinter Blatt 35 die Mitteilung der britischen Militäradministration vom 20. April 1945: „To whom it my [may] concern. Herr Wilhelm Berghoff is hereby appointed temporary Bürgermeister of Bochum-Dahlhausen. gez. Guyen, Major.”

[15] Chronik der kath. Pfarrgemeinde St. Bonifatius Langendreer, im Pfarramt, Band 2, S. 144, Anm. 44.

[16] Siehe hierzu: Clemens Kreuzer, Der Zweite Weltkrieg in den Stadtteilen des Bochumer Ostens, in: Bochumer Zeitpunkte Nr. 17 (Dezember 2005), S. 36 ff.

[17] Schreiben vom 13. April 1945. StAB, BO 324/1, Bl. 17.

[18] Schreiben des Military Government vom 24. April 1945, StAB, Bo 324/1, Blatt 35.

[19] Pietsch, Militärregierung (wie Anm. 8), S. 53.

[20] Bericht Max Ibing an Bürgermeister Dr. Geyer vom 12. April 1945, als Faksimile wiedergegeben in: Wagner, Trümmerfeld (wie Anm. 3), S. 96.

[21] Pietsch, Militärregierung (wie Anm. 8), S. 54.

[22] Chronik der kath. Pfarrgemeinde St. Bonifatius Langendreer, im Pfarramt, S. 144, Anm. 44.

[23] Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-48, S. 15.

[24] StAB, BO 10/200, Bl. 3. Teilgenommen haben danach Siegfried Böker („Vertreter der Gewerkschaften“), Witthüser („Vertreter für Kommunalpolitik“), Heinz Pöppe, („Vertreter der Antifaschisten und KPD“), Josef Hasler („Zentrum“); die hier angegebenen Bezeichnungen haben die Teilnehmer selbst ihrer jeweiligen Namenseintragung auf der Teilnehmerliste angefügt.

[25] Für das Zentrum kamen der 1932 pensionierte Stadtrat und ehemalige stellvertretende Zentrumsvorsitze von Westfalen, Anton Gilsing, und der ehemalige stellvertretende Zentrumsvorsitzende in Bochum, der Arbeitersekretär Alex Elfes. Für die SPD erschienen Geschäftsführer August Bangel und Paul Witthüser, für die KPD Heinz Pöppe und Josef Wiesmann und für die Gewerkschaften Friedrich Schürmann und Siegfried Böker. (StAB, Bo 10/200, Bl. 6).

[26] Die Einladung war an Pfarrer und Superintendent Fortmann mit der Bitte ergangen, einen weiteren Bürger seines Vertrauens mitzubringen. Repräsentanten der katholischen Kirche werden nicht besonders genannt; offenbar sah Bahlmann durch die Vertreter der früheren, faktisch „katholischen“ Zentrumspartei die Katholiken hinreichend vertreten, zumal sich unter ihnen auch der mit dem Aufbau einer Dekanats-Kirchenzeitung beschäftigte Redakteur Joseph M. Hasler befand. Zu der Einladung und Teilnahme siehe StAB, BO 10/200, Bl. 10-12.

[27] StAB, BO 10/200, Bl. 13/14, dokumentiert in Wagner, Trümmerfeld (wie Anm. 3), S. 152/153.

[28] StAB, BO 10/200, Bl. 15. Kritik an der Amtsführung des Bürgermeisters Bahlmann an die Militärregierung in Arnsberg hatte es darüber hinaus „aus antifaschistischen Kreisen Bochums“ gegeben, verbunden mit dem Vorschlag, den in Langendreer bis zur Eingemeindung nach Bochum amtierenden Amtmann und Bürgermeister Wilhelm Jacobi zum Bochumer Oberbürgermeister zu ernennen. Michael Klatt, Demokratischer Neubeginn in Bochum und Wattenscheid, in: Wagner, Trümmerfeld (wie Anm. 3), S. 45-72, hier S. 47.

[29] StAB, BO 10/200, Bl. 15.

[30] Ebd.

[31] Ebd., Bl. 21.

[32] StAB, BO 10/200. Die Vorschlagsliste enthält: 1. Stadtrat a. D. Anton Gilsing, 2. Bauunternehmer Heinrich Schrader, 3. Arbeitersekretär Alex Elfes, 4. Ernst Proff, 5. Willi Geldmacher, 6. Philipp Sommerlad, 7. Heinz Pöppe, 8. Geschäftsführer August Bangel, 9. Pfarrer Heinrich Fortmann, 10. Pfarrer Ludwig Grewe, 11. Prokurist Friedrich Hallmeier. Letzterer war von der Harpener Bergbau AG vorgeschlagen worden.

