Hans W. Bimbel

 

Hans H. Hanke

 

Hans Werner Bimbels Todestag liegt am 20. Oktober ein Jahr zurück. Grund genug, noch einmal an ihn zu erinnern.

 

Hans W., wie wir ihn liebevoll nannten, war am 30. Januar 1916 in Berlin geboren worden. Zu seiner Berliner Heimat hat er immer gestanden, so wohl er sich auch in Bochum gefühlt hat. Seine berufliche Laufbahn begann bei einer Berliner Schiffahrtsgesellschaft, wo er seine Lehre als Registrator und Aktenver­walter absolvierte. 1936 bewarb er sich um eine Stelle im Stadtarchiv Berlin. Dort wurde sein Gesuch mit der Begründung abgelehnt, daß er seinen Wehrdienst noch nicht abgeleistet habe. Daraufhin trat Hans W. in die Wehrmacht ein. Während der Olymiade in Berlin 1936 wurde er einem Oberfeldarzt, der die Sportler medizinisch betreute, als Schreibordo­nanz zugeordnet. Danach kam er zum Infantrieregiment 54 in Schlesien. Der Zweite Weltkrieg endete für ihn mit Zwangsarbeit in sowjetischer Gefangenschaft, aus der er 1945 entlassen wurde.

 

Hans W. kehrte nach Ost-Berlin zurück und erhielt eine Stelle in der staatlichen Binnenschiffahrt. 1950 wurde er zum Archivar ernannt. Es folgte eine Tätigkeit in der Konsum­genossenschaft bis er 1953 ins Stadtarchiv kam. In einem WAZ-Artikel vom 9.1.1986, den ich hier ausführlich zitiere, erinnert sich Hans W. an die Überlegungen, die er damals hegte. In West-Berlin, wo die Ost-Berliner damals vor dem Mauer­bau noch ungehindert verkehren konnten, herrschten gute Einkaufs­möglichkeiten für den täglichen Bedarf. In Ost-Berlin gab es Arbeit. Schwierigkeiten machte ihm die Tatsache, daß er kein SED-Mitglied war. Als sein Chef in den Westen floh, wurde er wegen "mangelnder Aufmerksamkeit" entlassen. Im Nach­folgeinstitut der Physikalischen Reichsanstalt fand er aber erneut Arbeit.

 

Die Probleme, die er als Nichtmit­glied der SED bekam, wuchsen Hans W. letztendlich über den Kopf. Er fühlte sich in dieser Zeit ständig beobachtet; sicherlich nicht zu Unrecht, wie wir aus heutiger Sicht vermuten können. Im Juli 1958 ging Hans W. in den Westen. Ein Jahr später nahm er seine Arbeit im Stadtarchiv Unna auf, wo er allerdings nur hospitierte, um Verhältnisse und Arbeitsweisen in westdeut­schen Archiven kennenzulernen.

 

Noch 1958 kam er nach Gerthe und stellte sich im Stadtarchiv Bochum vor, das sich damals noch im Gerther Amtshaus befand. Unter dem Archivleiter Helmuth Croon nahm er dann dort seine Tätigkeit als Archivar auf. Hans W. schilderte in einem seiner Briefe die damaligen Verhältnisse im Amtshaus Gerthe; vieles mußte noch geregelt werden, was uns heute so selbstverständlich geordnet erscheint: "... Das Archiv befand sich damals (1960) ja noch im alten Amtshaus zu Gerthe, wo wir einen Teil des linken Flügels einnahmen. ... Mehrere Museumsstücke lagerten im Keller des Amtshauses, mehr aufeinander geschichtet als nebeneinander gestellt, übrigens feucht, abgerostet und zum Teil recht vergammelt. Denn die ganzen Jahre über hatte sich wohl niemand um die geretteten Stücke gekümmert, seit der Sicherstellung nach dem Brand der alten Wasserburg Haus Rechen Novemver 1944. ... So lagerten im Keller des Amtshauses alle möglichen Teile. Frei war eigentlich nur die sogenannte »Ernüchterungszelle« der im Haus untergebrachten Polizei­wache. ... Im ehemaligen Sitzungssaal des Amtes lagerten Möbel und Kisten. Einzig das Trauzimmer wurde damals hergerichtet. ..." Der so umschriebene Raummangel führte dann zum Umzug des Stadtarchivs in die Arndtstraße und schließlich in das heutige Haus an der Kronenstraße. Hans W. hat sie alle mitgemacht und als "Aktenknecht" gedient, wie er selbst stets sagte. 1979 ging Hans W. dann in den Ruhestand, wenn man das, was er dann alles unternahm, wirklich "Ruhestand" nennen will.

