Von der „Schlacht bei Wiemelhausen“, die nicht stattfand

 

Hans W. Bimbel

 

Über eine höchst originelle Begebenheit im alten Bochum - genauer in Wiemelhausen, im Bereich der damals noch fördernden Zeche Friederika - berichtete einst vor langer Zeit der „Märkische Sprecher“, Bochums erste Zeitung, ein nun auch schon seit über sechzig Jahren nicht mehr herausgegebenes Blatt.



Zufällig, so der „Märker“, an einem späten Abend - man schrieb Dienstag, den 14. November 1871 -, beobachtete ein „wanderlustiger Spaziergänger“, wie sich beim Schein einiger Laternen ein „Arbeitshaufen mit Hacken und Schaufeln“ unter Leitung eines Baubeamten daran machte, die zur Zeche führenden Gleise aufzureißen. Vielleicht, daß die Arbeit mehr Geräusch verursachte als erwünscht und nötig war, jedenfalls nahte bald von der anderen Seite, von der Zeche her, „eine Anzahl entschlossen aussehender Männer“, dessen Anführer alsbald lautstark gegen die „den Schienenstrang zerstörenden Arbeiten protestirte“.



Die wortreiche Auseinandersetzung brachte nun folgendes zutage: Die „Bergisch-Märkische“, in jenen Jahren noch die einzige Bochum anlaufende Eisenbahngesellschaft, wollte die bei der Zeche liegende Weiche ausbauen. Allem Anschein nach - aus dem Zeitungsbericht geht dies eindeutig nicht hervor -, hatte man darüber schon früher, doch ohne sich zu einigen, verhandelt. Den Bahnanschluß hatte Friederika seit 1869. Möglich, daß die „BM“, wie die Eisenbahnhgesellschaft auch genannt wurde, die teure Weiche woanders einbauen wollte. Die späte Abendstunde war augenscheinlich der richtige Zeitpunkt zum „parlamentiren“. Denn der Anführer der „entschlossenen Mannen“ war kein geringerer als der Zechendirektor persönlich. Sein Verhandlungsgeschick war jedenfalls erfolgsgekrönt, immerhin ein Ereignis in einer Zeit, da die Eisenbahngesellschaften auch in kleineren Angelegenheiten es nur zu oft spüren ließen, daß sie die Mächtigeren waren.



Der uns unbekannt gebliebene Reporter (sein Zeichen war ein §), berichtete darüber dann auch launig: „der Bauführer gab nach kurzer Zeit, vielleicht auch eingeschüchtert durch die Folge der Dunkelheit bedeutend scheinende feindliche Übermacht, den Befehl, die Zerstörungsarbeit wieder einzustellen und alles wieder in den alten Zustand herzurichten. Damit war dann die Schlacht, die der spätere Historiker wohl als die Schlacht bei Wiemelhausen bezeichnen wird, beendigt“.



Der Hinweis auf die „späteren Historiker“ ist heute übrigens garnicht so abwägig. Anfang der 80er Jahre wurde auch das Bochumer Stadtarchiv Gleisanlieger. Von der rückwärtigen Front seines neuen Hauses in der Kronenstraße 47 blickte man damals noch auf die alten Gleise der längst stillgelegten Friederika-Anschlußbahn. Denn erst Mitte Januar 1983 wurde die kurze, immer eingleisig gebliebene Anlage, in ihrem letzten Stück von der Brücke an der Hermannshöhe bis über die Oskar-Hoffmann-Straße hinaus abgebrochen. Aus der erhalten gebliebenen Trasse aber wurde ein begrünter schöner Spazierweg.

 

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Bochumer Zeitpunkte

Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege

Heft 4, Oktober 1996

 

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