[33] StAB, Bo 10/200.

[34] Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-48, S. 20.

[35] Ebd., S. 10.

[36] StAB, Bo OStD 57.

[37] StAB, Bo OStD 57. Einladung vom 23. Januar 1946 an Stadtrat Dr. Schmidt zur Teilnahme an der konstituierenden Sitzung der Stadtvertretung am 28. Januar 1946.

[38] Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-1948, S. 20.

[39] StAB, BO 10/200, Bl. 42.

[40] Einführung von Ortsausschüssen, in: Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Bochum, Nr. 17 vom 15. Dezember 1945.

[41] Bochumer Jahresschau 1945, in: Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Bochum, Nr. 21 vom 12. Januar 1946.

[42] Klatt, Demokratischer Neubeginn (wie Anm. 28), S. 51.

[43] Clemens Kreuzer, Union in Bochum. Ein Beitrag zur politischen Geschichte dieser Stadt, Bochum 1985, S. 74: Wiedergabe des Anschreibens an Hubert Diermnn, Langendreer, aus dessen Privatbesitz.

[44] Ebd., S. 74: Wiedergabe aus dem Protokoll, in Privatbesitz Hubert Diermann. Nach Klatt, Demokratischer Neubeginn (wie Anm. 28), S. 51, ist die Geschäftsordnung nach langwieriger Überprüfung erst im Februar 1946 an die Ortsausschüsse ausgehändigt worden (StAB, Bestand Bo 10/201), doch waren deren Aufgaben bereits in den Einführungsreden des Stadtkommandanten und des Oberbürgermeisters bei der jeweiligen Konstituierung umrissen worden.

[45] Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-48, S. 20.

[46] Dem Verfasser stand das Privatarchiv Hubert Diermanns, 1946 Vorsitzender des Ortsausschusses Langendreer-Werne, mit Protokollen und sonstigen Unterlagen für die Publikation „Union in Bochum“ (wie Anm. 43) zur Verfügung. Darüber hinaus wurde die Akte StAB BO 10/202 ausgewertet. Auf diese Quellen bezieht sich die nachfolgende Darstellung, soweit keine anderen Angaben erfolgen.

[47] Hubert Diermann hatte im November 1945 den Ortsverband Langendreer der CDU gegründet. Von 1947 bis 1979 war er Mitglied des Stadtparlaments sowie von 1947 bis 1977 Kreisgeschäftsführer der CDU Bochum.

[48] StAB, BO 10/202.

[49] Bochumer Amtsblatt Nr. 3 vom 13. April 1946.

[50] StAB, BO 10/200, Blatt 42.

[51] Demokratisierung und Dezentralisierung der Orts- und Bezirksverwaltungen, in: Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Bochum, Nr. 7 vom 6. Oktober 1945.

[52] Seit dem 27. August hießen die vormaligen „Amtlichen Nachrichten“, die bis dahin in 8 Ausgaben erschienen waren, „Amtliche Bekanntmachungen“.

[53] So. z.B. in den Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 23 vom 26. Januar 1946, ferner in der Einladung an Stadtrat Dr. Schmidt vom 23. Januar 1946 (StAB, BO OStD 57).

[54] StAB, BO 10/200: Übersetzung des Schreibens des Stadtkommandanten vom 18. Dezember 1945.

[55] Amtliche Bekanntmachungen vom 2. Februar 1946 und ff.

[56] Klatt, Demokratischer Neubeginn (wie Anm. 28), S. 63.

[57] StAB, BO 10/200.

[58] Vermerk des OB Dr. Geyer vom 17. Dezember 1945, in: StAB, BO 10/200, Blatt 53.

[59] StAB, BO 10.200, Blatt 59 ff. Zahlreiche Einzelvorschläge, die wohl von den Artikeln in der Ruhrzeitung und den Amtlichen Bekanntmachungen ausgelöst worden waren, lagen bereits vor.

[60] Bei der Besetzung der Ortsausschüsse waren sie allerdings bereits mit Vorschlägen tätig geworden.