 

Schon immer hatte sich Hans W. auch außerdienstlich für die Geschichte Bochums engagiert. Seine besondere Liebe galt dabei der Territorial­geschichte des 9. bis 18. Jhs. und der Verwaltungsgeschichte des 19./20. Jhs. Auf diesem Gebiet hat er grundlegende Beobachtungen und viele Daten und Fakten zu äußerst hilfreichen Systematiken und Karten zusammengefaßt. So nebenbei flossen ihm zahlreiche "Fundsachen" aus der Feder, die immer wieder wichtige Erkenntnisse liefern. Sein großer Wunsch, seine Schriften in einem Sammelband zu veröffentlichen, harrt nach wie vor der Verwirklichung. Sein Nachlaß wird zur Zeit vom Stadtarchiv übernommen.

 

Hans W. war schreibendes Mitglied des Sauerländischen Gebirgs­vereins, des Westfälischen Heimat­bundes und der Kortum-Gesellschaft. Er veröffentlichte regelmäßig historische Beiträge in den Programmheften der Bochumer Maischützen und im Bochumer Adreß­buch sowie in den letzten Jahren in der Zeitschrift "Der Bochumer Senior­bürger". Für sein unglaublich umfangreiches Wirken haben wir ihm mit dem "Silbernen Buch", unserer Ehrennadel, gedankt. Einige Zeit war Hans W. auch in unserem Beirat. Doch letztlich war er ein Individualist, der lieber ungestört von Vereinszwängen seine Ziele verfolgte. Man braucht hier nicht zu verhehlen, daß Hans W. ein streng kritischer Begleiter unserer Vereinigung wie auch der anderen Vereine war. Seiner treffend-bissigen Kommentare konnte man sicher sein, sobald ihm die Aktivitäten zur Heimattümelei auszuarten schienen oder er unwissenschaftliches Vorgehen vermutete. Seine Art war es aber auch, sich auf die positiven Seiten der eben noch Kritisierten zu besinnen und seine Unterstützung nie zu versagen.

 

Am allerwenigsten mochte er jed­wedes Aufsehen um seine Person. Als Beleg traue ich mich hier, noch einmal aus einem Brief von Hans. W. zu zitieren, er wird es mir hoffentlich verzeihen: "In diesen Tagen bin ich zweimal auf etwas aufmerksam gemacht worden, meinen 75. Geburtstag im Januar. Ich müßte doch eine Auszeichnung, z.B. den (Bochumer) Ehrenteller kriegen ..., sollte sich auch in unserem Verein da was anbahnen, mache doch darauf aufmerksam, ich will nicht so einen Wand­schmuck haben!"

 

Impressum

Bochumer Zeitpunkte Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege 

 

Herausgeber:

Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.

Vereinigung für Heimatkunde, Stadt­geschichte und Denkmalschutz

Graf-Engelbert-Straße 18, 44791 Bochum

Tel.: 0234/581480

 

Redaktion:

Eberhard Brand, Dr. Hans H. Hanke,

Peter Kracht

Heft Nr.2 - 1/93 in Zusammenarbeit mit Dieter W. Hartwig und Achim Verres

 

Verlag:

Peter Kracht - Verlag

Limbeckstraße 24, 44894 Bochum

Tel.: 0234/263327

ISSN 0940-5453

 

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