Einstmals große Kirmestage in Linden

 

Helmut G. Leimann

 

Am Samstag, dem 24., und Sonntag, dem 25. August des Jahres 1907 fand wohl die größte Kirmes in Linden statt, die je die Bürger im Orte erlebt hatten. An diesen Tagen jährte sich hier zum 300. Male das traditionelle Kirchweihfest.



Der Ursprung dieses Volksfestes ist auf Mittwoch, den 24. August 1608 zurückzuführen. An diesem Tage hatte der Prediger Johann Heitfeld den ersten lutherischen Gottesdienst vor der Kirchengemeinde - hierzu gehörte auch die Gemeinde Dahl-hausen - in der Lindener St. Antonius-Kirche abgehalten. Der 24. August, so weist es der Kalender aus, ist der Bartholomäustag. Der Hl. Bartholo-mäus war einer der 12 Apostel. Sicherlich hatte der protestantische Prediger diesen Tag bewußt für seinen ersten Gottesdienst in einer bis dahin von den Katholiken benutzten Kirche gewählt. Da aber das 1430 erbaute, 300 Personen fassende Kirchlein am Donnerstag, dem 24. August geweiht worden war, kann wohl davon ausgegangen werden, daß das Kirchweihfest bereits ab diesem Zeitpunkt alljährlich stattgefunden hat. Demzufolge würde sich das Kirchweihfest, die Lindener Kirmes, zum 564. Male wiederholt haben.



Die Fahrensleute und Gaukler hatten auf und neben dem Kirchplatz, der sich gegenüber dem heutigen Marktplatz befunden hat, immer ihre Stellplätze. Für die Belegung mußten sie einen Obulus an die Gemeinde entrichten. Aus einer Eintragung im Gemeindeprotokoll vom 6. Oktober 1856 geht hervor, daß die im gleichen Jahr eingenommenen 9 Thl., 2 Sgr. und 6 Pfg. an ordentliche Arme des Dorfes verteilt werden sollen. Dieser Beschluß, der von den Gemeinde-räten Schwager, Nehring, Nöcker und Gördt sowie dem Vorsteher Voß-nacke unterzeichnet wurde, hatte noch recht lange Gültigkeit.



An den beiden Kirmestagen im August 1907 muß ein riesiger Trubel geherrscht haben, denn die Lindener Wirts- und Geschäftsleute hatten mit großen Zeitungsannoncen sowohl örtlich als auch bei den Nachbar-gemeinden auf das Volksfest aufmerk-sam gemacht. Sie warben nicht nur mit dem allgemeinen Kirmesbetrieb, sondern auch mit kulturellen und vergnüglichen Saal- und Zeltveran-staltungen. Zugnummern waren Gastspiele des internationalen Varietés aus Elberfeld, große spezielle Vorstellungen von Künstlern ersten Ranges sowie Konzerte und Bälle mit namhaften Kapellen und einer Theater-Gesellschaft und einem Possen-Ensemble. Ein Gasthaus kündigte nette Damenbedienung an beiden Kirmestagen an. Die Kirmeszeile auf der damaligen König- und Hochstraße - jetzt Hattinger Straße - begann an der Gaststätte Moll und endete an dem ehemaligen Wirtshaus Lutz.



Die Kirmesleute kamen alljährlich nicht nur wegen der Lindener Traditions-Kirmes, sie machten auch jedesmal vorher noch Stationen in Harpen und Weitmar.



In einer Bochumer Zeitung stand am 23. August 1907 u.a. ein Vermerk, daß mit der Bartholomäus-Kirmes in Linden ein Viehmarkt einhergehen sollte. Das war jedoch, so stellte sich einen Tag später heraus, eine dicke Zeitungsente. Die Hattinger Zeitung schrieb nämlich, daß die Nachricht insoweit stimmen würde, als auf dem angekündigten Viehmarkt nur Bären gehandelt würden und zwar von der Art, wie sie dem Bochumer Blatte durch eine Falschmeldung aufge-bunden worden seien. Ein Viehmarkt fand an diesem Tage wirklich nicht statt. Es liegen auch keine Hinweise darüber vor, ob jemals ein Viehmarkt in Linden stattgefunden hat.

 

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Bochumer Zeitpunkte

Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege

Heft 4, Oktober 1996

 

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