[61] Zur CDU vgl. Kreuzer, Union in Bochum (wie Anm. 43), S. 5 ff.; zur SPD Klatt, Demokratischer Neubeginn (wie Anm. 28), S. 51 ff.

[62] Klatt, Demokratischer Neubeginn (wie Anm. 28), S. 51-52.

[63] Kreuzer, Union (wie Anm. 43), S. 13 und 23.

[64] Erst im Juli 1946 wurde die Stadtvertretung um Vertreter dieser Parteien ergänzt. Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-1948, S. 21.

[65] Ebd., S. 20-21.

[66] Die Veranstaltung war öffentlich, doch mussten angesichts der räumlichen Grenzen des Tagungsortes die Teilnehmerzahlen begrenzt und deshalb Einlasskarten über die Parteien ausgegeben werden.

[67] Amtliche Bekanntmachungen Nr. 24 vom 2. Februar 1946,. In dem Blatt wird seitenlang über die Veranstaltung berichtet und sind die Redetexte im Wortlaut wiedergegeben. Auch die weitere Schilderung und die zitierten Redetexte sind diesem Bericht entnommen.

[68] Die Darstellung folgt dem Bericht der Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 28 vom 5. März 1946.

[69] Amtliche Bekanntmachungen Nr. 29 vom 9. März 1946, gleich lautend Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938-48, S. 21.

[70] Kreuzer, Union in Bochum (wie Anm. 43), S. 78.

[71] Personalakte Geyer, StAB, Bo 11/778, Mitteilung vom 8. März 1946 an den Oberbürgermeister. Am 16. März teilte OStD Dr. Schmidt Oberbürgermeister Geldmacher mit: „Herrn Oberbürgermeister Dr. Geyer habe ich auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt.“ (StAB, BO/OB 1).

[72] Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde erfolgte zur Vollendung des 80. Lebensjahres von Dr. Franz Geyer durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 6. Mai 1965.

[73] Personalakte Geyer, StAB, Bo 11/778, Übersetzung des Schreibens von R. E. Hickson, Oberstlt., Comd. HY Mil.Gov. Regierungsbezirk Arnsberg, vom 6. März 1946.

[74] Hugo Stehkämper (Hg.), Konrad Adenauer. Oberbürgermeister von Köln, Festgabe der Stadt Köln zum 100. Geburtstag ihres Ehrenbürgers am 5. Januar 1976, Köln 1976, S. 524 ff. sowie Bildtafel 74.

[75] Die folgende Darstellung folgt dem Bericht im Bochumer Amtsblatt Nr. 1 vom 30. März 1946.

[76] Seit dem 30. März 1946 erschien anstelle der „Amtlichen Bekanntmachungen“ das „Bochumer Amtsblatt“, das interessierte Bürger auch an Ausgabestellen in den einzelnen Stadtteilen erhalten konnten.

[77] Bochumer Amtsblatt Nr. 5 vom 27. April.1946.

[78] Bochumer Amtsblatt Nr. 7 vom 11. Mai 1946.

[79] Bochumer Amtsblatt Nr. 11 vom 8. Juni1946.

[80] Die Darstellung folgt dem Bericht im Bochumer Amtsblatt Nr. 11. vom 8. Juni 1946.

[81] Stadt Bochum (Hg.), Bochumer Straßennamen, Herkunft und Deutung, Bochum 1992, S. 250-254.

[82] Bochumer Amtsblatt Nr. 19 vom 3. August 1946.

[83] Bochumer Amtsblatt Nr. 18 vom 27. Juli 1946.

[84] Bochumer Amtsblatt Nr. 15 vom 6. Juli 1946.

[85] Bochumer Amtsblatt Nr. 26 vom 21. September, Nr. 28 vom 5. Oktober und Nr. 29 vom 12. Oktober 1946.

[86] Wagner, Trümmerfeld (wie Anm. 3), Dokument Nr. 160, S. 283. In Wattenscheid kam es bei ähnlicher Ausgangslage zum umgekehrten Effekt: Hier lag die CDU mit 42,6 % gerade 1 % vor der SPD (41,6 %) und zog mit 18, die SPD aber nur mit elf Mandatsträgern ins Rathaus ein. Ebd., S. 273.

[87] Die nachfolgende Darstellung folgt dem Bericht im Bochumer Amtsblatt Nr. 32 vom 2. November 1946.

 

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Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Heft 18, Dezember 2006

 

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